Die meisten Grower denken bei Erde zuerst an Nährstoffe.
Stickstoff. Phosphor. Kalium. Calcium. Magnesium. Noch ein bisschen Wurmhumus. Vielleicht etwas Kompost. Vielleicht Coco. Vielleicht Perlite. Und dann wird alles zusammengeschüttet, weil „viel hilft viel“.
Genau da beginnt der Fehler.
Living Soil ist keine Zutatenliste. Living Soil ist ein biologisch aktives Substratsystem. Es geht nicht darum, möglichst viele organische Inputs in einen Topf zu werfen. Es geht darum, einen Wurzelraum zu bauen, der Wasser, Luft, Nährstoffe, Mikroorganismen und organische Substanz in ein stabiles Verhältnis bringt.
Eine gute Living Soil Erde muss nicht überladen sein. Sie muss funktionieren.
Sie muss Wasser halten, aber nicht vernässen. Sie muss Nährstoffe speichern, aber nicht blockieren. Sie muss mikrobiell aktiv sein, aber nicht faulen. Sie muss für die Pflanze verfügbar machen, was gebraucht wird, ohne dass du bei jedem gelben Blatt hektisch nach dem nächsten Produkt greifen musst.
In unserem Grundlagenartikel Living Soil einfach erklärt zeigen wir, was Living Soil biologisch bedeutet und warum Bodenleben mehr ist als ein Marketingwort. In diesem Beitrag geht es um die Praxis:
Wie mischst du deine eigene Living Soil Erde?
Welche Bestandteile sind sinnvoll?
Welche Fehler solltest du vermeiden?
Wann ist eine Drainageschicht sinnvoll?
Wie setzt du Wurmhumus, Kompost, Coco, Pflanzenkohle und mineralische Struktur richtig ein?
Und wie bringst du CannaSelection Living Soil Base so ein, dass daraus kein kurzfristig gepushter Mix wird, sondern ein tragfähiges Substrat für den gesamten Run und perspektivisch auch für No-Till?
Vorab: Eine gute Erde ist nicht automatisch Living Soil
Das muss man klar sagen.
Eine Bio-Erde ist nicht automatisch Living Soil. Eine vorgedüngte Erde ist nicht automatisch Living Soil. Und eine Erde mit Wurmhumus ist ebenfalls nicht automatisch Living Soil.
Viele handelsübliche Substrate sind als Verbrauchsprodukt gedacht. Sie sollen eine Pflanze für eine bestimmte Zeit versorgen, danach lässt die Wirkung nach, die Struktur baut ab, das Substrat wird entsorgt und beim nächsten Run wird ein neuer Sack gekauft.
Das kann funktionieren. Es ist aber nicht die Philosophie von Living Soil.
Living Soil denkt anders.
Hier geht es nicht darum, einen Topf für einen einzigen Durchlauf zu füllen. Es geht darum, ein Substrat aufzubauen, das biologisch geführt, gepflegt, nachversorgt und im besten Fall wiederverwendet werden kann.
Genau deshalb reicht es nicht, einfach eine stark vorgedüngte Erde zu kaufen und sie „Living Soil“ zu nennen. Stark vorgedüngte Substrate, mineralische Langzeitdünger, unbekannte Depotdünger oder sehr salzreiche Mischungen können das Bodenleben stören, die mikrobielle Dynamik verschieben und die Steuerbarkeit im organischen System reduzieren.
Das heißt nicht, dass solche Erden nie funktionieren. Viele Grower erzielen damit Ergebnisse. Aber es ist ein anderer Ansatz.
CannaSelection versteht Living Soil als aktives, wiederverwendbares Bodensystem. Nicht als Einwegsubstrat mit grünem Etikett.
Die Grundlogik: Was eine Living Soil Mischung leisten muss
Bevor wir über Rezepte sprechen, müssen wir über Funktionen sprechen.
Jeder Bestandteil in deiner Mischung sollte eine Aufgabe erfüllen. Wenn du nicht erklären kannst, warum ein Material in deiner Erde ist, gehört es wahrscheinlich nicht hinein.
Eine Living Soil Mischung braucht sechs Bausteine.
1. Grundsubstrat
Das Grundsubstrat bildet das Volumen deiner Erde. Es liefert die Basisstruktur, hält Feuchtigkeit und gibt der Mischung Stabilität.
Geeignet sind hochwertige torffreie Bioerden, torfreduzierte Erden, gebrauchte organische Erde oder eigene Mischungen aus reifen organischen und mineralischen Bestandteilen.
Wichtig ist: Das Grundsubstrat sollte nicht stark mineralisch vorgedüngt sein und keine unbekannten Langzeitdünger enthalten.
2. Humusanteil
Humus ist die biologische Mitte des Systems. Hier entsteht ein großer Teil der mikrobiellen Aktivität. Wurmhumus und reifer Kompost liefern organische Substanz, Mikroorganismen, Enzyme, natürliche Austauschflächen und eine bessere Pufferung.
Für Anfänger empfehlen wir eher hochwertigen Wurmhumus als stark kompostlastige Mischungen. Kompost ist stark, aber nur, wenn er wirklich reif, sauber und stabil ist.
3. Strukturmaterial
Cannabiswurzeln brauchen Sauerstoff. Mikroorganismen ebenfalls. Eine Living Soil Erde darf nicht zu fein, zu schwer oder dauerhaft nass werden.
Strukturmaterialien wie Bims, Lava, Blähtonbruch, Reishülsen oder technisch auch Perlite schaffen Porenraum. Sie helfen, dass Wasser ablaufen kann und gleichzeitig Luft im Substrat bleibt.
4. Mineralische Basis
Ein guter Living Soil braucht mehr als NPK. Calcium, Magnesium, Silizium, Spurenelemente und mineralische Pufferung spielen eine wichtige Rolle für Struktur, Austauschprozesse und langfristige Stabilität.
Hier liegt ein zentraler Grund, warum wir CannaSelection Living Soil Base in den meisten Mischungen empfehlen. Sie bringt nicht nur eine milde NPK-Basis, sondern auch Calcium, Magnesium, organische Substanz und mineralische Komponenten in ein Substrat, das langfristig funktionieren soll.
5. Mikrobiologie
Ohne Bodenleben ist Living Soil nur Erde mit organischem Material.
Mikroorganismen helfen, organische Substanz umzusetzen, Nährstoffe verfügbar zu machen, den Wurzelraum zu stabilisieren und das Substrat biologisch aktiv zu halten.
MicroBio+ ist hier kein Ersatz für gute Erde, sondern eine sinnvolle Ergänzung, um das System nach dem Anmischen, beim Angießen oder bei wiederverwendeter Erde mikrobiell anzuschieben.
6. Zeit
Living Soil braucht Ruhe.
Eine frisch gemischte Erde ist biologisch noch nicht fertig. Mikroorganismen müssen sich verteilen, organische Prozesse starten, Feuchtigkeit muss sich gleichmäßig einstellen und die Mischung muss stabil werden.
Deshalb empfehlen wir je nach Mischung eine Reifezeit von mindestens 2 bis 5 Wochen. Mildere Mischungen können schneller genutzt werden. Kompostlastige oder stärker angereicherte Mischungen sollten länger ruhen.
Die wichtigste Regel: Mehr ist nicht mehr
Viele Living Soil Fehler entstehen durch Übermotivation.
Ein bisschen Wurmhumus ist gut, also nimmt man mehr. Kompost ist gut, also kommt mehr rein. Pflanzenkohle ist spannend, also großzügig dazu. Noch etwas Algenmehl, noch etwas Gesteinsmehl, noch etwas Ferment, noch etwas Blüteinput, noch etwas Cal-Mg, noch etwas Mikroben.
Am Ende entsteht kein stabiler Living Soil, sondern ein unberechenbarer Reaktor.
Eine überladene Erde kann zu hohe Salzwerte entwickeln, zu stark erhitzen, Sauerstoff verlieren, faulige Zonen bilden oder junge Pflanzen stressen. Organisch heißt nicht automatisch mild. Auch organische Inputs können ein Substrat überfordern.
Living Soil bedeutet nicht, möglichst viel ins System zu geben. Es bedeutet, genug einzubauen, damit Bodenleben, Wurzeln und Nährstoffdynamik in Balance arbeiten können.
Das Ziel ist nicht maximale Fütterung.
Das Ziel ist ein tragfähiger Boden.
Torf im Living Soil: technisch möglich, aber nicht unser Standard
Torf funktioniert im Gartenbau technisch gut. Er speichert Wasser, ist leicht, relativ einheitlich und lässt sich gut verarbeiten.
Trotzdem passt Torf für uns nicht als Standardbasis in ein modernes Living Soil System.
Der Grund ist nicht die reine Pflanzenleistung, sondern die ökologische Logik dahinter. Moore sind extrem wertvolle Kohlenstoffspeicher, Wasserspeicher und Lebensräume. Torf entsteht über sehr lange Zeiträume. Wird er abgebaut, wird ein Lebensraum zerstört, der für Klima, Wasserhaushalt und Biodiversität eine besondere Rolle spielt.
Living Soil sollte nicht nur nach „lebendig“ klingen, sondern auch ökologisch konsequent gedacht sein.
Deshalb ist unsere Position klar:
Torf kann funktionieren. Wir empfehlen ihn aber nicht als Standard, weil Moorabbau aus Nachhaltigkeitssicht nicht zu unserer Living-Soil-Philosophie passt.
Wer bereits eine torfhaltige Erde besitzt, muss sie nicht wegwerfen. Wiederverwenden ist oft sinnvoller als entsorgen. Aber beim Neuaufbau würden wir torffreie oder zumindest stark torfreduzierte Substrate bevorzugen.
Coco im Living Soil: funktioniert, aber nicht automatisch sinnvoll
Coco ist ein spannendes Material. Es ist locker, speichert Wasser, bringt Struktur und kann technisch sehr gut funktionieren.
Trotzdem empfehlen wir Coco nicht als Standardbestandteil für Living Soil.
Warum?
Coco stammt aus Kokosfasern und wird meist in tropischen Regionen produziert. Es muss verarbeitet, gewaschen, häufig gepuffert und weit transportiert werden. Das macht es aus Nachhaltigkeitssicht nicht automatisch schlecht, aber auch nicht automatisch besser als regionale Alternativen.
Dazu kommt die chemische Seite. Coco kann je nach Qualität Kalium, Natrium und Chlorid mitbringen. Besonders unzureichend gewaschenes oder nicht sauber gepuffertes Coco kann Calcium- und Magnesium-Dynamiken beeinflussen. Für Grower, die Coco kennen und ihr Wasser sowie ihre Nährstoffführung im Griff haben, ist das steuerbar. Für Anfänger ist es eine zusätzliche Fehlerquelle.
Unsere Position:
Coco kann funktionieren. Aber CannaSelection empfiehlt Coco nicht als Standardbasis für Living Soil.
Wenn Coco eingesetzt wird, dann bewusst, begrenzt und nur in hochwertiger, gewaschener und gepufferter Qualität. Wir würden Coco eher als Struktur- und Wasserhaltekomponente sehen, nicht als Kern eines Living-Soil-Systems.
Regional denken, aber nicht naiv werden
Wir bevorzugen lokale und nachvollziehbare Materialien.
Das bedeutet aber nicht, dass jedes lokale Material automatisch gut ist.
Ein häufiger Denkfehler lautet: „Ich ersetze Perlite einfach durch Holzreste. Das ist natürlicher.“
Für Cannabis in Töpfen oder Indoor-Beeten ist das keine gute Logik.
Natürlichkeit allein ist kein Qualitätsmerkmal. Holzreste, Sägespäne, frische Hackschnitzel oder grobe organische Abfälle können Wasser unkontrolliert halten, Stickstoff binden, Pilz- und Trauermückenprobleme fördern oder anaerobe Zonen erzeugen. Sie schaffen nicht automatisch die Luftigkeit, die Bims, Lava, Blähtonbruch oder Perlite liefern.
Regionalität ist für uns ein Grundsatz. Aber Qualität bleibt wichtiger als Ideologie.
Ein regionaler Fehler bleibt ein Fehler.
Holz im Living Soil: draußen spannend, indoor für Anfänger nicht empfehlenswert
Holz kann in natürlichen Systemen wertvoll sein. In großen Outdoor-Beeten, Waldgärten oder Hugelkultur-Systemen kann Holz langfristig Struktur, Kohlenstoff und Pilzaktivität fördern.
Aber Indoor-Cannabis in Töpfen oder kleineren Beeten ist kein Waldsystem.
Frisches Holz im Indoor-Substrat kann mehrere Probleme erzeugen:
Es kann Stickstoff binden, weil Mikroorganismen beim Abbau kohlenstoffreicher Materialien Stickstoff benötigen. Es kann Wasser lokal festhalten und dadurch nasse Zonen bilden. Es kann Trauermücken, Schimmel und unkontrollierte Pilzaktivität begünstigen. Und es kann die Wasserführung im Topf ungleichmäßig machen.
Deshalb lautet unsere Empfehlung:
Für Anfänger und Indoor-Töpfe kein frisches Holz in die Living Soil Mischung.
Gut kompostierte Rindenbestandteile oder professionell aufbereitete Holzfasern können in hochwertigen Substraten sinnvoll sein. Das ist aber etwas anderes als Holzreste aus der Werkstatt, Hackschnitzel aus unbekannter Quelle oder grobe Holzstücke als Perlite-Ersatz.
Holz ist kein Strukturmaterial für Anfängererde. Es ist ein Material für Menschen, die genau wissen, warum sie es einsetzen.
Polymere und Wasserspeichergranulate: Nicht unser Weg für Living Soil
Immer wieder tauchen Wasserspeichergranulate, Hydrogele oder andere Polymerprodukte als vermeintlich moderne Lösung für trockene Erde auf.
Für Living Soil empfehlen wir solche Produkte nicht.
Der Grund ist einfach: Living Soil soll sein Feuchtigkeitsgefüge über organische Substanz, Humus, Struktur, Mulch, Wurzelmasse und Bodenleben regulieren. Polymere greifen künstlich in dieses Wassergefüge ein. Sie können lokal stark quellen, Wasser punktuell festhalten und die Porenstruktur im Substrat verändern.
Das kann in bestimmten landwirtschaftlichen oder technischen Anwendungen interessant sein. Für einen biologisch geführten Cannabis-Wurzelraum ist es aus unserer Sicht aber nicht die richtige Grundlage.
Dazu kommt: Je nach Polymerchemie können solche Materialien Ionen und Metalle binden oder das Verhalten von Nährstoffen beeinflussen. Das muss nicht automatisch problematisch sein, aber es ist im kleinen Living-Soil-Topf auch nicht sauber kontrollierbar.
Unsere Haltung:
Keine Polymere als Standardbestandteil in Living Soil.
Wer Wasserhaltevermögen verbessern will, sollte zuerst an Humusqualität, Mulch, Topfgröße, Struktur, Gießtechnik und lebendige Oberfläche denken.
Wurmhumus: Einer der wichtigsten Bestandteile, aber Qualität entscheidet
Wurmhumus gehört für uns zu den stärksten Bestandteilen einer Living Soil Mischung.
Guter Wurmhumus bringt organische Substanz, mikrobielle Aktivität, Enzyme, natürliche Pufferung und eine feine, stabile Krümelstruktur. Er macht Erde lebendiger, ohne sie automatisch zu überladen.
Aber: Nicht jeder Wurmhumus ist gut.
Schlechter Wurmhumus kann zu nass, matschig, faulig, unreif oder mit Trauermücken belastet sein. Indoor kann das schnell zum Problem werden.
Guter Wurmhumus riecht angenehm erdig. Er ist feucht, aber nicht nass. Er ist krümelig, nicht schmierig. Er riecht nicht nach Gärung, Mülltonne, Ammoniak oder Stall.
Für Anfänger empfehlen wir Wurmhumus deshalb klar, aber mit Qualitätsanspruch.
Wenn du unsicher bist, starte lieber mit 15 bis 20 Prozent hochwertigem Wurmhumus, statt 30 bis 40 Prozent fragwürdiges Material in deine Erde zu mischen.
Kompost: biologisch stark, aber indoor mit Vorsicht
Reifer Kompost ist ein extrem wertvoller Bestandteil für Living Soil. Er bringt mikrobielles Leben, organische Substanz, Nährstoffdynamik und Humusaufbau.
Aber Kompost ist auch eine der häufigsten Fehlerquellen.
Gerade Indoor ist unreifer oder schlechter Kompost problematisch. Er kann hohe Salzwerte haben, faulig sein, Schädlinge mitbringen, zu stark nachheizen oder das Substrat unausgewogen machen.
Für Anfänger gilt deshalb:
Wurmhumus ist meist einfacher als Kompost.
Wenn du Kompost verwendest, dann nur reifen, stabilen, angenehm erdig riechenden Kompost. Kein frischer Gartenkompost, keine halb verrotteten Küchenreste, kein heißes Material, kein fauliger Kompost und kein Material aus unbekannter Quelle.
Im Idealfall kombinierst du hochwertigen Wurmhumus mit einer kleineren Menge reifem Kompost. So bekommst du biologische Breite, ohne das System zu stark zu belasten.
Pflanzenkohle: Nur vorgeladen sinnvoll
Pflanzenkohle kann in Living Soil sehr wertvoll sein. Sie bietet Oberflächen, kann Wasser und Nährstoffe puffern und kann als Lebensraum für Mikroorganismen dienen.
Aber rohe Pflanzenkohle ist kein magischer Bodenverbesserer.
Frisch und ungeladen eingemischt kann Pflanzenkohle Nährstoffe zunächst binden. Das kann gerade bei jungen Pflanzen oder schwächeren Mischungen zu Problemen führen.
Deshalb gilt:
Pflanzenkohle nur vorgeladen verwenden.
Vorladen bedeutet, dass die Kohle vor dem Einmischen mit organischem und mikrobiellem Leben in Kontakt gebracht wird. Das kann über Wurmhumus, Kompost, MicroBio+, organische Nährlösung oder fertiges aktives Substrat passieren.
Ein einfacher Praxisweg:
Mische Pflanzenkohle mit Wurmhumus und leicht feuchtem Substrat, gieße sie mit MicroBio+ an und lasse sie mindestens einige Tage, besser 1 bis 2 Wochen, feucht und luftig stehen. Danach kann sie deutlich sinnvoller in die Mischung eingebaut werden.
In den meisten Rezepten reichen 3 bis 5 Prozent Pflanzenkohle völlig aus.
Mineralische Struktur: Bims, Lava, Blähtonbruch, Perlite und Reishülsen
Die Struktur entscheidet darüber, ob deine Erde atmen kann.
Cannabis wächst nicht gut in matschiger, dichter Erde. Wurzeln brauchen Sauerstoff. Mikroorganismen brauchen Sauerstoff. Wenn der Wurzelraum dauerhaft zu nass ist, kippt das System in Richtung Stress, Fäulnis und langsames Wachstum.
Unsere bevorzugten Strukturmaterialien sind:
Bims, Lava, Blähtonbruch und je nach Setup Reishülsen.
Bims ist leicht, porös, mineralisch stabil und für Living Soil sehr interessant. Er verbessert die Luftführung und kann gleichzeitig etwas Wasser halten, ohne wie ein organischer Schwamm zu wirken.
Lava kann ebenfalls sinnvoll sein, wenn es sich um geeignetes, sauberes, gewaschenes und strukturstabiles Lavagestein handelt. Wichtig ist, keine dekorativen oder unbekannt behandelten Materialien zu verwenden. Lava ist nicht gleich Lava. Für Substrate sollte sie nicht zu fein, nicht staubig und nicht mit unbekannten Zusätzen belastet sein.
Blähtonbruch kann funktionieren, besonders als grober Strukturanteil oder in Drainagezonen. Grober Blähton ist allerdings nicht unsere erste Wahl im eigentlichen Substrat, weil er oft sehr groß, rund und wenig mischungsfreundlich ist.
Perlite funktioniert technisch gut. Es ist leicht, luftig und im Gartenbau bewährt. Aus CannaSelection-Sicht ist es aber nicht unser Kernmaterial, weil wir mineralisch-naturnähere und nachhaltiger gedachte Alternativen bevorzugen, wo es sinnvoll möglich ist.
Reishülsen können als organisch-mineralisch gedachte Strukturkomponente interessant sein, bauen sich aber mit der Zeit ab. Sie sind deshalb eher eine Ergänzung als alleinige Strukturgrundlage.
Wichtig: Sand ist kein gutes Strukturmaterial für Living Soil in Töpfen. Feiner Sand kann Poren schließen und Erde schwerer machen. Kies bringt Gewicht, aber kaum biologische Funktion.
Drainageschicht: Ja, nein, vielleicht?
Kaum ein Thema wird so widersprüchlich diskutiert wie Drainage.
Die klassische Empfehlung lautet oft: „Unten Kies oder Blähton rein, dann läuft das Wasser besser ab.“
So einfach ist es nicht.
In kleinen Töpfen kann eine grobe Drainageschicht sogar kontraproduktiv sein. Wenn feines Substrat auf grobem Material liegt, bleibt Wasser oft oberhalb dieser Schicht im Substrat stehen, statt sofort sauber nach unten durchzulaufen. Gleichzeitig verlierst du nutzbares Erdvolumen. Der Wurzelraum wird kleiner, die feuchte Zone rückt näher an die Wurzeln und das System wird nicht automatisch sicherer.
Deshalb sagen wir klar:
Eine Drainageschicht ist kein Ersatz für gute Erde und gutes Gießen.
Im professionell geführten Living Soil löst man Drainage primär über Substratstruktur, Topfgröße, Beetaufbau, Mulchmanagement und Gießtechnik. Wenn die Erde richtig aufgebaut ist, braucht es in vielen Fällen keine klassische Drainageschicht.
Trotzdem empfehlen wir für Anfänger und bestimmte Setups eine kontrollierte Drainagezone.
Warum?
Weil Anfänger oft zu nass gießen. Gerade bei großen Beeten, hohen Töpfen oder sehr humusreichen Mischungen kann eine kleine mineralische Sicherheitszone helfen, extreme Staunässe am Boden zu reduzieren und das System fehlertoleranter zu machen.
Wichtig ist: Diese Zone ist keine magische Entwässerung. Sie ist ein Sicherheitsbereich. Die Erde darüber muss trotzdem luftig, strukturstabil und richtig gegossen sein.
Unsere Empfehlung:
Unter 25 bis 30 cm Substrathöhe keine klassische Drainageschicht einbauen. Hier ist jeder Zentimeter Wurzelraum wertvoller.
Zwischen 30 und 40 cm Substrathöhe nur sehr zurückhaltend arbeiten. Wenn überhaupt, dann maximal eine kleine mineralische Zone und nur bei Setups, die wirklich zu nass laufen.
Ab etwa 40 cm Beet- oder Topfhöhe kann eine 3 bis 5 cm hohe Drainagezone für Anfänger sinnvoll sein.
Ideal wird es ab etwa 50 cm Höhe. Hier kann eine 5 bis 8 cm hohe Zone aus geeignetem mineralischem Material funktionieren, ohne den eigentlichen Wurzelraum zu stark zu reduzieren.
Geeignete Materialien sind Bims, Lava oder Blähtonbruch. Grober Blähton ist möglich, aber nicht unsere erste Wahl. Kies, Sand und Holzstücke empfehlen wir nicht als Standard.
So bereitest du deine Living Soil Erde Schritt für Schritt vor
Jetzt kommen wir zur Praxis.
Egal welches Rezept du nutzt, der Ablauf bleibt ähnlich.
Schritt 1: Ausgangserde prüfen
Nimm keine Erde, nur weil sie „Bio“ auf dem Sack stehen hat.
Prüfe zuerst:
Ist sie stark vorgedüngt?
Enthält sie mineralische Langzeitdünger?
Ist sie torffrei oder torfreduziert?
Ist sie locker oder sehr fein?
Riecht sie angenehm erdig?
Bleibt sie nach dem Gießen luftig oder wird sie matschig?
Für Living Soil eignet sich eine lockere, organische, nicht überladene Erde besser als ein stark vorgedüngtes Substrat mit unklaren Zusätzen.
Schritt 2: Struktur einbauen
Bevor du über Nährstoffe nachdenkst, baue Struktur ein.
Für Anfänger ist eine zu dichte Erde gefährlicher als eine leicht mildere Nährstoffbasis. Eine Pflanze kann in einer etwas milderen Erde gut wachsen, wenn Wurzeln und Mikroben aktiv sind. In einer nassen, sauerstoffarmen Erde wird sie gestresst, selbst wenn theoretisch genug Nährstoffe vorhanden sind.
Bims oder Lava sind hier sehr gute Werkzeuge.
Schritt 3: Humus einarbeiten
Gib hochwertigen Wurmhumus dazu. Wenn du guten Kompost hast, kannst du einen Teil Wurmhumus durch Kompost ergänzen.
Für Anfänger ist Wurmhumus meistens einfacher zu kontrollieren.
Halte den Humusanteil im ersten Versuch lieber moderat. Eine sichere Mischung ist besser als eine maximal biologische, aber instabile Mischung.
Schritt 4: CannaSelection Living Soil Base gleichmäßig einmischen
CannaSelection Living Soil Base wird gleichmäßig in das Substrat eingearbeitet. Wichtig ist eine saubere Verteilung. Keine Klumpen, keine Nährstoffinseln, keine Schichten.
Als Orientierung für den Neuansatz gilt:
50 bis 100 g Living Soil Base pro 10 Liter Erde.
Für 100 Liter Substrat entspricht das 500 bis 1.000 g Living Soil Base.
Bei leichter Ausgangserde, wiederverwendeter Erde oder größeren Pflanzen kann der obere Bereich sinnvoll sein. Bei bereits kräftiger Erde oder empfindlichen Jungpflanzen arbeitet man vorsichtiger.
Living Soil Base ist nicht dafür gedacht, eine schlechte Erde brutal hochzuziehen. Sie ist dafür gedacht, ein organisch geführtes Substrat sinnvoll aufzubauen und tragfähiger zu machen.
Schritt 5: Optional Mineral Charge einsetzen
Mineral Charge ist besonders interessant bei wiederverwendeter Erde, ausgelaugten Substraten oder Setups, bei denen Calcium, Magnesium und mineralische Stabilität stärker berücksichtigt werden sollen.
Beim Erdmischen liegt die Orientierung bei 2 bis 3 g pro Liter Erde.
Wichtig: Mineral Charge ist kein Freifahrtschein für extrem schlechte Wasserwerte. Wenn dein Gießwasser ein stark verschobenes Calcium-Magnesium-Verhältnis oder hohe Hydrogencarbonatwerte hat, kann ein Substrat das eine Zeit lang abpuffern, aber nicht unbegrenzt.
Nutze dafür zusätzlich unseren Wasserwerte-Check und den Cal-Mg-Rechner. Wasser ist im Living Soil kein Nebenthema. Es entscheidet mit, wie stabil das System läuft.
Schritt 6: Mit MicroBio+ aktivieren
Nach dem Anmischen sollte das Substrat leicht angefeuchtet werden. Nicht nass. Nicht sumpfig. Nur so, dass es wie ein ausgedrückter Schwamm wirkt.
MicroBio+ kann beim ersten Angießen oder während der Reifephase eingesetzt werden, um das Bodenleben zu aktivieren und die mikrobiellen Prozesse zu unterstützen.
Für Erde liegt die Orientierung bei 2 bis 4 ml MicroBio+ pro Liter Wasser.
Gerade bei neuer, steriler wirkender Erde oder wiederverwendetem Substrat ist das ein sinnvoller Schritt.
Schritt 7: Reifen lassen
Nach dem Mischen kommt die Ruhephase.
Lass deine Erde idealerweise 2 bis 5 Wochen reifen.
Stelle sie nicht luftdicht weg. Erde lebt aerob. Sie braucht Sauerstoff. Decke sie locker ab, halte sie leicht feucht und vermeide Austrocknung.
Wenn die Mischung spürbar warm wird, arbeitet sie mikrobiell stark. Leichte Wärme kann normal sein. Wenn die Erde deutlich heiß wird, stark riecht oder faulig wirkt, stimmt etwas nicht oder sie ist noch nicht bereit für Pflanzen.
Vor allem junge Pflanzen sollten nicht in eine instabile, heiße oder überaktive Mischung gesetzt werden.
Rezept 1: Anfänger-Sicherheitsmix mit Living Soil Base
Dieses Rezept ist für Grower gedacht, die zum ersten Mal Living Soil Erde selber mischen und eine stabile, nicht zu aggressive Mischung wollen.
Für 100 Liter Substrat:
55 Liter hochwertige torffreie Bioerde oder organische Ausgangserde
20 Liter hochwertiger Wurmhumus
20 Liter Bims, Lava oder eine Mischung aus beiden
5 Liter vorgeladene Pflanzenkohle
500 bis 800 g CannaSelection Living Soil Base
Optional MicroBio+ zum Aktivieren beim Anfeuchten
Optional Mineral Charge nur dann, wenn das Ausgangssubstrat ausgelaugt ist oder Wasserwerte beziehungsweise Calcium-Magnesium-Themen eine Rolle spielen
Warum diese Mischung funktioniert:
Sie ist luftig genug, humusreich genug und nicht unnötig überladen. Der Wurmhumus bringt biologische Aktivität, die mineralische Struktur hält den Wurzelraum offen und Living Soil Base liefert eine milde, tragfähige Grundlage für den Run.
Das ist keine maximale Rezeptur. Es ist eine sichere.
Für Anfänger ist genau das der richtige Einstieg.
Rezept 2: Wurmhumus-starker Bio-Mix
Diese Mischung ist biologisch aktiver, aber auch etwas anspruchsvoller. Sie eignet sich für Grower, die hochwertigen Wurmhumus zur Verfügung haben und ihr Gießverhalten im Griff haben.
Für 100 Liter Substrat:
45 Liter torffreie organische Erde oder gebrauchte, aufbereitete Erde
30 Liter hochwertiger Wurmhumus
20 Liter Bims, Lava oder Blähtonbruch
5 Liter vorgeladene Pflanzenkohle
600 bis 900 g CannaSelection Living Soil Base
Optional MicroBio+ zur Aktivierung
Wichtig:
Diese Mischung steht und fällt mit der Qualität des Wurmhumus. Ist der Wurmhumus zu nass, zu fein oder faulig, wird die Mischung schnell zu schwer. Dann lieber weniger Wurmhumus verwenden und mehr Struktur einbauen.
Für Anfänger mit unsicherem Gießverhalten ist Rezept 1 meist besser.
Rezept 3: Coco-reduzierter Mix
Diese Mischung ist für Grower gedacht, die Coco verwenden möchten, aber nicht auf ein reines Coco-System gehen wollen.
Für 100 Liter Substrat:
45 Liter torffreie organische Erde oder gebrauchte Erde
15 Liter gewaschenes und gepuffertes Coco
20 Liter Wurmhumus
15 Liter Bims oder Lava
5 Liter vorgeladene Pflanzenkohle
500 bis 800 g CannaSelection Living Soil Base
Optional MicroBio+ zum Angießen
Optional Mineral Charge, wenn Wasserwerte oder Calcium-Magnesium-Themen es sinnvoll machen
Wichtig:
Nur hochwertiges, gewaschenes und gepuffertes Coco verwenden. Kein unbekanntes, salziges oder unvorbereitetes Coco.
Diese Mischung kann gut funktionieren, ist aber nicht unsere Standardempfehlung. Sie eignet sich eher für Grower, die Coco verstehen und bewusst einsetzen.
Rezept 4: No-Till-Beetmix für größere Setups
Diese Mischung ist für größere Beete, hohe Töpfe und Grower gedacht, die langfristiger denken. Hier steht nicht nur der aktuelle Run im Fokus, sondern die Wiederverwendung und Weiterentwicklung des Substrats.
Für 100 Liter Substrat:
45 Liter torffreie organische Erde oder wiederverwendete Erde
20 Liter hochwertiger Wurmhumus
10 bis 15 Liter reifer Kompost
15 bis 20 Liter Bims oder Lava
5 Liter vorgeladene Pflanzenkohle
800 bis 1.000 g CannaSelection Living Soil Base
Optional Mineral Charge bei ausgelaugter Erde oder mineralischem Nachholbedarf
MicroBio+ zum Aktivieren
Bei Beethöhen ab 40 cm kann zusätzlich eine 3 bis 5 cm Drainagezone aus Bims, Lava oder Blähtonbruch sinnvoll sein. Ab etwa 50 cm Höhe kann diese Zone 5 bis 8 cm betragen.
Warum diese Mischung sinnvoll ist:
Sie ist stärker auf langfristige Nutzung ausgelegt. Wurmhumus, Kompost, mineralische Struktur und Living Soil Base schaffen eine Grundlage, die nicht nach einem Run entsorgt werden muss. Mit Mulch, Topdressing, MicroBio+ und sauberer Feuchteführung kann daraus ein echtes No-Till-System entstehen.
Rezept 5: Mischung ohne Living Soil Base
Ja, du kannst auch ohne CannaSelection Living Soil Base mischen.
Wichtig ist nur: Dann musst du die Nährstoff- und Mineralbasis selbst sauber planen.
Für 100 Liter Substrat:
50 Liter torffreie organische Erde
25 Liter hochwertiger Wurmhumus
20 Liter Bims, Lava oder Blähtonbruch
5 Liter vorgeladene Pflanzenkohle
Optional eine kleine Menge reifer Kompost
Diese Mischung ist eine gute organische Basis. Aber sie ist noch nicht automatisch ein vollständig tragfähiges Living-Soil-System für einen kompletten Cannabis-Run.
Warum?
Weil Struktur und Humus allein nicht garantieren, dass Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Spurenelemente über den gesamten Run sinnvoll verfügbar sind. Ohne Living Soil Base musst du gezielt über einzelne Inputs arbeiten.
Genau hier empfehlen wir den CannaSelection Living Soil Navigator beziehungsweise Nährstofffinder. Dort kannst du nach Nährstoff, Wirkungsgeschwindigkeit, Herkunft und Einsatzbereich sortieren. So kannst du dein eigenes Rezept verbessern, ohne wahllos Zutaten zu kombinieren.
Ohne Living Soil Base geht es also.
Aber es braucht mehr Verständnis, mehr Planung und mehr Verantwortung.
Was ist mit Nachdüngen und Topdressing?
Living Soil bedeutet nicht, dass du nie wieder etwas nachlegen darfst.
Gerade bei Cannabis kann die Blütephase anspruchsvoll werden. Große Pflanzen, lange Vegi, starke Beleuchtung, hohe Verdunstung und lange Blütezeiten können ein Substrat stärker belasten.
Deshalb arbeiten viele Living-Soil-Systeme mit Topdressing.
CannaSelection Living Soil Base kann zum Nachlegen mit 1 bis 2 g pro Liter Topfvolumen oberflächlich ausgebracht werden. Je nach System und Substratzustand kann das alle 3 bis 4 Wochen sinnvoll sein.
TopDress Bloom ist für die Blütephase gedacht. Die Orientierung liegt bei 1 bis 2 g pro Liter Topfvolumen ab Blütewoche 1, mit optionaler zweiter Gabe um Blütewoche 5. Bei intensiver Anwendung kann höher dosiert werden, aber Anfänger sollten nicht direkt maximal arbeiten.
Wichtig:
Topdressing immer leicht einarbeiten oder mit Mulch bedecken und anschließend anfeuchten. Trockenes Topdressing auf trockener Erde bringt wenig. Mikroorganismen brauchen Feuchtigkeit, Kontakt und Zeit.
Wasserwerte: Der unterschätzte Faktor im Living Soil
Viele Grower diskutieren stundenlang über Erde, aber ignorieren ihr Wasser.
Das ist ein Fehler.
Dein Gießwasser beeinflusst pH-Dynamik, Calcium-Magnesium-Verhältnis, Hydrogencarbonat, Salzbelastung und die langfristige Pufferung des Substrats.
Ein guter Living Soil kann einiges abfangen. Aber er ist kein Zauberfilter.
Wenn du dauerhaft mit extrem ungünstigem Wasser gießt, kann auch ein gutes Substrat irgendwann aus dem Gleichgewicht geraten. Besonders Calcium und Magnesium sind hier wichtig. Nicht nur die absolute Menge zählt, sondern auch das Verhältnis.
Mineral Charge kann helfen, mineralische Stabilität in ausgelaugte oder ungünstig geführte Substrate zu bringen. Aber auch hier gilt: Es puffert eine Zeit lang. Es hebt nicht jede Wasserproblematik dauerhaft auf.
Deshalb empfehlen wir:
Prüfe deine Wasserwerte.
Nutze unseren Wasserwerte-Check und den Cal-Mg-Rechner.
Passe dein Rezept an dein Wasser an, statt ein Standardrezept blind zu kopieren.
Gieße möglichst mit Regenwasser oder Osmose wenn dein Ausgangswasser ein ungünstiges Cal-Mag verhältnis hat
Living Soil ist lokal. Dein Wasser ist Teil des Systems.
No-Till: Der eigentliche Sinn von Living Soil
No-Till bedeutet, dass das Substrat nicht nach jedem Run komplett umgegraben, ausgetauscht oder neu aufgebaut wird.
Die Wurzeln bleiben teilweise im Boden, organische Substanz wird an der Oberfläche ergänzt, Mikroorganismen und Bodennahrung werden weitergeführt, und das System entwickelt sich mit der Zeit.
Genau hier beginnt Living Soil wirklich.
Der erste Run ist der Aufbau. Der zweite Run zeigt, ob das System gepflegt wurde. Der dritte Run kann besser werden als der erste, wenn Struktur, Feuchtigkeit, Mulch, Wurzelreste und Topdressing sinnvoll zusammenspielen.
No-Till funktioniert aber nur, wenn das Substrat nicht von Anfang an falsch aufgebaut wurde.
Eine Erde, die zu dicht, zu nass, zu salzig oder zu instabil ist, wird durch No-Till nicht automatisch besser. Sie wird oft nur schwerer zu korrigieren.
Deshalb ist der Start so wichtig.
Eine gute Living Soil Mischung ist nicht nur Erde für heute. Sie ist die Grundlage für morgen.
Mulch und Cover Crop: Kurz gesagt, ja
Living Soil liebt eine geschützte Oberfläche.
Nackte Erde trocknet schneller aus, schwankt stärker in Temperatur und Feuchtigkeit und verliert an biologischer Aktivität in der oberen Schicht.
Mulch hilft, die Oberfläche zu schützen, Feuchtigkeit gleichmäßiger zu halten und organisches Material langsam ins System zurückzuführen.
Cover Crop kann zusätzlich helfen, die Oberfläche lebendig zu halten, Wurzelaktivität in den oberen Bereich zu bringen und das System natürlicher wirken zu lassen.
Für Anfänger reicht ein einfacher Mulch oft aus. Cover Crop ist spannend, aber nicht zwingend notwendig für den ersten Versuch.
Wir behandeln Mulch und Cover Crop ausführlicher in unserem separaten Beitrag. Für diesen Artikel reicht die Kernbotschaft:
Eine lebendige Erde sollte nicht dauerhaft nackt, trocken und offen stehen.
Warnzeichen: So erkennst du, dass deine Erde nicht sauber ist
Eine schlechte Living Soil Mischung erkennt man oft schon, bevor die Pflanze richtig Probleme zeigt.
Achte auf diese Warnzeichen:
Die Erde riecht faulig, sauer oder nach Gärung.
Die Mischung wird sehr warm oder bleibt über Tage heiß.
Die Oberfläche bleibt dauerhaft nass.
Wasser läuft sofort seitlich durch, ohne die Erde gleichmäßig zu befeuchten.
Die Erde sackt stark zusammen.
Das Substrat wird hart und kompakt.
Trauermücken explodieren direkt nach dem Anmischen.
Junge Pflanzen bleiben stehen oder zeigen früh Stress.
Die Erde wirkt schmierig statt krümelig.
Wenn mehrere dieser Punkte auftreten, ist nicht die Pflanze das Problem. Dann stimmt der Wurzelraum nicht.
Die häufigsten Anfängerfehler beim Living Soil Mischen
Fehler 1: Zu wenig Struktur
Das ist der Klassiker.
Eine humusreiche Erde ohne genug Luftporen wird schnell schwer, nass und sauerstoffarm. Gerade Cannabis reagiert darauf empfindlich.
Besser: Von Anfang an genug Bims, Lava oder anderes Strukturmaterial einbauen.
Fehler 2: Zu viel Kompost
Kompost ist stark, aber nicht automatisch indoor-sicher.
Unreifer oder zu salziger Kompost kann ein Substrat kippen lassen. Anfänger fahren mit hochwertigem Wurmhumus oft sicherer.
Fehler 3: Frisches Holz als Strukturmaterial
Holzreste ersetzen keine mineralische Struktur.
Sie können Wasser halten, Stickstoff binden und unkontrollierte Abbauprozesse auslösen. Für Indoor-Anfänger nicht empfehlenswert.
Fehler 4: Ungeladene Pflanzenkohle
Pflanzenkohle muss vorgeladen werden. Roh eingemischt kann sie Nährstoffe zunächst binden und das System ausbremsen.
Fehler 5: Zu dicke Drainageschicht in kleinen Töpfen
In kleinen Töpfen reduziert eine Drainageschicht den Wurzelraum und verbessert die Drainage nicht automatisch. Lieber das ganze Substrat strukturstabil mischen.
Fehler 6: Erde austrocknen lassen
Living Soil lebt von gleichmäßiger Feuchtigkeit. Komplettes Austrocknen bremst Mikroorganismen aus und macht das System instabiler.
Fehler 7: Zu früh zu viel nachlegen
Viele Grower topdressen zu früh, weil sie Angst vor Mängeln haben. Erst beobachten, dann gezielt handeln. Living Soil braucht Zeit.
Fehler 8: pH und EC wie in Hydro behandeln
Living Soil ist kein Hydro-System. Du musst nicht jedem Messwert hinterherlaufen. Aber extreme Wasserwerte und salzreiche Inputs solltest du trotzdem ernst nehmen.
Fehler 9: Schlechte Erde retten wollen
Eine schlechte Ausgangserde wird nicht automatisch gut, nur weil du hochwertige Inputs einmischst. Manchmal ist ein sauberer Neuaufbau besser.
Fehler 10: Ein Rezept blind kopieren
Dein Wasser, dein Topfvolumen, deine Pflanze, deine Temperatur und dein Gießverhalten entscheiden mit. Nutze Rezepte als Startpunkt, nicht als Dogma.
Welche Topfgröße ist sinnvoll?
Living Soil funktioniert besser, wenn genug Substratvolumen vorhanden ist.
Kleine Töpfe verzeihen weniger. Sie trocknen schneller aus, schwanken stärker und bieten weniger biologische Pufferung.
Für Cannabis empfehlen wir bei Living Soil eher größere Volumen. 20 bis 25 Liter können funktionieren, sind aber für Anfänger nicht ideal. 30 Liter und mehr sind deutlich angenehmer. Große Töpfe oder Beete ab 40 bis 50 cm Höhe geben dem System mehr Raum, mehr Puffer und mehr Stabilität.
Je kleiner dein Topf, desto präziser musst du gießen.
Je größer dein Substratvolumen, desto mehr arbeitet der Boden für dich.
Wie feucht soll Living Soil sein?
Living Soil sollte nie dauerhaft nass sein. Aber er sollte auch nie komplett austrocknen.
Die richtige Feuchte liegt irgendwo zwischen „frisch und aktiv“ und „luftig genug für Sauerstoff“.
Ein gutes Bild ist der ausgedrückte Schwamm: feucht, aber nicht tropfend.
Wenn du eine Handvoll Erde zusammendrückst, sollte sie leicht zusammenhalten, aber nicht matschig zwischen den Fingern herausquellen.
Zu nass bedeutet Sauerstoffmangel.
Zu trocken bedeutet Stillstand.
Living Soil lebt in der Balance dazwischen.
Muss man Living Soil „kochen“ lassen?
Viele sprechen davon, dass Living Soil „kochen“ muss. Gemeint ist nicht echtes Kochen, sondern biologische Reife.
Nach dem Anmischen beginnen Mikroorganismen zu arbeiten. Organische Bestandteile werden besiedelt, Nährstoffe werden umgebaut, Feuchtigkeit verteilt sich, die Mischung stabilisiert sich.
Diese Phase ist wichtig.
Bei milden Mischungen reichen manchmal 1 bis 2 Wochen, besonders wenn die Ausgangserde stabil ist. Bei stärkeren Mischungen, Kompostanteilen oder größeren Mengen organischer Inputs empfehlen wir 2 bis 5 Wochen.
Während dieser Zeit sollte die Erde locker abgedeckt, leicht feucht und belüftet stehen.
Wenn die Erde sehr heiß wird oder unangenehm riecht, ist sie nicht pflanzbereit.
Eine gute Living Soil Erde riecht erdig, ruhig und stabil.
So erkennst du, dass deine Mischung bereit ist
Deine Erde ist bereit, wenn sie angenehm erdig riecht, gleichmäßig feucht ist, nicht heiß wird, locker krümelt und Wasser gut annimmt.
Sie sollte nicht stauben, nicht schmieren und nicht nach Gärung riechen.
Wenn du Jungpflanzen einsetzen möchtest, sei besonders vorsichtig. Setze junge Pflanzen nicht direkt in eine sehr starke oder frisch aktive Mischung. Arbeite lieber mit einem milderen Pflanzbereich oder einer leichteren Startzone, damit die Wurzeln sauber einwachsen können.
Für größere Pflanzen darf die Erde kräftiger sein. Für Sämlinge und Jungpflanzen braucht sie mehr Sanftheit.
Warum CannaSelection Living Soil Base in unseren Rezepten eine zentrale Rolle spielt
Du kannst Living Soil auch ohne CannaSelection Living Soil Base bauen.
Aber dann musst du selbst sicherstellen, dass Struktur, organische Substanz, Mineralbasis, Calcium, Magnesium, Phosphor, Kalium und langfristige Nährstoffdynamik sinnvoll abgedeckt sind.
Genau hier setzen wir mit Living Soil Base an.
Living Soil Base ist dafür gedacht, ein organisch geführtes Substrat von Anfang an tragfähiger zu machen. Sie liefert eine milde NPK-Grundlage, eine starke Calcium-Magnesium-Basis, organische Substanz und mineralische Komponenten für ein stabileres Substratmilieu.
Das Ziel ist nicht, die Pflanze kurzfristig zu pushen.
Das Ziel ist, die Erde sauber aufzubauen.
Deshalb empfehlen wir Living Soil Base besonders für:
Neuansätze
wiederverwendete Erde
Living-Soil-Beete
organische Indoor-Setups
Grower, die nicht wahllos einzelne Inputs kombinieren wollen
Anfänger, die eine klare Basis statt Rätselraten suchen
Living Soil Base macht aus schlechter Erde keine perfekte Erde. Aber sie ist ein sinnvoller Baustein, wenn die restliche Mischung sauber aufgebaut ist.
Der Living Soil Navigator: Dein Rezept anpassen statt blind kopieren
Jede Mischung in diesem Artikel ist ein Startpunkt.
Nicht mehr und nicht weniger.
Wenn du dein Rezept wirklich verbessern willst, musst du verstehen, welcher Input welche Aufgabe erfüllt.
Brauchst du Stickstoff?
Geht es um schnelle oder langsame Freisetzung?
Fehlt Calcium oder Magnesium?
Soll die Erde mineralischer stabilisiert werden?
Möchtest du einen Blüteinput?
Geht es um Wiederverwendung?
Ist dein Setup eher Topf, Beet, Indoor oder Outdoor?
Genau dafür gibt es den CannaSelection Living Soil Navigator beziehungsweise Nährstofffinder.
Dort kannst du gezielt nach Nährstoff, Wirkungsgeschwindigkeit, Herkunft und Einsatzbereich sortieren. So baust du kein Zufallsrezept, sondern ein System, das zu deinem Grow passt.
Das ist der Unterschied zwischen „ich habe Zutaten gemischt“ und „ich führe mein Substrat“.
Fazit: Living Soil selber mischen heißt Verantwortung übernehmen
Living Soil Erde selber zu mischen ist kein Hexenwerk.
Aber es ist auch nicht einfach Erde plus Dünger.
Eine gute Mischung entsteht aus Struktur, Humus, mineralischer Stabilität, Mikrobiologie, Feuchtigkeit und Zeit. Wenn diese Ebenen zusammenspielen, entsteht ein Wurzelraum, der Cannabis nicht nur versorgt, sondern trägt.
Für Anfänger gilt:
Starte nicht zu kompliziert.
Nutze hochwertige Ausgangserde.
Setze auf guten Wurmhumus.
Baue genug Struktur ein.
Vermeide frisches Holz, Polymere und überladene Mischungen.
Sei vorsichtig mit Kompost.
Nutze Coco nur bewusst und gepuffert.
Vermeide Torf, wenn du neu aufbaust.
Lass die Erde reifen.
Gieße ruhig und gleichmäßig.
Und vor allem: Denke in Systemen, nicht in Einzelzutaten.
CannaSelection Living Soil Base ist dabei der einfache Weg, eine tragfähige organisch-mineralische Grundlage in dein Substrat zu bringen. MicroBio+ unterstützt die mikrobielle Aktivierung. Mineral Charge hildt bei ausgelaugter Erde und mineralischen Themen helfen. TopDress Bloom begleitet die Blütephase.
Aber kein Produkt ersetzt Verständnis.
Living Soil ist kein Trend. Living Soil ist die Entscheidung, Erde nicht mehr als Wegwerfmedium zu behandeln, sondern als lebendiges System.
Wer das versteht, mischt anders.
Und genau dort beginnt guter organischer Cannabis-Anbau.



