Die jungen Blätter werden heller. Zwischen den Blattadern verschwindet das Grün. An älteren Blättern entstehen Flecken. Das Wachstum verliert an Tempo.
Dabei wurde regelmäßig gedüngt. Im Substrat sollten mehr als genug Nährstoffe vorhanden sein.
Viele Grower greifen jetzt zur nächsten Flasche. Mehr CalMag. Mehr Growdünger. Mehr Blütedünger. Vielleicht noch ein Booster.
Genau hier beginnt häufig das eigentliche Problem.
Die Cannabispflanze kann von Nährstoffen umgeben sein und trotzdem Mangelsymptome zeigen. Nicht weil der Topf leer ist. Sondern weil die Bedingungen im Wurzelraum nicht zur Nährstoffaufnahme passen.
Der pH-Wert spielt dabei eine wichtige Rolle. Er ist aber nur ein Teil des Systems.
Der pH-Wert zeigt nicht wie viele Nährstoffe vorhanden sind. Er beeinflusst in welcher Form sie vorliegen und wie gut Wurzeln, Wasser und Mikroorganismen damit arbeiten können.
Wer den pH-Wert nur als Zahl auf dem Messgerät betrachtet, übersieht deshalb den wichtigsten Punkt.
Die Pflanze wächst nicht in der Gießkanne. Sie wächst im Wurzelraum.
Das Wichtigste zuerst
- Der pH-Wert des Gießwassers ist nur ein Eingangswert.
- Entscheidend sind die Bedingungen direkt an den Wurzeln.
- Erde, Living Soil, Coco und Hydro benötigen unterschiedliche Arbeitsbereiche.
- Ein pH-Lockout ist kein plötzliches Ein und Aus der Nährstoffaufnahme.
- Die Säurekapazität des Wassers ist oft wichtiger als dessen ursprünglicher pH-Wert.
- pH-Wert, EC-Wert, Gießverhalten und Wurzelgesundheit müssen gemeinsam betrachtet werden.
- MicroBio+ kann als natürliches pH-Minus eingesetzt werden. Die Wirkung hängt von der Pufferung des Wassers ab.
Was der pH-Wert wirklich misst
Der pH-Wert beschreibt die Aktivität von Wasserstoffionen in einer Lösung.
Ein Wert unter pH 7 gilt als sauer. Ein Wert über pH 7 gilt als basisch. pH 7 wird unter üblichen Bedingungen als neutral bezeichnet.
Wichtig ist dabei die logarithmische Skala.
Der Unterschied zwischen pH 7 und pH 6 ist nicht einfach ein kleiner Schritt. Bei pH 6 ist die Wasserstoffionenaktivität etwa zehnmal höher als bei pH 7. Zwischen pH 7 und pH 5 liegt bereits ein Unterschied um etwa den Faktor 100.
Trotzdem bedeutet eine Abweichung um 0,1 oder 0,2 pH Einheiten nicht automatisch, dass ein Grow aus dem Gleichgewicht gerät.
Cannabis benötigt keinen einzelnen magischen pH-Wert. Es benötigt einen funktionierenden Bereich.
Der entscheidende Unterschied: Gießwasser ist nicht Wurzelraum

In einem Grow können mehrere pH-Werte gleichzeitig existieren:
- der pH-Wert des Ausgangswassers
- der pH-Wert der fertigen Nährlösung
- der pH-Wert der Substratlösung
- der lokale pH-Wert direkt an der Wurzel
- der pH-Wert des Drains oder Runoffs
Diese Werte müssen nicht identisch sein.
Eine Nährlösung kann mit pH 6,2 in den Topf gelangen. Im oberen Substratbereich kann ein anderer Wert herrschen als am Topfboden. Direkt an einer aktiven Wurzel kann sich der pH-Wert erneut unterscheiden.
Das liegt daran, dass ein Wurzelraum kein statischer Behälter ist.
Wurzeln nehmen positiv und negativ geladene Nährstoffionen auf. Um ihr elektrisches Gleichgewicht zu erhalten, geben sie unter anderem Wasserstoffionen oder andere geladene Verbindungen ab. Auch Wurzelausscheidungen, Mikroorganismen und chemische Reaktionen verändern das Milieu in unmittelbarer Nähe der Wurzel.
Die Gießkanne liefert den Eingangswert. Der Wurzelraum bestimmt das Ergebnis.
Welcher pH-Wert ist für Cannabis richtig?
Die folgenden Werte sind praxisnahe Arbeitsbereiche. Sie sind keine festen Grenzlinien.
Eine gesunde Pflanze wird nicht bei pH 6,19 versorgt und bei pH 6,21 plötzlich blockiert. Entscheidend sind die Entwicklung über Zeit und das gesamte Anbausystem.
Erde und Living Soil
Für mineralische Erde, organische Erde und Living Soil ist ein pH-Wert im Wurzelraum von etwa 6,0 bis 7,0 ein sinnvoller Arbeitsbereich.
Häufig liegt ein gut funktionierender Bereich zwischen 6,2 und 6,8.
Das bedeutet nicht, dass jedes Gießwasser exakt auf diesen Wert eingestellt werden muss. Eine aktive Erde besitzt eine gewisse Pufferkapazität. Wie stark diese ausfällt, hängt unter anderem von der organischen Substanz, dem Tonanteil, den Mineralien, dem Kalkgehalt und der Topfgröße ab.
Torfbasierte Growerde
Bei torfbasierten Substraten ist ein Bereich von etwa pH 5,5 bis 6,5 in der Substratlösung üblich.
Viele Growerden sind bereits mit Kalk eingestellt. Der Ausgangswert kann sich während des Grows verändern. Besonders die Wasserqualität, der verwendete Dünger und die Stickstoffform beeinflussen den weiteren Verlauf.
Coco
Für Coco ist eine fertige Nährlösung von etwa pH 5,7 bis 6,2 ein sinnvoller Startbereich.
Coco wird stärker wie ein hydroponisches Substrat geführt. Die Pflanze ist deshalb direkter von der Zusammensetzung der Nährlösung abhängig.
Zusätzlich besitzt Coco Austauschplätze für positiv geladene Nährstoffe. Calcium, Magnesium, Kalium und Natrium können sich dort gegenseitig beeinflussen. Der pH-Wert allein reicht für eine gute Steuerung deshalb nicht aus.
Hydro und Steinwolle
In hydroponischen Systemen und Steinwolle ist ein Bereich von etwa pH 5,5 bis 6,2 üblich.
Viele wissenschaftliche Cannabisversuche arbeiten mit Nährlösungen um pH 5,6 bis 5,8. Hydroponische Lösungen besitzen jedoch oft nur eine geringe Pufferung. Der pH-Wert kann sich deshalb schneller verändern als in Erde.
Ein wichtiger Hinweis zu diesen Werten
Die Forschung zu Cannabis wird besser. Es gibt aber noch keinen wissenschaftlich belegten Einzelwert, der für jede Genetik, jedes Substrat und jede Wachstumsphase gleichermaßen optimal ist.
In einer 2025 veröffentlichten Studie mit verschiedenen Nutzhanfsorten war das Wachstum in einem Torf Perlite Substrat bei pH 3,0 und 4,0 geringer als ab pH 5,0. In einem weiteren Versuch war die Wurzelmasse sowohl beim niedrigsten untersuchten Wert von pH 3,1 als auch beim höchsten Wert von pH 7,1 reduziert. Die Ergebnisse zeigen einen funktionierenden Korridor. Sie belegen aber keine universelle Idealzahl für jeden Cannabisgrow.
Wie der pH-Wert die Nährstoffaufnahme beeinflusst
Ein Nährstoff muss nicht nur im Topf vorhanden sein.
Er muss sich lösen. Er muss in einer aufnehmbaren Form vorliegen. Er muss zur Wurzel gelangen. Danach muss er eine funktionierende Wurzelmembran passieren und innerhalb der Pflanze transportiert werden.
Der pH-Wert beeinflusst mehrere dieser Schritte:
- die Löslichkeit bestimmter Nährstoffverbindungen
- die Bindung an Substratbestandteile
- die Ausfällung mit anderen Elementen
- die elektrische Ladung bestimmter Verbindungen
- die Aktivität von Wurzeln und Transportproteinen
- die Aktivität von Mikroorganismen
- den Abbau und die Mineralisierung organischer Stoffe
Der pH-Wert kann also beeinflussen, ob ein Nährstoff frei in der Lösung bleibt oder stärker gebunden wird.
Er kann aber keinen Nährstoff erzeugen, der nicht vorhanden ist.
Genauso kann ein perfekter pH-Wert keine beschädigten oder dauerhaft sauerstoffarmen Wurzeln reparieren.
Stickstoff: Nitrat und Ammonium verändern den pH-Wert
Stickstoff wird Pflanzen unter anderem als Nitrat und Ammonium angeboten.
Diese beiden Stickstoffformen wirken im Wurzelraum nicht gleich.
Eine stärkere Ammoniumaufnahme kann den Wurzelraum ansäuern. Auch die mikrobielle Umwandlung von Ammonium zu Nitrat setzt Säure frei.
Bei einer stärkeren Nitrataufnahme kann sich der Wurzelraum dagegen eher in die basische Richtung entwickeln.
Deshalb kann sich der pH-Wert zweier Nährlösungen unterschiedlich entwickeln, obwohl beide den gleichen Gesamtstickstoff enthalten.
Auch die Pflanze selbst beeinflusst diesen Verlauf. In aktuellen Cannabisversuchen wurde beobachtet, dass sich pH-Wert und EC-Wert der Nährlösung während der Aufnahme veränderten. Die Forschenden führen einen Teil dieser Bewegung auf die Stickstoffform und die Aufnahme geladener Ionen zurück.
Ein steigender pH-Wert bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Pflanze gesund ist.
Ein fallender pH-Wert beweist auch keine Überdüngung.
Die Richtung liefert einen Hinweis. Sie ersetzt keine Diagnose.
Phosphor: Vorhanden bedeutet nicht automatisch verfügbar
Phosphor ist im Cannabisanbau besonders relevant. Gleichzeitig gehört er zu den Nährstoffen, die leicht gebunden oder ausgefällt werden können.
In stark sauren mineralischen Böden kann Phosphor verstärkt an Eisen und Aluminium gebunden werden. Bei hohen pH-Werten können schwer lösliche Verbindungen mit Calcium entstehen.
In organischen Substraten kommen weitere Prozesse hinzu. Mikroorganismen, Enzyme und organische Säuren können gebundenen Phosphor mobilisieren. Diese biologische Mobilisierung ist wertvoll. Sie kann ungünstige Grundbedingungen aber nicht unbegrenzt ausgleichen.
Mehr Phosphor löst ein Verfügbarkeitsproblem deshalb nicht automatisch.
Eine Cannabisstudie aus dem Jahr 2025 zeigte, dass stark erhöhte Phosphorkonzentrationen und eine insgesamt höhere Düngung weder den Ertrag noch die Qualität verbesserten. Mehr Nährstoffe im Wurzelraum bedeuteten nicht mehr Leistung.
Kalium: Nicht nur auf die Menge schauen
Kalium bleibt über einen relativ breiten pH-Bereich löslich. Trotzdem kann es Probleme verursachen.
Eine hohe Kaliumversorgung kann die Aufnahme anderer positiv geladener Nährstoffe beeinflussen. Besonders Magnesium und teilweise Calcium müssen bei der Gesamtversorgung mitgedacht werden.
In einem Cannabisversuch zur mineralischen Ernährung führte eine steigende Phosphor und Kaliumversorgung zu sinkenden Magnesiumkonzentrationen im Pflanzengewebe. Das zeigt, warum eine Pflanze trotz ausreichend Magnesium Mangelsymptome entwickeln kann.
Der Fehler liegt dann nicht zwingend im Magnesiumgehalt.
Er kann in einem unausgewogenen Verhältnis liegen.
Calcium und Magnesium: Nicht jeder CalMag Mangel ist ein echter Mangel
Helle Blattbereiche, Rostflecken oder nekrotische Stellen werden im Cannabisanbau schnell als CalMag Problem bezeichnet.
Das kann richtig sein. Es muss aber nicht richtig sein.
Die Aufnahme von Calcium und Magnesium kann unter anderem beeinflusst werden durch:
- eine hohe Kaliumkonzentration
- viel Ammonium
- einen hohen Salzgehalt
- ungesunde oder beschädigte Wurzeln
- dauerhaft nasses Substrat
- zu geringe Wasserbewegung in der Pflanze
- ungünstige Temperaturen
- einen ungeeigneten pH-Wert
- ein bereits calciumreiches Ausgangswasser
Zusätzliches CalMag ist nur dann sinnvoll, wenn die Gesamtversorgung tatsächlich zu niedrig oder unausgewogen ist.
Wer bei jedem Fleck nachdosiert, kann ein bestehendes Ungleichgewicht verstärken.
Eisen, Mangan, Zink und Kupfer
Viele Mikronährstoffe werden bei sinkendem pH-Wert löslicher.
Das gilt besonders für:
- Eisen
- Mangan
- Zink
- Kupfer
Bei einem zu hohen pH-Wert können diese Elemente schlechter verfügbar werden. Typisch ist eine Aufhellung des jungen Wachstums. Eisen ist innerhalb der Pflanze nur begrenzt mobil. Ein Verfügbarkeitsproblem zeigt sich deshalb häufig zuerst an neuen Blättern.
Bei sehr niedrigen pH-Werten kann das Gegenteil entstehen. Mikronährstoffe werden dann teilweise so gut löslich, dass überhöhte Konzentrationen und toxische Wirkungen möglich werden.
Molybdän verhält sich anders
Molybdän ist eine wichtige Ausnahme.
Während die Verfügbarkeit vieler Mikronährstoffe bei einem steigenden pH-Wert abnimmt, wird Molybdän in vielen Böden mit steigendem pH-Wert besser verfügbar.
Das ist ein weiterer Grund, warum Aussagen wie „je niedriger der pH-Wert, desto besser die Nährstoffaufnahme“ fachlich falsch sind.
Fallbeispiel aus der Cannabisforschung: Mehr Aufnahme kann weniger Wachstum bedeuten
Die bereits erwähnte Cannabisstudie aus dem Jahr 2025 liefert einen besonders wichtigen Hinweis.
Bei einem niedrigen Substrat pH von etwa 3,8 wurden höhere Konzentrationen mehrerer Mikronährstoffe im Pflanzengewebe gemessen. Bei pH 6,5 lagen die gemessenen Konzentrationen niedriger.
Trotz der höheren Mikronährstoffaufnahme wuchsen die Pflanzen im stark sauren Bereich schlechter. Auch das Wurzelwachstum war bei extremen pH-Werten eingeschränkt.
Das zeigt:
Die stärkste Aufnahme ist nicht automatisch die gesündeste Aufnahme.
Eine Cannabispflanze benötigt keine maximale Konzentration jedes einzelnen Elements. Sie benötigt eine ausgewogene Versorgung.
Warum die bekannten pH Tabellen nur eine Orientierung sind

Fast jeder Grower kennt die farbigen Tabellen mit breiten und schmalen Nährstoffbalken.
Sie vermitteln den Eindruck, dass Phosphor bei einem bestimmten Wert „offen“ und wenig später „geschlossen“ ist.
So funktioniert der Wurzelraum nicht.
Die tatsächliche Verfügbarkeit hängt zusätzlich ab von:
- Substratart und Mineralogie
- organischer Substanz
- Kationenaustauschkapazität
- Feuchtigkeit
- Sauerstoffversorgung
- Temperatur
- EC-Wert
- Düngerform
- Chelaten
- Wurzelaktivität
- Mikrobiologie
Eine pH Tabelle kann allgemeine Tendenzen zeigen. Sie kann aber weder dein Wasser noch dein Substrat noch deine Düngeformel berücksichtigen.
Besonders problematisch ist die Vorstellung einer scharfen Grenze. Die Verfügbarkeit verändert sich meist schrittweise.
pH-Wert und EC-Wert müssen gemeinsam betrachtet werden
Der pH-Wert beschreibt nicht die Menge gelöster Salze.
Dafür wird im Grow meist der EC-Wert genutzt.
Auch dieser Wert hat Grenzen. Der EC-Wert zeigt die elektrische Leitfähigkeit einer Lösung. Er zeigt nicht, welche Nährstoffe enthalten sind und in welchem Verhältnis sie vorliegen.
Trotzdem liefert die Kombination wichtige Informationen:
Passender pH-Wert und sehr niedriger EC-Wert
Die Nährstofflösung kann schlicht zu schwach sein.
Passender pH-Wert und sehr hoher EC-Wert
Die Pflanze kann Schwierigkeiten mit der Wasseraufnahme bekommen. Einzelne Ionen können sich anreichern. Zusätzlich steigt das Risiko von Nährstoffungleichgewichten.
Unpassender pH-Wert und normaler EC-Wert
Nährstoffe können vorhanden sein. Ihre Verfügbarkeit kann trotzdem eingeschränkt sein.
Unpassender pH-Wert und hoher EC-Wert
Hier können pH-Verschiebung, Salzstress und Antagonismen gleichzeitig auftreten.
Cannabis reagiert auf Salzstress nicht nur über sichtbare Blattschäden. Hohe Salzkonzentrationen verändern auch die Wasseraufnahme und das Verhältnis der aufgenommenen Ionen.
Der größte Denkfehler: Wasser pH und Säurekapazität sind nicht dasselbe

Ein Leitungswasser mit pH 8 wird häufig sofort als schlecht eingestuft.
Ein Wasser mit pH 7,2 wirkt dagegen unproblematisch.
Diese Einschätzung kann genau falsch herum sein.
Der pH-Wert beschreibt den aktuellen Zustand des Wassers.
Die Säurekapazität beschreibt, wie viel Säure das Wasser neutralisieren kann. Sie wird vor allem durch Hydrogencarbonat und Carbonat bestimmt.
Ein Wasser mit geringer Säurekapazität kann trotz hohem Ausgangs pH leicht abgesenkt werden. Ein anderes Wasser startet bei einem niedrigeren pH-Wert und benötigt trotzdem deutlich mehr Säure.
In der professionellen Pflanzenproduktion gilt die Alkalinität beziehungsweise Säurekapazität deshalb als wichtiger für die langfristige Entwicklung des Substrat pH als der reine pH-Wert des Wassers.
Reales Wasserbeispiel: Rosenheim und Coswig
Zwei offizielle deutsche Trinkwasseranalysen zeigen den Unterschied sehr deutlich.
Rosenheim, Hochbehälter Kreut
Die Probe wurde am 7. Juli 2026 genommen.
- pH-Wert: 7,26
- Säurekapazität bis pH 4,3: 6,2 mmol/l
- Hydrogencarbonat: 368,4 mg/l
- Calcium: 95 mg/l
- Magnesium: 22 mg/l
- Leitfähigkeit: 657 µS/cm
Coswig in Anhalt
Die veröffentlichten Werte stammen vom 16. März 2026.
- pH-Wert: 8,18
- Säurekapazität bis pH 4,3: 1,21 mmol/l
- Calcium: 43 mg/l
- Magnesium: 4,76 mg/l
- Leitfähigkeit: 311 µS/cm
Das Wasser aus Coswig hat den deutlich höheren pH-Wert.
Trotzdem besitzt das Rosenheimer Wasser eine rund fünfmal höhere Säurekapazität. Es bindet also deutlich mehr Säure.
Der höhere Ausgangs pH von Coswig sagt allein wenig darüber aus, wie stark das Wasser ein Substrat langfristig beeinflusst. Das Wasser aus Rosenheim startet niedriger. Durch seine hohe Säurekapazität kann es den pH-Wert eines Topfsubstrats über wiederholte Bewässerungen trotzdem stärker nach oben drücken.
Die Säurekapazität bis pH 4,3 ist kein direktes Dosierrezept für eine Growlösung mit pH 6,2. Sie zeigt aber sehr deutlich die unterschiedliche Pufferung.
Das Rosenheimer Wasser bringt außerdem bereits 95 mg/l Calcium und 22 mg/l Magnesium mit. Diese Mengen müssen bei einem Düngeplan berücksichtigt werden.
Wer hier pauschal CalMag ergänzt, ohne das Ausgangswasser einzurechnen, kann eine unnötig hohe Gesamtversorgung erzeugen.
Warum das Substrat mit jeder Bewässerung beeinflusst wird
Hydrogencarbonat wirkt nicht nur in der Gießkanne.
Es gelangt mit jeder Bewässerung in das Substrat. Dort reagiert es mit Säure und verbraucht Wasserstoffionen. Dadurch kann der pH-Wert über Wochen langsam ansteigen.
Dieser Effekt ist in kleinen Töpfen oft schneller sichtbar. Das begrenzte Substratvolumen bietet weniger Puffer als ein großes Beet oder ein großer Living Soil Topf.
Auch häufige Bewässerung erhöht den gesamten Eintrag.
Deshalb kann eine Pflanze mehrere Wochen gut aussehen und später scheinbar plötzlich Eisen oder Manganmangel entwickeln.
Das Problem ist dann nicht plötzlich entstanden. Es hat sich schrittweise aufgebaut.
MicroBio+ als natürliches pH-Minus
MicroBio+ ist von Natur aus sauer.
Es kann deshalb den pH-Wert des Gießwassers senken und gleichzeitig ausgewählte Mikroorganismen in das System einbringen.
Enthalten sind:
- Lactobacillus plantarum
- Lactobacillus casei
- Rhodopseudomonas palustris
- Saccharomyces cerevisiae
Die enthaltenen Milchsäurebakterien und die fermentative Grundlage tragen zur natürlichen Säurewirkung von MicroBio+ bei.
Damit verbindet MicroBio+ zwei Funktionen:
- Es kann als natürliches pH-Minus wirken.
- Es ergänzt die biologische Komponente im Wurzelraum.
Besonders sinnvoll ist diese Kombination in:
- organischer Erde
- Living Soil
- wiederverwendeter Erde
- biologisch geführtem Coco
- biologisch geführten Hydro Systemen
In vielen organischen Setups kann dadurch eine zusätzliche Korrektur mit Salpetersäure oder Phosphorsäure reduziert oder vollständig vermieden werden.
Das hat einen weiteren Vorteil. Über das pH-Minus wird nicht automatisch zusätzliches Nitrat oder Phosphat in die Nährlösung eingebracht.
MicroBio+ ersetzt nicht das Messgerät
Natürliches pH-Minus bedeutet nicht pH-Minus ohne Kontrolle.
Wie stark MicroBio+ den pH-Wert senkt, hängt von der Säurekapazität und Pufferung des Wassers ab.
Bei einem schwach gepufferten Wasser kann eine kleine Menge bereits eine deutliche Veränderung auslösen.
Bei einem Wasser wie im Rosenheimer Beispiel kann die gleiche Menge einen wesentlich geringeren Effekt haben.
Die aktuelle Anwendungsempfehlung lautet:
- Erde und Coco: 2 bis 4 ml pro Liter
- Bio-Hydro: 2 ml auf 10 Liter
- Reaktivierung alter Erde: 2 bis 5 ml pro Liter
Diese Angaben sind Anwendungsmengen. Sie sind keine garantierten pH Zielwerte.
MicroBio+ wird zuerst in das Wasser gegeben und gründlich gemischt. Werden weitere Dünger oder Zusätze verwendet, kommen diese nach dem vorgesehenen Mischschema hinzu. Der finale pH-Wert wird erst in der vollständig vorbereiteten Lösung bewertet.
So siehst du, welche Wirkung MicroBio+ in deinem tatsächlichen Wasser und deinem tatsächlichen Düngermix entfaltet.
Bei stark gepuffertem Wasser kann es sinnvoller sein einen Teil des Leitungswassers mit Osmosewasser zu mischen. So wird nicht immer mehr Säure gegen eine hohe Hydrogencarbonatfracht eingesetzt.
MicroBio+ sollte nicht gleichzeitig mit H₂O₂, Fungiziden oder stark desinfizierenden Mitteln verwendet werden. Diese können die enthaltenen Mikroorganismen beeinträchtigen oder abtöten. Für dauerhaft steril geführte Hydro Systeme ist MicroBio+ deshalb nicht vorgesehen.
Was Mikroorganismen im Wurzelraum leisten
Mikroorganismen können organische Stoffe umsetzen. Sie können Verbindungen produzieren, die Mineralien lösen oder binden. Sie konkurrieren mit anderen Mikroorganismen und reagieren auf Wurzelausscheidungen.
Dadurch beeinflussen sie auch die lokale Nährstoffverfügbarkeit.
Die Rhizosphäre ist der kleine Bereich direkt um die Wurzel. Dort laufen chemische und biologische Prozesse besonders intensiv ab. Wurzelausscheidungen dienen Mikroorganismen als Nahrung und Signal. Gleichzeitig können sie die Löslichkeit bestimmter Nährstoffe verändern.
Ein aktives Bodenleben kann ein System widerstandsfähiger machen. Es kann aber keine unbegrenzte Menge Hydrogencarbonat neutralisieren.
Mikrobiologie ersetzt deshalb keine Wasseranalyse.
Sie ergänzt sie.
Erde und Living Soil richtig führen
In Erde und Living Soil ist es selten sinnvoll, jeder kleinen Abweichung des Gießwassers hinterherzujagen.
Ein gut aufgebautes Substrat kann Schwankungen abfangen. Je größer das Substratvolumen und je höher die biologische sowie mineralische Pufferung, desto träger reagiert das System.
Das bedeutet aber nicht, dass der pH-Wert bedeutungslos wird.
Besonders aufmerksam solltest du werden, wenn:
- das Wasser eine hohe Säurekapazität besitzt
- nur kleine Töpfe verwendet werden
- über lange Zeit stark alkalisches Wasser gegossen wird
- immer mehr Mangelbilder gleichzeitig auftreten
- das neue Wachstum zunehmend heller wird
- die Erde wiederverwendet wird
- regelmäßig große Mengen basischer Zusätze eingebracht werden
In einem stabilen Living Soil System zählt der Verlauf mehr als eine einzelne Messung.
Ein Wasser mit pH 7,5 und niedriger Säurekapazität kann problemlos funktionieren. Ein Wasser mit pH 7,2 und hoher Säurekapazität kann den Boden über Monate nach oben verschieben.
MicroBio+ kann hier als natürliches pH-Minus und als mikrobieller Zusatz sinnvoll eingesetzt werden. Trotzdem sollte die Wirkung gemessen werden.
Torfbasierte Growerde richtig führen
Torf besitzt von Natur aus einen niedrigen pH-Wert. Hersteller gleichen diesen meist mit Kalk aus.
Die eingemischte Kalkmenge beeinflusst den Startwert und die langfristige Pufferung. Auch die Korngröße des Kalks spielt eine Rolle. Feinere Partikel reagieren schneller. Gröbere Partikel wirken langsamer und länger.
Während des Grows verändern Wasser und Düngung dieses Gleichgewicht.
Ein Wasser mit hoher Säurekapazität kann den Substrat pH nach oben treiben. Eine stark ammoniumbetonte Düngung kann ihn nach unten verschieben. Eine überwiegend nitratbetonte Versorgung kann eine gegenläufige Entwicklung fördern.
Bei Problemen sollte deshalb nicht nur der Eingangs pH gemessen werden.
Eine standardisierte Substratmessung liefert deutlich mehr Informationen.
Coco richtig führen
Coco besitzt weniger chemische und biologische Pufferung als eine kräftige Erde.
Gleichzeitig besitzt es Austauschplätze für positiv geladene Nährstoffe. Calcium, Magnesium, Kalium und Natrium stehen dort in Wechselwirkung.
Deshalb gehören bei Coco immer mehrere Werte zusammen:
- pH-Wert der fertigen Nährlösung
- EC-Wert der fertigen Nährlösung
- Entwicklung des Drains
- Bewässerungsmenge
- Bewässerungshäufigkeit
- Trockenphase zwischen den Bewässerungen
- Calcium, Magnesium und Kalium im Gesamtmix
Ein pH-Wert von etwa 5,7 bis 6,2 ist ein guter Arbeitsbereich.
Coco sollte trotzdem nicht auf jede Abweichung im Drain sofort mit einer Korrektur beantwortet werden. Entscheidend ist der Trend über mehrere vergleichbare Messungen.
Trocknet Coco stark aus, konzentrieren sich Salze in der verbleibenden Lösung. Dadurch können EC-Wert und Ionenverhältnisse im Wurzelraum deutlich von der frisch angesetzten Nährlösung abweichen.
Hydro und Steinwolle richtig führen
In Hydro Systemen reagiert der pH-Wert schneller.
Die Nährlösung besitzt oft nur eine geringe Pufferung. Wurzelaufnahme, Verdunstung, Nachfüllwasser, Temperatur und biologische Prozesse können den Wert innerhalb kurzer Zeit verändern.
Hier ist regelmäßiges Messen sinnvoll.
Trotzdem sollte nicht bei jeder Bewegung sofort gegengesteuert werden.
Wer den pH-Wert bei jeder Abweichung mit pH-Up und pH-Down hin und her korrigiert, bringt zusätzliche Ionen in die Lösung. Gleichzeitig wird es schwieriger, den eigentlichen Trend zu erkennen.
Kleine Korrekturen sind besser als große Sprünge.
Bei rezirkulierenden Systemen sollten mindestens folgende Werte gemeinsam beobachtet werden:
- pH-Wert
- EC-Wert
- Wassertemperatur
- Wasserverbrauch
- Nährstoffverbrauch
- Zustand und Farbe der Wurzeln
- Geruch der Nährlösung
- Verlauf seit der letzten Neubefüllung
MicroBio+ eignet sich in diesem Bereich nur für biologisch geführte Bio-Hydro Systeme. Ein dauerhaft desinfiziertes Reservoir widerspricht dem Zweck lebender Mikroorganismen.
Was ein pH-Lockout wirklich ist
Der Begriff pH-Lockout klingt nach einem Schalter.
pH richtig bedeutet Nährstoffe offen.
pH falsch bedeutet Nährstoffe geschlossen.
Diese Vorstellung ist zu einfach.
Ein pH-Lockout beschreibt im Grower Sprachgebrauch eine Situation, in der ungeeignete Bedingungen im Wurzelraum die Verfügbarkeit oder Aufnahme bestimmter Nährstoffe stark einschränken.
Die Veränderung erfolgt meist schrittweise. Außerdem reagieren nicht alle Nährstoffe gleich.
Bei einem hohen pH-Wert können Eisen, Mangan, Zink oder Kupfer schlechter verfügbar werden. Gleichzeitig kann Molybdän besser verfügbar sein.
Bei einem niedrigen pH-Wert können bestimmte Mikronährstoffe übermäßig löslich werden. Gleichzeitig kann das Wurzelwachstum leiden.
Ein pH-Lockout ist deshalb selten ein vollständiger Stillstand der gesamten Nährstoffaufnahme.
Nicht jeder angebliche pH-Lockout ist wirklich ein pH-Problem

Viele Symptome sehen ähnlich aus.
Eine Pflanze kann Mangelsymptome zeigen durch:
- Überwässerung
- Sauerstoffmangel
- hohe Salzkonzentrationen
- Wurzelschäden
- niedrige Wurzeltemperaturen
- starkes Licht bei schwacher Wurzelfunktion
- unausgewogene Nährstoffverhältnisse
- Schädlinge
- Krankheiten
- ungeeignete Luftfeuchtigkeit
- zu geringe Transpiration
- tatsächlichen Nährstoffmangel
- ungeeigneten pH-Wert
Besonders bei dauerhaft nassem Substrat funktioniert die aktive Nährstoffaufnahme schlechter. Wurzeln benötigen Sauerstoff für ihren Stoffwechsel.
Eine Pflanze mit geschwächten Wurzeln kann deshalb aussehen, als hätte sie mehrere Mängel. Zusätzliches Düngen erhöht in diesem Fall häufig nur den Salzgehalt.
Hinweise an den Blättern richtig einordnen
Blattsymptome liefern Hinweise. Sie liefern selten einen eindeutigen Beweis.
Helles neues Wachstum
Mögliche Ursachen sind eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Eisen oder Mangan. Ein zu hoher pH-Wert im Wurzelraum kann dabei eine Rolle spielen.
Auch beschädigte Wurzeln, niedrige Temperaturen oder eine unausgewogene Versorgung können ähnliche Symptome erzeugen.
Aufhellungen zwischen den Adern älterer Blätter
Das kann zu einem Magnesiumproblem passen.
Mögliche Ursachen sind eine tatsächliche Unterversorgung, viel Kalium, ein hoher EC-Wert oder eine eingeschränkte Wurzelfunktion.
Verbrannte Blattspitzen
Das wird oft als pH-Problem interpretiert.
Häufiger weist es auf eine hohe Salzkonzentration oder eine zu starke Düngung hin.
Mehrere Mängel gleichzeitig
Treten scheinbare Calcium, Magnesium, Stickstoff und Mikronährstoffprobleme gleichzeitig auf, sollte zuerst der gesamte Wurzelraum überprüft werden.
Mehrere echte Einzelmängel zur gleichen Zeit sind weniger wahrscheinlich als ein gemeinsames Problem bei Wurzeln, Bewässerung, EC-Wert oder pH-Wert.
Warum ein einzelner Drain-Wert keine Diagnose ist
Der Drain oder Runoff kann nützliche Informationen liefern.
Er zeigt aber nicht automatisch den durchschnittlichen pH-Wert des gesamten Topfes.
Das Ergebnis hängt unter anderem davon ab:
- wie feucht das Substrat vorher war
- wie viel Wasser aufgegeben wurde
- wie schnell gegossen wurde
- ob bevorzugte Wasserwege entstanden sind
- wo sich Salze angesammelt haben
- welcher Teil des Substrats tatsächlich durchspült wurde
- wie viel Drain gesammelt wurde
Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung des US Landwirtschaftsministeriums zeigte, dass selbst ein standardisiertes Pour Through Verfahren stärker die Bedingungen im unteren Topfbereich widerspiegelte. Die Werte mussten deshalb im Zusammenhang mit der Probenahme betrachtet werden.
Ein normaler Runoff aus einem privaten Grow ist meist noch weniger standardisiert.
Ein Runoff Wert ist ein Hinweis. Er ist kein Urteil.
Wirklich nützlich wird er erst, wenn immer mit derselben Methode gemessen wird. Zeitpunkt, Wassermenge und Ausgangsfeuchte müssen vergleichbar sein.
So misst du den pH-Wert zuverlässig
Ein pH-Messgerät ist nur so gut wie sein Zustand.
Ein Gerät mit alter, trockener oder verschmutzter Elektrode kann sehr genaue Zahlen anzeigen und trotzdem falsch messen.
Kalibrieren
Für den Growbereich ist eine Zweipunktkalibrierung mit pH 7 und pH 4 sinnvoll.
Die Kalibrierlösungen sollten frisch und sauber sein. Gebrauchte Lösung wird nicht zurück in die Flasche gegossen.
Elektrode spülen
Zwischen den Messungen wird die Elektrode mit destilliertem oder demineralisiertem Wasser abgespült.
Die empfindliche Messspitze sollte nicht gerieben werden.
Richtig lagern
Eine pH-Elektrode wird in geeigneter Aufbewahrungslösung gelagert.
Sie sollte weder trocken noch dauerhaft in Osmosewasser, destilliertem Wasser oder demineralisiertem Wasser stehen. Das kann die Elektrode beschädigen und ihre Lebensdauer verkürzen.
Fertige Lösung messen
Zuerst werden alle Bestandteile nach dem vorgesehenen Mischschema eingerührt.
Danach wird gründlich gemischt. Erst dann wird der finale pH-Wert bewertet.
Bei MicroBio+ gilt: zuerst MicroBio+ ins Wasser geben und mischen. Danach wird die Wirkung innerhalb der vollständig vorbereiteten Gießlösung kontrolliert.
Auf einen stabilen Wert warten
Die Elektrode braucht Kontakt mit der Lösung.
Der angezeigte Wert sollte sich stabilisiert haben. Ein sofort abgelesener Wert kann irreführend sein.
Immer ähnlich messen
Temperatur, Mischdauer, Behälter und Messzeitpunkt sollten möglichst vergleichbar bleiben.
So erkennst du echte Trends und nicht nur Unterschiede in der Messroutine.
Erde und Substrat richtig testen
Eine Sonde an einer beliebigen Stelle in den Topf zu stecken liefert selten einen gut vergleichbaren Wert.
Besser sind standardisierte Verfahren.
Dazu gehören:
- eine definierte Substrat Wasser Mischung
- ein standardisiertes Pour Through Verfahren
- ein gesättigter Substratextrakt
- eine Laboranalyse
Wichtig ist nicht nur die gewählte Methode.
Wichtig ist, dass immer dieselbe Methode verwendet wird. Unterschiedliche Extraktionsverfahren können unterschiedliche pH und EC Werte liefern.
Für eine einfache Verlaufskontrolle kann eine definierte Substrat Wasser Mischung hilfreich sein. Substratmenge, Wassermenge, Mischzeit und Wartezeit müssen dabei konstant bleiben.
Für eine grundlegende Diagnose ist eine professionelle Substratanalyse zuverlässiger.
So gehst du bei einem vermuteten pH-Problem vor
1. Betrachte zuerst das gesamte Schadbild
Sind junge oder alte Blätter betroffen?
Beginnt das Problem oben, unten oder überall gleichzeitig?
Wie schnell entwickelt es sich?
2. Prüfe die Wurzeln und das Gießverhalten
Ist das Substrat dauerhaft nass?
Riecht der Wurzelraum faulig?
Sind sichtbare Wurzeln hell und kräftig oder dunkel und weich?
3. Prüfe das Klima
Ist der Wurzelraum sehr kalt?
Ist die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass kaum Transpiration stattfindet?
Ist die Lichtleistung höher als die aktuelle Wurzelfunktion tragen kann?
4. Miss die fertige Nährlösung
Kontrolliere pH-Wert und EC-Wert nach allen Zusätzen.
5. Prüfe dein Ausgangswasser
Schau nicht nur auf den pH-Wert.
Relevant sind auch:
- Säurekapazität
- Hydrogencarbonat
- Calcium
- Magnesium
- Natrium
- Chlorid
- Sulfat
- Leitfähigkeit
6. Miss den Wurzelraum reproduzierbar
Verwende eine standardisierte Methode oder eine Laboranalyse.
7. Ändere nur eine wesentliche Variable
Wer gleichzeitig spült, nachdüngt, den pH-Wert verändert und weitere Zusätze einsetzt, kann nicht erkennen, welche Maßnahme gewirkt hat.
8. Beobachte das neue Wachstum
Bereits geschädigte Blätter werden meist nicht wieder vollständig gesund.
Entscheidend ist, wie sich die neuen Blätter und Triebe entwickeln.
Einen zu hohen pH-Wert korrigieren
Zuerst muss geklärt werden, was tatsächlich zu hoch ist.
Ein hoher pH-Wert im Leitungswasser ist etwas anderes als ein hoher pH-Wert im Substrat.
Mögliche Ursachen sind:
- hohe Säurekapazität des Wassers
- viel Hydrogencarbonat
- zu starke Kalkung
- basisch wirkende Zusätze
- eine langfristig stark nitratbetonte Ernährung
- ein für das System ungeeignetes Substrat
- falsche Messung
Mögliche Maßnahmen sind:
- MicroBio+ als natürliches pH-Minus einsetzen
- Leitungswasser mit Osmosewasser verschneiden
- eine passendere Wasserquelle nutzen
- die Düngerformel überprüfen
- bei Erde die tatsächliche Substratentwicklung messen
- nur kontrolliert weiter ansäuern
Konzentrierte Säuren gehören niemals unverdünnt an die Wurzeln.
Wer mineralische Säuren verwendet, muss Konzentration, Anwendungshinweise und Arbeitsschutz beachten. Pauschale Milliliterangaben ohne Wasseranalyse sind nicht seriös.
Einen zu niedrigen pH-Wert korrigieren
Auch ein fallender pH-Wert hat eine Ursache.
Mögliche Auslöser sind:
- zu viel pH-Minus
- sehr geringe Säurekapazität des Wassers
- eine stark ammoniumbetonte Düngung
- biologische Abbauprozesse
- ein ungeeignetes oder ausgelaugtes Substrat
- starke Salzansammlungen
- fehlerhafte Messung
Zuerst wird die Säurezugabe reduziert oder ausgesetzt.
Danach werden Düngung, Wasser und Substrat geprüft. Eine schnelle Gegenkorrektur mit großen Mengen pH-Up kann das System weiter destabilisieren.
In Erde sollte Kalk nur nach einer tatsächlichen Substrat oder Bodenanalyse ergänzt werden.
Muss der pH-Wert in der Blüte erhöht werden?
Nicht automatisch.
Die Umstellung auf die Blüte verändert den Nährstoffbedarf und häufig auch die Düngeformel. Dadurch kann sich die pH-Entwicklung verändern.
Das bedeutet aber nicht, dass Cannabis ab einem bestimmten Blütetag plötzlich einen völlig anderen pH-Wert benötigt.
Der passende Arbeitsbereich wird vor allem durch das Anbausystem bestimmt.
Eine Coco Pflanze wird in der Blüte nicht wie eine Living Soil Pflanze geführt. Eine Living Soil Pflanze wird nicht auf Hydro Werte abgesenkt, nur weil sie jetzt mehr Phosphor aufnimmt.
Eine leichte Bewegung innerhalb des passenden Bereichs ist normal.
Große absichtliche Schwankungen sind nicht nötig.
Outdoor Cannabis und pH-Wert
Beim Outdoor Anbau im gewachsenen Boden gelten andere Maßstäbe als in einem kleinen Indoor Topf.
Ein natürlicher Boden besitzt meist ein wesentlich größeres Volumen. Er enthält mineralische und organische Puffer. Der pH-Wert des einzelnen Gießvorgangs hat dadurch oft weniger unmittelbare Bedeutung.
Für Cannabis und Nutzhanf gelten mineralische Böden mit etwa pH 6,0 bis 7,0 als guter Ausgangsbereich. Je nach Bodenart und Standort kann Cannabis auch außerhalb dieses Bereichs wachsen.
Vor einer Korrektur sollte eine Bodenanalyse durchgeführt werden.
Die Probe sollte aus mehreren Stellen und einer vergleichbaren Tiefe stammen. Nur eine einzelne Handvoll Erde direkt neben dem Stamm ist nicht repräsentativ.
Ein zu saurer Boden kann mit geeigneten Kalkmaterialien angehoben werden. Ein zu basischer Boden kann je nach Bodentyp mit schwefelhaltigen oder organischen Maßnahmen langfristig beeinflusst werden.
Solche Veränderungen benötigen Zeit.
Ein gewachsener Gartenboden sollte nicht aufgrund eines einzelnen Leitungswasserwertes großflächig angesäuert werden.
Steht die Outdoor Pflanze dagegen in einem Topf, gelten weitgehend dieselben Regeln wie im Indoor Grow. Das begrenzte Substratvolumen reagiert wesentlich schneller.
Häufige Fragen zum pH-Wert bei Cannabis
Was ist der beste pH-Wert für Cannabis?
Es gibt keinen einzelnen Wert für alle Systeme.
Als praktische Orientierung gelten:
- Erde und Living Soil: etwa pH 6,0 bis 7,0 im Wurzelraum
- torfbasierte Growerde: etwa pH 5,5 bis 6,5 in der Substratlösung
- Coco: etwa pH 5,7 bis 6,2 in der fertigen Nährlösung
- Hydro und Steinwolle: etwa pH 5,5 bis 6,2 in der Nährlösung
Ist Leitungswasser mit pH 8 für Cannabis ungeeignet?
Nicht automatisch.
Ein Wasser mit pH 8 und geringer Säurekapazität kann leichter zu handhaben sein als Wasser mit pH 7,2 und viel Hydrogencarbonat.
Die Wasseranalyse ist wichtiger als der einzelne pH-Wert.
Muss ich Living Soil Wasser immer auf pH 6,5 einstellen?
Nein.
Ein aktiver Living Soil kann Schwankungen abpuffern. Entscheidend sind Säurekapazität, Substratvolumen und langfristige Entwicklung.
Bei stark hydrogencarbonathaltigem Wasser kann eine Korrektur trotzdem sinnvoll sein.
Ist MicroBio+ ein pH-Minus?
Ja.
MicroBio+ ist von Natur aus sauer und kann den pH-Wert des Gießwassers senken. Gleichzeitig werden ausgewählte Mikroorganismen eingebracht.
Die tatsächliche pH-Senkung hängt von der Pufferung des Wassers ab. Deshalb wird nach der Zugabe immer gemessen.
Kann MicroBio+ mineralisches pH-Minus ersetzen?
In vielen organischen und biologisch geführten Setups kann MicroBio+ eine separate mineralische Säure reduzieren oder überflüssig machen.
Bei sehr hoher Säurekapazität kann eine zusätzliche Wasseraufbereitung oder kontrollierte Korrektur notwendig bleiben.
Zeigt der Runoff den pH-Wert der Erde?
Nicht exakt.
Der Runoff wird stark vom unteren Topfbereich, von der Bewässerung und von Salzansammlungen beeinflusst.
Er ist vor allem als standardisiert gemessener Verlauf nützlich.
Sollte ich bei einem pH-Lockout sofort spülen?
Nicht ohne Diagnose.
Spülen kann in salzbelastetem Coco oder einem mineralisch geführten Substrat sinnvoll sein. In einer organischen Erde oder Living Soil kann unnötiges Spülen Nährstoffe austragen und das biologische System stören.
Zuerst müssen Ursache, Substrat und EC-Wert geklärt werden.
Heilt ein Blatt nach einer pH-Korrektur wieder?
Stark geschädigtes Gewebe erholt sich meist nicht vollständig.
Bewerte den Erfolg an neuen Blättern, neuen Trieben und der weiteren Entwicklung.
Fazit: Nicht die Zahl entscheidet allein
Die Pflanze aus dem Einstieg hatte möglicherweise keinen leeren Topf.
Sie hatte vielleicht genug Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium und Magnesium.
Trotzdem konnte sie diese Versorgung nicht richtig nutzen.
Vielleicht war der Wurzelraum dauerhaft zu nass. Vielleicht war der EC-Wert zu hoch. Vielleicht hatte sich durch hydrogencarbonatreiches Wasser über Wochen der Substrat pH verschoben. Vielleicht blockierte eine hohe Kaliumversorgung die Magnesiumaufnahme.
Der sichtbare Mangel war nur das Ende einer längeren Entwicklung.
Genau deshalb reicht es nicht, den pH-Wert der Gießkanne zu messen und danach eine weitere Flasche zu öffnen.
Ein stabiler Grow entsteht aus dem Zusammenspiel von:
- passender Wasserqualität
- geeignetem pH-Bereich
- ausgewogener Nährstoffversorgung
- gesundem Wurzelraum
- korrekter Bewässerung
- ausreichendem Sauerstoff
- funktionierender Mikrobiologie
- sauberer und wiederholbarer Messung
MicroBio+ kann dabei als natürliches pH-Minus und als mikrobieller Baustein eingesetzt werden. Es ersetzt aber weder die Wasseranalyse noch das Messgerät noch einen passenden Nährstoffplan.
Der pH-Wert ist kein Selbstzweck.
Er ist ein Werkzeug, mit dem du verstehst, was zwischen Wasser, Substrat, Mikroorganismen und Wurzel passiert.
Du steuerst nicht die Pflanze.
Du steuerst das System.
Fachliche Grundlage
- Veazie et al. untersuchten 2025 den Einfluss verschiedener Substrat pH Werte und Mikronährstoffkonzentrationen auf Cannabis sativa.
- Kpai et al. untersuchten 2024 die mineralische Ernährung von Cannabis in der vegetativen Phase und beschrieben unter anderem pH Veränderungen sowie Wechselwirkungen zwischen Kalium, Phosphor und Magnesium.
- Bevan et al. untersuchten die NPK Versorgung von Cannabis während der Blüte in einem erdelosen System.
- Altland und Owen zeigten 2024, dass Pour Through Proben stärker den unteren Topfbereich abbilden.
- Die University of Georgia beschreibt die Zusammenhänge zwischen pH-Wert, Alkalinität, Wasserqualität, Düngerform und Substratentwicklung.




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