CalMag 2:1, 3:1 oder 4:1 - Welches Verhältnis ist das richtige?

CalMag 2:1, 3:1 oder 4:1 - Welches Verhältnis ist das richtige? - CannaSelection®
Beginner Guide

Teil 1: Warum die Frage allein zu kurz greift

Kaum ein Thema wird im Grow-Bereich so oft vereinfacht wie Calcium und Magnesium.

Mal heißt es, 3:1 sei das richtige Verhältnis.
Dann wieder wird 4:1 als die bessere Lösung dargestellt.
Und oft wird bei ersten Symptomen einfach pauschal zu CalMag geraten, als hätte man die Ursache damit bereits gefunden.

Genau hier beginnt das eigentliche Problem.

Denn die Frage „2:1, 3:1 oder 4:1?“ klingt zwar klar und präzise, greift in der Praxis aber oft zu kurz. Sie suggeriert, dass die Wahrheit in einer einzigen Zahl liegt.

Tatsächlich entscheidet sich die CalMag-Frage aber nicht zuerst an der Flasche, sondern an deutlich grundlegenderen Punkten:

  • deinem Ausgangswasser
  • deinem System
  • deinem Substrat
  • deiner Düngelinie
  • der Pufferung im Medium
  • und der tatsächlichen Reaktion der Pflanze

Und genau deshalb kann dieselbe Empfehlung in einem Setup sauber funktionieren, im nächsten aber komplett am Problem vorbeigehen.


Die eigentliche Basis wird oft übergangen: das Wasser

Bevor überhaupt sinnvoll über 2:1, 3:1, 4:1 oder eine zusätzliche CalMag-Gabe gesprochen werden kann, muss eine viel wichtigere Frage geklärt werden:

Was bringt dein Wasser bereits mit?

Denn genau dort startet die Realität jedes Grows.

Der eine arbeitet mit sehr weichem Leitungswasser.
Der nächste mit hartem, calciumreichem Wasser.
Der dritte nutzt Osmosewasser und remineralisiert es gezielt.
Auf den ersten Blick reden alle über CalMag. In Wahrheit reden sie aber über völlig unterschiedliche Ausgangslagen.

Und genau deshalb führen viele Diskussionen zu dem Thema komplett an der Praxis vorbei.

Wer über CalMag spricht, ohne zuerst über Wasser zu sprechen, startet meist an der falschen Stelle.

Dein Leitungswasser sabotiert deinen Grow


Warum die klassische 3:1-oder-4:1-Debatte oft in die Irre läuft

Die Debatte ist so beliebt, weil Zahlen Sicherheit geben.

Ein Verhältnis wie 2:1, 3:1 oder 4:1 wirkt sauber.
Es wirkt greifbar.
Es wirkt fast wie eine feste Regel.

Nur: In der Praxis ist genau das oft der Denkfehler.

Denn ein Verhältnis allein sagt zunächst erstaunlich wenig aus.

Es sagt zum Beispiel nicht:

  • wie hoch die absoluten Calciumwerte im Wasser tatsächlich sind
  • wie viel Magnesium bereits vorhanden ist
  • ob dein Wasser ohnehin schon calciumlastig ist
  • ob Magnesium vielleicht schon eher zu hoch liegt
  • wie stark dein Substrat puffert
  • ob du mit Erde, Coco, Steinwolle oder Hydro arbeitest
  • welche anderen Nährstoffe zusätzlich Calcium oder Magnesium eintragen

Und es sagt schon gar nicht automatisch, dass die Symptome wirklich auf ein Ca/Mg-Thema zurückzuführen sind.

Genau hier wird in der Praxis sehr viel verwechselt.

Viele Grower sehen Aufhellungen, Nekrosen oder Wachstumsprobleme und denken sofort an CalMag. Häufig liegt aber gar kein „reiner CalMag-Mangel“ vor, sondern etwas ganz anderes spielt hinein:

  • Wasserchemie
  • pH-Probleme
  • Salzstress
  • Kaliumüberschüsse
  • Wurzelstress
  • schlechte Verfügbarkeit trotz vorhandener Werte
  • ein unausgewogenes Verhältnis im Gesamtsystem

Das ist wichtig.

Denn dadurch verschiebt sich die eigentliche Frage.

Es geht nicht nur um:

Welches Verhältnis steht auf dem Produkt?

Sondern vielmehr um:

Welches Verhältnis entsteht am Ende wirklich in meinem Gießwasser und in meinem System?

Das ist der entscheidende Unterschied.


Ein Verhältnis ist nie die ganze Wahrheit

Genau an diesem Punkt wird die Sache fachlich interessant.

Denn ein 3:1-Verhältnis kann in einem Setup absolut sauber laufen und im nächsten komplett unpassend sein. Nicht, weil 3:1 „falsch“ wäre, sondern weil die Ausgangslage eine andere ist.

Dasselbe gilt für 4:1.

Und genau deshalb ist es fachlich problematisch, eines dieser Verhältnisse pauschal als allgemeingültig darzustellen.

Denn was auf dem Papier ausgeglichen aussieht, kann in der Praxis je nach Wasser und System völlig unterschiedlich wirken.

Ein paar einfache Beispiele machen das greifbarer:

Beispiel 1: hartes, calciumreiches Leitungswasser

Wenn dein Leitungswasser ohnehin schon viel Calcium mitbringt, kann ein zusätzlich calciumlastiges CalMag-Produkt schnell am Bedarf vorbeigehen.

Dann ist nicht „noch mehr Calcium“ die Lösung, sondern eher die Frage, ob Magnesium überhaupt sauber hinterherkommt.

Beispiel 2: sehr weiches Wasser

Bei weichem Wasser fehlt oft bereits die mineralische Basis. Hier kann eine gezielte Calcium- und Magnesiumergänzung deutlich sinnvoller sein, weil das Wasser selbst kaum Pufferung und kaum nennenswerte Ausgangswerte mitbringt.

Beispiel 3: Osmosewasser

Bei Osmosewasser fällt die natürliche Grundlage fast komplett weg. Hier reden wir nicht mehr nur über Korrektur, sondern oft über echte Remineralisierung. Das ist eine völlig andere Ausgangslage als klassisches Leitungswasser.

Beispiel 4: Coco oder Hydro

In technischen Systemen mit geringerer Pufferung reagieren Pflanzen oft direkter auf Ungleichgewichte. Dadurch können andere Ca/Mg-Gewichtungen sinnvoll werden als in organisch gepufferten Substraten.


Genau deshalb arbeiten auch Hersteller nicht alle gleich

Ein sehr wichtiger Punkt, der in vielen Diskussionen fast komplett fehlt:

Der Markt selbst zeigt längst, dass es nicht die eine universelle Lösung gibt.

Wenn es wirklich nur ein einzig richtiges CalMag-Verhältnis gäbe, würden alle Hersteller letztlich auf dieselbe Rezeptur hinauslaufen.

Tun sie aber nicht.

Stattdessen sieht man am Markt:

  • unterschiedliche Ca/Mg-Gewichtungen
  • unterschiedliche Produktlogiken
  • unterschiedliche Einsatzempfehlungen
  • klare Trennung zwischen weichem Wasser, hartem Wasser und Osmosewasser
  • Produkte, die eher als Ergänzung gedacht sind
  • Produkte, die eher in Richtung Remineralisierung gehen

Allein das ist schon ein starkes Signal.

Denn es zeigt:

Hersteller formulieren nicht nach Dogma, sondern nach Einsatzszenario.


Die eigentliche Leitfrage lautet deshalb nicht 3:1 oder 4:1

Die wichtigere Frage ist:

Was braucht mein Wasser und mein System überhaupt?

Denn erst wenn diese Grundlage sauber eingeordnet ist, wird die Verhältnisfrage sinnvoll.

Das bedeutet konkret:

  1. Wasser zuerst verstehen
    Welche Calcium- und Magnesiumwerte bringt dein Ausgangswasser bereits mit?
  2. System korrekt einordnen
    Arbeitest du in Erde, Living Soil, Coco, Steinwolle, DWC oder mit Osmosewasser?
  3. Gesamtdüngung mitdenken
    Auch Basisdünger, Zusätze und Substrate bringen Ca und Mg ins System ein.
  4. Symptome nicht vorschnell deuten
    Nicht jede Aufhellung ist Magnesiummangel. Nicht jede Nekrose im Neuwuchs ist automatisch Calcium.
  5. Verhältnisse als Werkzeug sehen, nicht als Dogma
    3:1, 4:1 oder auch andere Profile sind keine Glaubensfrage, sondern Werkzeuge für unterschiedliche Ausgangslagen.


Warum dieser Unterschied so wichtig ist

Viele Grower versuchen Probleme erst dann zu lösen, wenn die Pflanze schon sichtbar reagiert.

Das ist verständlich, aber genau dort wird das Thema oft unnötig verkürzt.

Denn in der Realität entstehen viele sogenannte CalMag-Probleme nicht, weil Calcium oder Magnesium pauschal „zu wenig“ vorhanden wären, sondern weil:

  • das Wasser nicht zur Düngestrategie passt
  • das Verhältnis im Gesamtsystem kippt
  • das Substrat anders puffert als gedacht
  • Magnesium und Calcium unterschiedlich verfügbar werden
  • ein System technisch sensibler reagiert als ein anderes

Anders gesagt:

Viele vermeintliche CalMag-Probleme sind in Wahrheit Wasser- und Systemprobleme.


Was wir in Teil 2 konkret auflösen

Im zweiten Teil gehen wir dann ganz bewusst tiefer in die Praxis.

Dort klären wir:

  • welche CalMag-Verhältnisse aktuell am Markt tatsächlich vorkommen
  • welche Hersteller was kommunizieren
  • wie sich Leitungswasser und Osmosewasser unterscheiden
  • welche typischen Wasserwerte man einordnen sollte
  • wann eher calciumlastige Lösungen sinnvoll sind
  • wann magnesiumbetontere Korrekturen sinnvoller werden
  • warum manche Produkte gar nicht direkt vergleichbar sind
  • und wie man die Verhältnisfrage endlich sauber in den realen Grow-Kontext bringt

Denn genau dort wird aus einer Forumsdiskussion ein echter Autoritätsbeitrag.


Fazit von Teil 1

Die Frage „CalMag 3:1 oder 4:1?“ ist verständlich, aber als alleiniger Ausgangspunkt zu eng.

Sie klingt nach einer klaren Lösung, blendet aber oft die viel wichtigeren Faktoren aus:

  • das Ausgangswasser
  • die absolute Mineralisierung
  • die Art des Systems
  • die Pufferung des Substrats
  • die restliche Düngestrategie
  • und die tatsächliche Pflanzenreaktion

Die fachlich saubere Perspektive lautet deshalb nicht:

Welches Verhältnis ist allgemein richtig?

Sondern:

Welches Verhältnis passt zu meinem Wasser, meinem System und meinem tatsächlichen Bedarf?

 

Teil 2: Was Hersteller wirklich verkaufen – und was das für dein Wasser bedeutet

Im ersten Teil haben wir die Grundlogik geradegezogen:

Die Frage ist nicht nur, ob 3:1 oder 4:1 „richtig“ ist.
Die wichtigere Frage ist, was dein Wasser bereits mitbringt und welche Art von Produkt du überhaupt vor dir hast.

Denn genau hier wird es spannend:

Der Markt bestätigt die einfache Internetdebatte nur bedingt.

Wenn man sich die offiziellen Herstellerangaben und Produktblätter anschaut, sieht man schnell:
CalMag-Produkte folgen nicht alle derselben Logik. Sie sind nicht alle gleich formuliert. Sie sind nicht alle für dieselben Ausgangswässer gedacht. Und sie sind auch nicht alle direkt miteinander vergleichbar.

Genau deshalb wird aus einer scheinbar simplen Verhältnisfrage in der Praxis schnell eine Wasserfrage.


Der erste wichtige Punkt: Nicht jedes CalMag meint dasselbe

Viele Grower vergleichen CalMag-Produkte, als würden alle Flaschen dieselbe Aufgabe erfüllen.

Tun sie aber nicht.

Einige Produkte sind klar als Ergänzung bei RO- oder sehr weichem Wasser positioniert.
Andere wirken eher wie ein klassischer Mangelkorrektor.
Wieder andere sind vor allem für Coco, soillose Medien oder Hydro gedacht.
Und manche Hersteller geben ihre Werte direkt als Calcium und Magnesium an, andere wiederum als Calciumoxid (CaO) und Magnesiumoxid (MgO).

Das klingt nach einem kleinen Detail, ist aber in Wahrheit entscheidend.

Denn wenn der eine Hersteller elementares Ca/Mg angibt und der andere CaO/MgO, dann lassen sich die Zahlen nicht 1:1 nebeneinanderlegen, ohne sie vorher sauber einzuordnen. Genau an dieser Stelle entstehen viele Scheingenauigkeiten in Foren und Social-Media-Diskussionen.


Was der Markt aktuell tatsächlich zeigt

Wenn wir uns die offiziellen Herstellerangaben anschauen, dann ergibt sich ein deutlich breiteres Bild als nur „3:1 oder 4:1“.

General Hydroponics CALiMAGic

  • deklariert 5,0 % Calcium und 1,5 % Magnesium
  • das entspricht ungefähr 3,3:1
  • auf dem Label wird es ausdrücklich auch für Reverse Osmosis / purified water genannt
  • zusätzlich wird die Anwendung in Coconut Coir bzw. in soillosen Mischungen erwähnt

Botanicare Cal-Mag Plus

  • deklariert 3,2 % Calcium und 1,2 % Magnesium
  • das entspricht ungefähr 2,7:1
  • Botanicare empfiehlt es ausdrücklich zur Ergänzung von RO-Wasser oder beim Anbau in Coco Coir
  • laut Hersteller kann es in Hydro, Erde und Containerkulturen eingesetzt werden

Grotek Cal-Max

  • deklariert 3,0 % Calcium und 1,0 % Magnesium
  • das entspricht genau 3:1
  • Grotek positioniert das Produkt klar in Richtung Mangelkorrektur, Coco und Water Culture

Plagron CalMag Pro

  • deklariert 5,7 % CaO und 3,3 % MgO
  • das ist wichtig: Hier stehen nicht direkt Ca und Mg auf dem Blatt, sondern die Oxidformen
  • umgerechnet entspricht das grob etwa 4,07 % Calcium und 1,99 % Magnesium
  • auf elementarer Basis liegt das Produkt damit ungefähr bei 2:1
  • Plagron positioniert CalMag Pro ausdrücklich als Produkt für Umkehrosmosewasser und weiches Leitungswasser

Hesi CalMag

  • Hesi kommuniziert 5,0 % CaO und 7,5 % MgO
  • auch hier gilt: Das sind Oxidangaben, nicht direkt elementares Ca/Mg
  • umgerechnet entspricht das grob etwa 3,57 % Calcium und 4,52 % Magnesium
  • auf elementarer Basis ist das also nicht calciumlastig, sondern eher magnesiumbetont
  • Hesi empfiehlt das Produkt ausdrücklich für weiches Wasser und RO-Wasser und rät dazu, weiches oder RO-Wasser zunächst auf etwa EC 0,4–0,5 mS/cm aufzupuffern


Was diese Herstellerliste sofort klar macht

Die Marktrealität ist breiter als die Forenrealität.

Was wir in den offiziellen Materialien sehen, ist eben nicht nur ein sauberer Block aus 3:1- und 4:1-Produkten. Stattdessen reicht das Spektrum in den hier geprüften Beispielen von ungefähr 2:1 bis etwa 3,3:1 auf elementarer Basis — und bei manchen Produkten wird es zusätzlich dadurch kompliziert, dass sie gar nicht als elementares Ca/Mg, sondern als CaO/MgO kommuniziert werden.

Das ist ein ziemlich wichtiger Punkt.

Denn dadurch wird klar:

  • 2:1 ist nicht erfunden
  • 3:1 ist nicht automatisch Standard für alles
  • und 4:1 ist eher eine Anbaulogik bzw. Zielvorstellung in bestimmten Setups als ein universeller Marktstandard auf jedem Etikett

Mit anderen Worten:
Die gängige Debatte ist oft enger als der reale Produktmarkt.


Noch wichtiger als das Produkt: Wofür ist es gedacht?

Wenn man die Produktseiten liest, fällt noch etwas auf:

Viele CalMag-Produkte werden nicht einfach allgemein für „jede Situation“ beworben, sondern sehr klar für bestimmte Wassertypen oder Medien.

Plagron nennt direkt RO-Wasser und weiches Leitungswasser.
Biobizz nennt ebenfalls weiches Leitungswasser oder den Weg über Osmose.
General Hydroponics spricht explizit von RO/purified water.
Botanicare nennt RO-Wasser und Coco Coir.
Hesi spricht ausdrücklich über soft water, demineralisiertes Wasser, RO-Wasser und das Aufpuffern auf etwa EC 0,4–0,5.

Das ist kein Zufall.

Es zeigt ziemlich klar, dass viele Hersteller CalMag nicht als „immer sinnvoll“ darstellen, sondern vor allem dort, wo die mineralische Basis im Wasser fehlt oder wo das System stärker auf Ungleichgewichte reagiert.

Und genau hier trennt sich die Praxis sauber in zwei Richtungen:

  • Leitungswasser beurteilen
  • Osmosewasser aufbauen


Osmosewasser ist nicht einfach nur „sehr weiches Wasser“

Osmosewasser oder stark gereinigtes Wasser ist keine leicht abgeschwächte Version von Leitungswasser.
Es ist eher eine fast leere Ausgangsbasis.

Deshalb formulieren Hersteller hier auch anders.

General Hydroponics schreibt bei CALiMAGic ausdrücklich, dass man bei RO- oder gereinigtem Wasser zuerst 1 ml pro Liter hinzufügen soll, bevor die restliche Nährlösung dazukommt.

Plagron bezeichnet CalMag Pro sogar direkt als „die perfekte Basis“ für RO- und weiches Wasser.

Biobizz empfiehlt sein Calmag laut Datenblatt bei RO oder sehr weichem Wasser bei jedem Gießen, während bei sichtbaren Ca/Mg-Mangelzeichen auch eine wöchentliche Anwendung genannt wird.

Hesi formuliert es ebenfalls sehr praktisch:
Bei destilliertem oder Umkehrosmosewasser soll so viel CalMag ergänzt werden, bis ein EC von etwa 0,4–0,5 mS/cm erreicht ist.

Das ist die eigentliche Kernaussage:

Bei Osmosewasser diskutierst du nicht zuerst über 3:1 oder 4:1.
Du diskutierst zuerst darüber, wie du überhaupt wieder eine sinnvolle mineralische Ausgangsbasis herstellst.


Leitungswasser ist der schwierigere, aber ehrlichere Fall

Bei Leitungswasser wird es anspruchsvoller.

Denn hier gibt es nicht „das Leitungswasser“, sondern regionale Unterschiede in:

  • Calcium
  • Magnesium
  • Gesamthärte
  • Hydrogencarbonat
  • Leitfähigkeit

Der DVGW beschreibt die Gesamthärte vereinfacht als die Konzentration von Calcium- und Magnesium-Ionen im Wasser. Gleichzeitig werden Trinkwässer offiziell in die Bereiche weich, mittel und hart eingeteilt. Weich liegt unter 1,5 mmol Calciumcarbonat pro Liter, mittel zwischen 1,5 und 2,5 mmol/l, hart darüber.

Für den Grow-Alltag heißt das ganz praktisch:

Nicht jedes Leitungswasser braucht ein klassisches CalMag-Produkt.
Und nicht jedes Problem in Leitungswasser ist ein Calciumproblem.

Gerade bei härterem Wasser kann es sogar gut sein, dass bereits reichlich Calcium vorhanden ist und der eigentliche Engpass eher bei Magnesium, beim Verhältnis, bei der Pufferung oder bei der Gesamtsalzlast liegt. Der CANNA-Hydro-Ansatz zeigt diese Wasserlogik sehr deutlich: Für deren offene Hydrosysteme gilt unter 6 °dH die Soft-Water-Variante, ab 6 °dH oder mehr die Hard-Water-Variante.

Dein Leitungswasser sabotiert deinen Grow


Typische Wasserfälle – und was sie praktisch bedeuten

1. Osmosewasser oder destilliertes Wasser

Hier fehlt die mineralische Grundlage fast vollständig.

Das ist der Bereich, in dem klassische „RO-/Soft-Water“-Produkte am meisten Sinn ergeben. Hersteller wie Plagron, Biobizz, General Hydroponics und Hesi adressieren genau diese Ausgangslage ausdrücklich. Hesi empfiehlt dabei, RO- oder destilliertes Wasser zunächst auf ungefähr EC 0,4–0,5 mS/cm anzuheben.

Die Praxislogik lautet hier also nicht:

Welches Verhältnis ist theoretisch am schönsten?

Sondern:

Wie baue ich mein Wasser zuerst überhaupt sinnvoll auf?


2. Sehr weiches Leitungswasser

Sehr weiches Leitungswasser ist nicht identisch mit Osmosewasser, läuft in der Praxis aber oft in dieselbe Richtung: Es bringt häufig zu wenig mineralische Basis und zu wenig Pufferung mit.

Auch hier positionieren mehrere Hersteller ihre CalMag-Produkte klar als Lösung. Plagron nennt ausdrücklich weiches Leitungswasser, Biobizz nennt soft tap water, und Hesi empfiehlt auch bei weichem Wasser das Anheben in Richtung EC 0,4–0,5 mS/cm — nur eben meist mit geringerer Menge als bei RO-Wasser.

In diesem Bereich ist ein klassisches CalMag-Produkt oft nicht nur Korrektur, sondern tatsächlich Teil des Wasseraufbaus.


3. Normales Leitungswasser

Hier wird es ungemütlich, weil pauschale Empfehlungen am schlechtesten funktionieren.

Wenn dein Leitungswasser bereits im brauchbaren Bereich liegt, heißt das noch lange nicht automatisch, dass du zusätzlich CalMag brauchst. Hesi nennt für mitteleuropäisches Leitungswasser grob einen Bereich von etwa EC 0,4–0,5 mS/cm als typische Größenordnung. CANNA trennt in Hydro zusätzlich über die Härte bei 6 °dH zwischen Soft- und Hard-Water-Logik.

Genau deshalb ist „erstmal pauschal CalMag dazu“ in diesem Bereich oft die schlechteste Lösung.

Hier solltest du zuerst wissen:

  • Was sagt dein Wasserversorger zu Calcium und Magnesium?
  • Wo liegt deine Härte?
  • In welchem System arbeitest du?
  • Was bringt dein Basisdünger bereits mit?


4. Hartes Leitungswasser

Hier wird es besonders wichtig, nicht blind calciumlastig nachzuschütten.

Der DVGW definiert „hartes Wasser“ ab mehr als 2,5 mmol Calciumcarbonat pro Liter. CANNA behandelt Wasser ab 6 °dH in der Hydro-Linie bereits als Hard-Water-Kontext.

Das bedeutet nicht automatisch, dass hartes Wasser „schlecht“ ist.
Aber es bedeutet sehr wohl, dass mehr CalMag nicht automatisch die richtige Antwort ist.

Wenn das Wasser bereits viel Calcium trägt, kann ein zusätzlich calciumlastiges Produkt das Verhältnis weiter verschieben, statt es zu verbessern. In solchen Fällen ist oft nicht ein klassisches CalMag-Produkt die erste Frage, sondern eher:


Was bedeutet das jetzt konkret für 2:1, 3:1 oder 4:1?

Jetzt kommen wir zur eigentlichen Praxisfrage zurück.

Ein Verhältnis um 2:1

Ist absolut real.

Plagron liegt auf elementarer Basis ungefähr in diesem Bereich. Botanicare liegt mit 3,2 % Ca zu 1,2 % Mg ebenfalls deutlich näher an 2:1 bis 3:1 als an 4:1.

So eine Gewichtung kann gerade dann sinnvoll sein, wenn du RO- oder weiches Wasser aufbaust, aber keine extrem calciumdominante Lösung willst — oder wenn dein Ausgangswasser ohnehin schon relativ viel Calcium mitbringt und du nicht stumpf weiter in dieselbe Richtung drücken möchtest.

Ein Verhältnis um 3:1

Ist im Markt klar vertreten.

CALiMAGic liegt bei rund 3,3:1, Grotek Cal-Max bei 3:1. Beide Produkte sind klar in Richtung Ergänzung/Korrektur positioniert, besonders bei schnellen, soillosen oder coco-basierten Setups.

4:1

Bleibt als Denkmodell relevant, gerade wenn man über calciumstärkere Fahrweisen in technischen oder wenig gepufferten Systemen spricht. Aber in den hier geprüften offiziellen Produktangaben taucht 4:1 nicht als eindeutiger Marktstandard auf. Der Markt ist in den Primärquellen, die wir geprüft haben, deutlich gemischter.


Die eigentliche Lehre aus Teil 2

Wenn man das Ganze einmal nüchtern zusammenzieht, bleibt vor allem eins hängen:

CalMag-Produkte sind keine reine Verhältnisfrage. Sie sind Wasserprodukte.

Oder genauer:

  • Produkte für RO- und sehr weiches Wasser
  • Produkte für Coco und soillose Medien
  • Produkte für gezielte Korrektur
  • Produkte mit elementaren Ca/Mg-Angaben
  • Produkte mit CaO/MgO-Angaben
  • Produkte mit deutlich unterschiedlicher Gewichtung

Und genau deshalb ist die Frage „3:1 oder 4:1?“ als Einstieg zwar verständlich, als Fachantwort aber zu schmal.

Die bessere Reihenfolge lautet:

  1. Wasser prüfen
  2. System einordnen
  3. Produktlogik verstehen
  4. Verhältnis im realen Gießwasser bewerten
  5. erst dann ergänzen


Fazit von Teil 2

Der Markt zeigt ziemlich klar:

Es gibt nicht das eine universelle CalMag-Verhältnis, das überall gleich sinnvoll ist.

Was es gibt, sind:

  • verschiedene Produktprofile
  • verschiedene Herstellerlogiken
  • verschiedene Deklarationsformen
  • und vor allem verschiedene Ausgangswässer

In den offiziell geprüften Beispielen reicht die Spanne von ungefähr 2:1 bis etwa 3,3:1 auf elementarer Basis, während andere Produkte ihre Werte in CaO/MgO angeben und deshalb erst sauber umgerechnet werden müssen. Gleichzeitig richten viele Hersteller ihre Produkte ausdrücklich an RO-Wasser, weiches Leitungswasser, Coco oder andere technisch sensiblere Setups.

Die fachlich saubere Antwort lautet deshalb nicht:

„Kauf einfach 3:1“
oder
„4:1 ist grundsätzlich besser“

Sondern:

„Verstehe zuerst dein Wasser. Dann verstehst du auch, welches CalMag überhaupt Sinn ergibt.“