Chitosan im Cannabisanbau: Resin, Terpene, Wurzeln und natürliche Pflanzenabwehr

Chitosan im Cannabisanbau: Resin, Terpene, Wurzeln und natürliche Pflanzenabwehr - CannaSelection®

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Chitosan gehört zu den spannendsten natürlichen Wirkstoffen im modernen Pflanzenbau. Im Cannabisanbau ist der Stoff trotzdem noch vergleichsweise wenig bekannt.

Das liegt auch daran, dass Chitosan schwer in eine bekannte Kategorie passt.

Es ist kein klassischer Dünger. Es liefert der Pflanze keine großen Mengen Stickstoff, Phosphor oder Kalium. Es ist auch kein gewöhnlicher Wurzelstimulator und kein einfacher Kontaktwirkstoff gegen Schädlinge.

Chitosan wirkt vor allem als biologisches Signal.

Die Pflanze erkennt bestimmte Strukturen des Chitosans und reagiert darauf. Sie aktiviert Abwehrmechanismen. Sie verändert die Zusammensetzung ihrer Wurzelexsudate. Sie bildet bestimmte Enzyme und Schutzproteine. Auch der spezialisierte Pflanzenstoffwechsel kann beeinflusst werden.

Genau dieser Bereich ist für Cannabis besonders interessant.

CannaSelection arbeitet seit mehreren Jahren mit Chitosan. In unseren internen Versuchsreihen haben wir wiederholt eine höhere absolute Resinmenge an den behandelten Blüten beobachtet. Das Harz wirkte ausgeprägter und die aromatische Ausprägung der Pflanzen war intensiver und klarer.

Dabei geht es ausdrücklich nicht um die Behauptung, Chitosan würde den THC-Gehalt erhöhen.

Es geht um die Menge und Qualität des gebildeten Resins. Es geht um die Aktivität der Harzdrüsen und um die Frage, wie gut eine Pflanze ihr genetisches Potenzial ausschöpft.

Unsere Ergebnisse sind interne Praxiserfahrungen. Sie wurden über mehrere Jahre und verschiedene Anwendungen hinweg wiederholt beobachtet. Sie sind aber keine veröffentlichte Feldstudie. Wir trennen deshalb in diesem Beitrag klar zwischen publizierter Forschung, biologisch plausiblen Wirkungen und unseren eigenen Beobachtungen.

Was ist Chitosan?

Chitosan ist ein natürliches Polysaccharid. Es besteht aus langen Ketten miteinander verbundener Zuckermoleküle.

Der Ausgangsstoff ist Chitin.

Chitin kommt in der Natur sehr häufig vor. Es bildet unter anderem einen wichtigen Bestandteil von:

  • Krabben- und Garnelenschalen
  • Panzern anderer Krustentiere
  • Außenskeletten von Insekten
  • Zellwänden verschiedener Pilze

Chitin ist ein stabiler Strukturstoff. Durch eine chemische oder enzymatische Verarbeitung wird ein Teil seiner Acetylgruppen entfernt. Dieser Prozess wird Deacetylierung genannt.

Aus Chitin entsteht dadurch Chitosan.

Das ist kein unbedeutender Verarbeitungsschritt. Die Eigenschaften des Materials verändern sich deutlich. Chitosan besitzt freie Aminogruppen. Diese können in einer sauren Umgebung positiv geladen werden. Dadurch wird Chitosan löslicher und biologisch reaktiver.

Chitosan ist kein gemahlenes Krabbenschalenpulver

Im Growbereich wird Chitosan gelegentlich als einfaches Krabbenschalenpulver beschrieben.

Das ist fachlich nicht richtig.

Krabbenschalen können als Rohstoff für die Herstellung dienen. Sie enthalten aber neben Chitin auch Calciumverbindungen, Proteine, Farbstoffe und weitere Bestandteile.

Bei der Herstellung werden diese Bestandteile weitgehend entfernt. Das gewonnene Chitin wird danach deacetyliert. Erst dadurch entsteht Chitosan.

Vereinfacht läuft die klassische Herstellung so ab:

  1. Zerkleinerung und Reinigung des Rohstoffs
  2. Entfernung der Mineralstoffe
  3. Entfernung der Proteine
  4. Entfernung von Farbstoffen und Reststoffen
  5. Gewinnung des Chitins
  6. Deacetylierung des Chitins
  7. Reinigung und Trocknung des Chitosans

Das fertige Chitosan ist deshalb ein verarbeitetes Biopolymer. Es ist nicht mit gemahlenen Schalen oder Chitinmehl gleichzusetzen.

Aus welchen Rohstoffen kann Chitosan hergestellt werden?

Die meisten kommerziellen Chitosanprodukte werden aus Nebenströmen der Krustentierverarbeitung hergestellt.

Typische Quellen sind:

  • Krabbenschalen
  • Garnelenschalen
  • Krebsschalen
  • weitere marine Krustentiere

Diese Rohstoffe fallen in großen Mengen in der Lebensmittelverarbeitung an. Statt sie zu entsorgen können sie zur Chitin- und Chitosanherstellung genutzt werden.

Chitosan aus Pilzen

Chitosan kann auch aus Pilzbiomasse gewonnen werden.

Pilzzellwände enthalten Chitin. Einige Pilzgruppen besitzen zusätzlich bereits einen gewissen Chitosananteil. Die Herstellung aus Pilzen kann unter kontrollierten Bedingungen erfolgen und ist weniger von den saisonalen Schwankungen mariner Rohstoffe abhängig.

Fungales Chitosan ist außerdem für Anwendungen interessant, bei denen bewusst auf tierische Ausgangsstoffe verzichtet werden soll.

Trotzdem ist fungales Chitosan nicht automatisch besser als Chitosan aus Krustentieren. Entscheidend sind die tatsächlichen Produkteigenschaften. Dazu gehören Reinheit, Molekulargewicht, Deacetylierungsgrad und Löslichkeit.

Chitosan aus Insekten

Auch Insekten enthalten Chitin.

Deshalb können Nebenprodukte aus der Insektenzucht grundsätzlich ebenfalls als Rohstoff dienen. Dazu gehören beispielsweise abgestreifte Puppenhüllen oder andere chitinreiche Bestandteile.

Diese Rohstoffquelle wird zunehmend erforscht. Im kommerziellen Pflanzenbau spielt sie bisher aber eine deutlich kleinere Rolle als Krustentier- oder Pilzchitosan.

Chitin, Chitosan und Chitosan-Oligosaccharide sind nicht dasselbe

Diese Begriffe werden häufig verwechselt. Sie beschreiben aber unterschiedliche Materialien.

Chitin

Chitin ist der ursprüngliche Naturstoff. Es ist in Wasser praktisch unlöslich und relativ reaktionsträge.

Im Living Soil kann Chitin trotzdem interessant sein. Es dient bestimmten Mikroorganismen als Substrat. Dadurch können chitinabbauende Mikroorganismen gefördert werden. Dieser Prozess läuft eher langsam ab.

Chitosan

Chitosan entsteht durch die Deacetylierung von Chitin. Es besitzt deutlich mehr freie Aminogruppen und kann in einer sauren Lösung positiv geladen werden.

Dadurch ist Chitosan biologisch aktiver und besser als gezielter Elicitor einsetzbar.

Chitosan-Oligosaccharide

Chitosan-Oligosaccharide werden häufig als COS abgekürzt.

Dabei handelt es sich um sehr kurze Chitosanketten. Sie besitzen ein wesentlich geringeres Molekulargewicht und sind häufig besser wasserlöslich als langkettiges Chitosan.

COS können sich anders verhalten als hochmolekulares Chitosan. Sie sind beweglicher und können leichter mit biologischen Systemen interagieren. Dosierungen und Wirkungen lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres zwischen den Formen übertragen.

Chitosansalze

Chitosan kann auch als Salz vorliegen. Ein Beispiel ist Chitosan-Hydrochlorid.

Solche Formen können eine bessere Wasserlöslichkeit besitzen. Trotzdem handelt es sich nicht automatisch um dasselbe Material wie ein normales Chitosanpulver, das erst in einer organischen Säure gelöst wird.

Warum ist die genaue Chitosanqualität so wichtig?

Chitosan ist keine einheitliche Substanz mit immer identischer Wirkung.

Zwei Produkte können beide den Namen Chitosan tragen und sich trotzdem deutlich unterscheiden.

Besonders wichtig sind:

  • Molekulargewicht
  • Deacetylierungsgrad
  • Reinheit
  • Restfeuchte
  • Aschegehalt
  • Ausgangsmaterial
  • Partikelgröße
  • Verteilung der Kettenlängen
  • tatsächliche Löslichkeit
  • verwendete Säure und pH-Wert der Lösung

Diese Eigenschaften beeinflussen, wie schnell sich Chitosan löst, wie viskos die Lösung wird und wie es auf Pflanzen oder Mikroorganismen wirkt. Wissenschaftliche Arbeiten weisen deshalb regelmäßig darauf hin, dass Molekulargewicht und Deacetylierungsgrad bei der Bewertung eines Chitosanprodukts zwingend berücksichtigt werden müssen.

Was bedeutet der Deacetylierungsgrad?

Der Deacetylierungsgrad wird häufig als DD oder DDA angegeben.

Er beschreibt vereinfacht, welcher Anteil der ursprünglichen Acetylgruppen des Chitins bei der Herstellung entfernt wurde.

Ein höherer Deacetylierungsgrad bedeutet in der Regel:

  • mehr freie Aminogruppen
  • eine höhere mögliche Ladungsdichte
  • eine veränderte Löslichkeit
  • stärkere Wechselwirkungen mit Oberflächen
  • eine andere biologische Aktivität

Ein hoher Deacetylierungsgrad allein macht ein Produkt aber noch nicht automatisch besser. Das Molekulargewicht und die Herstellung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Was bedeutet das Molekulargewicht?

Das Molekulargewicht sagt etwas über die Länge der Chitosanketten aus.

Vereinfacht unterscheidet man:

  • hochmolekulares Chitosan
  • mittelmolekulares Chitosan
  • niedermolekulares Chitosan
  • Chitosan-Oligosaccharide

Die Grenzen zwischen diesen Gruppen sind in der Literatur nicht einheitlich festgelegt.

Niedermolekulare Formen lösen sich meist leichter und können beweglicher sein. Hochmolekulare Formen bilden längere Polymerketten und häufig viskosere Lösungen. Sie können sich auch stärker auf behandelten Oberflächen anlagern.

Welche Form am besten geeignet ist hängt von der Anwendung ab.

Eine Studie mit Nutzhanf verglich sogar drei verschiedene Molekulargewichte. In diesem Versuch führte die niedrigere Konzentration von 50 mg/L mit dem niedermolekularen Chitosan bei vielen untersuchten Pflanzenstoffen zu den deutlichsten Veränderungen. Daraus lässt sich aber keine allgemeine Regel für jede Cannabissorte und jede Chitosanform ableiten.

Das Chitosan von CannaSelection

CannaSelection bietet Chitosan bewusst in Pulverform an.

Nach den Spezifikationen unseres Rohstofflieferanten besitzt das Produkt folgende Eigenschaften:

  • Rohstoff aus Krabbenschalen
  • Reinheit von mindestens 90 Prozent
  • Deacetylierungsgrad von mindestens 85 Prozent
  • Molekulargewicht von ungefähr 300 bis 800 kDa
  • Aschegehalt von höchstens 2 Prozent
  • Restfeuchte von höchstens 10 Prozent

Es handelt sich damit um ein mittel- bis hochmolekulares Chitosan. Es ist kein direkt wasserlösliches Chitosan-Oligosaccharid.

Die Pulverform bietet mehrere Vorteile. Es wird kein unnötiges Wasser transportiert. Die Konzentration kann an die jeweilige Anwendung angepasst werden. Außerdem lässt sich eine frische Lösung genau dann ansetzen, wenn sie benötigt wird.

Diese Flexibilität verlangt aber auch eine korrekte Verarbeitung. Chitosanpulver sollte nicht einfach in eine fertige Nährlösung eingerührt werden.

Warum löst sich Chitosan nicht in normalem Wasser?

Normales mittel- oder hochmolekulares Chitosan ist bei neutralem pH nur schlecht wasserlöslich.

Das liegt an seinen Aminogruppen.

In einer sauren Umgebung werden diese Aminogruppen protoniert. Sie erhalten dadurch eine positive Ladung. Die Polymerketten stoßen sich stärker voneinander ab und können sich besser im Wasser verteilen.

Der relevante pKa-Wert liegt ungefähr bei 6,5. Je weiter der pH-Wert unter diesen Bereich fällt desto mehr Aminogruppen werden protoniert. Höhermolekulares Chitosan benötigt deshalb in der Regel eine saure wässrige Lösung.

Zur Herstellung können beispielsweise verdünnte Lösungen folgender organischer Säuren verwendet werden:

  • Essigsäure
  • Zitronensäure
  • Milchsäure

Die benötigte Säuremenge hängt vom Wasser und von der Chitosankonzentration ab. Hartes Wasser mit viel Hydrogencarbonat bindet deutlich mehr Säure als demineralisiertes Wasser.

Eine pauschale Angabe wie "ein Milliliter Essig pro Liter" ist deshalb nicht zuverlässig.

Was ist ein Elicitor?

Chitosan ist vor allem als Elicitor interessant.

Ein Elicitor ist ein Stoff, der von einer Pflanze als biologisches Signal erkannt wird. Daraufhin verändert die Pflanze bestimmte Abläufe in ihrem Stoffwechsel.

Vereinfacht kann man es sich wie eine Alarmübung vorstellen.

Die Pflanze wird nicht zwingend von einem Krankheitserreger angegriffen. Sie erhält aber ein Signal, das zu einem möglichen biologischen Angriff passen könnte. Daraufhin erhöht sie ihre Abwehrbereitschaft.

Sie kann unter anderem:

  • Abwehrenzyme aktivieren
  • Schutzproteine bilden
  • ihre Zellwände verstärken
  • Wurzelexsudate verändern
  • Signalstoffe ausschütten
  • ihren antioxidativen Schutz erhöhen
  • Teile des spezialisierten Stoffwechsels aktivieren

Dieser Vorgang wird Elicitation genannt.

Wird die Pflanze durch eine vorherige Behandlung auf eine spätere Belastung vorbereitet spricht man auch von Priming.

Chitosan täuscht der Pflanze nicht einfach einen Schädlingsbefall vor

Die häufige Erklärung "Chitosan lässt die Pflanze glauben, sie werde von Insekten gefressen" ist verständlich. Sie ist aber etwas zu grob.

Chitinartige Strukturen kommen sowohl in Pilzen als auch in Arthropoden vor. Pflanzen haben im Laufe ihrer Entwicklung Mechanismen aufgebaut, mit denen sie bestimmte dieser Strukturen wahrnehmen können.

Chitosan kann deshalb mehrere Signalwege beeinflussen. Wie genau eine Pflanze reagiert hängt von der Pflanzenart, Genetik, Chitosanform, Konzentration und Art der Anwendung ab.

Es wird also nicht einfach ein einzelner Schalter umgelegt.

Die Pflanze passt mehrere Prozesse gleichzeitig an.

Was wurde direkt an Cannabis nachgewiesen?

Für lange Zeit wurde die Wirkung von Chitosan im Cannabisanbau fast ausschließlich aus der Forschung an anderen Pflanzenarten abgeleitet.

Inzwischen gibt es mehrere Arbeiten direkt an Cannabis sativa.

Das ist wichtig. Cannabis reagiert nicht zwangsläufig genauso wie Tomate, Mais, Salbei oder Arabidopsis.

Aktivierung der Abwehr im Wurzelraum

In einer 2023 veröffentlichten Untersuchung wurden Cannabiswurzeln mit Chitin oder Chitosan behandelt.

Chitosan erhöhte die gesamte Chitinaseaktivität in den Wurzeln. Mehrere Gene aus der pflanzlichen Abwehr wurden um das Drei- bis Fünffache stärker exprimiert.

Auch die Wurzelexsudate veränderten sich.

Dort wurden höhere Chitinase- und Peroxidaseaktivitäten gemessen. Zusätzlich schied die Pflanze mehr Abwehrproteine aus. Dazu gehörten PR-Protein 1 und Endochitinase 2.

Chitin löste in diesem Versuchsaufbau keine vergleichbare Reaktion aus.

Das zeigt direkt, dass Cannabis Chitosan als biologisch aktives Signal wahrnimmt.

Veränderung des phytochemischen Profils der Blüten

Eine weitere Studie untersuchte die Blattbehandlung einer Nutzhanfsorte während der Blüte.

Zum Einsatz kamen:

  • 50 mg/L Chitosan
  • 250 mg/L Chitosan
  • drei unterschiedliche Molekulargewichte

Die Behandlung veränderte das phytochemische Profil der Blüten messbar.

Der Gesamtgehalt phenolischer Verbindungen stieg je nach Behandlung um 36 bis 69 Prozent. Verschiedene Tocopherole nahmen ebenfalls deutlich zu. Bei der niedrigeren Konzentration von 50 mg/L stieg der Gesamtgehalt der untersuchten Flavonoide um 12 bis 27 Prozent.

Die Reaktion hing von Konzentration und Molekulargewicht ab. Die niedrigere Dosierung war bei verschiedenen Messwerten wirksamer als die höhere.

Die Studie zeigt damit direkt, dass Chitosan den spezialisierten Stoffwechsel von Cannabisblüten beeinflussen kann. Sie belegt aber keine allgemeine Erhöhung von THC oder jedem anderen einzelnen Cannabinoid.

Chitosan und die Resinproduktion von Cannabis

Für CannaSelection liegt hier einer der spannendsten Einsatzbereiche.

Cannabis bildet sein Resin vor allem in glandulären Trichomen. Diese Harzdrüsen befinden sich besonders dicht auf den weiblichen Blüten und den blütennahen Blättern.

Im Drüsenkopf wird ein komplexes Sekret gebildet und gespeichert.

Darin befinden sich unter anderem:

  • Cannabinoide
  • Monoterpene
  • Sesquiterpene
  • Flavonoide
  • Wachse
  • Lipide
  • weitere spezialisierte Pflanzenstoffe

Im Grower-Sprachgebrauch wird dabei häufig von Harz, Resin oder Öl gesprochen.

Chemisch handelt es sich nicht um ein einzelnes Öl. Es ist ein komplexes Gemisch verschiedener überwiegend fettlöslicher und flüchtiger Verbindungen.

Was CannaSelection in den eigenen Versuchen beobachtet

CannaSelection hat Chitosan über mehrere Jahre in verschiedenen Cannabiskulturen eingesetzt.

Dabei beobachten wir wiederkehrend:

  • eine höhere sichtbare Resinmenge
  • einen stärkeren Harzbesatz der Blüten
  • mehr öliges Sekret in den Drüsen
  • eine intensivere aromatische Ausprägung
  • klarer erkennbare sortentypische Terpenprofile
  • eine insgesamt höhere sensorische Qualität des Endprodukts

Diese Beobachtungen wurden in unseren Versuchsbedingungen wiederholt gemacht. Sie sind für unsere praktische Arbeit deshalb relevant.

Trotzdem bezeichnen wir sie nicht als veröffentlichte wissenschaftliche Feldstudie. Faktoren wie Genetik, Beleuchtung, Klima, Reifegrad, Ernährung und Erntezeitpunkt beeinflussen die Harzbildung ebenfalls.

Unsere Aussage lautet deshalb nicht:

Chitosan garantiert bei jeder Pflanze eine feste prozentuale Steigerung der Harzmenge.

Unsere Aussage lautet:

CannaSelection beobachtet in mehrjährigen internen Anwendungen wiederholt eine höhere absolute Resinproduktion und eine bessere Terpenausprägung bei sinnvoll behandelten Pflanzen.

Warum kann Chitosan die Harzbildung beeinflussen?

Resin ist für die Cannabispflanze kein nutzloses Nebenprodukt.

Die darin enthaltenen Stoffe erfüllen verschiedene Schutzfunktionen. Sie können die Pflanze unter anderem bei der Abwehr von Fraßfeinden, Mikroorganismen und Umwelteinflüssen unterstützen.

Chitosan aktiviert genau jene Bereiche der Pflanze, die mit Abwehr und spezialisiertem Stoffwechsel verbunden sind.

Ein möglicher Ablauf ist:

  1. Die Pflanze nimmt Chitosan als biologisches Signal wahr.
  2. Abwehr- und Stresssignalwege werden aktiviert.
  3. Die Genaktivität und Enzymaktivität verändert sich.
  4. Die Pflanze investiert mehr in Schutzstoffe und spezialisierte Metabolite.
  5. Dadurch kann sich auch die Aktivität der harzbildenden Gewebe verändern.

Die vorhandene Cannabisforschung bestätigt die ersten vier Punkte in verschiedenen Bereichen. Sie zeigt aktivierte Abwehrgene, mehr Abwehrenzyme und eine veränderte Zusammensetzung der Blüteninhaltsstoffe.

In der von uns ausgewerteten Literatur wurde bisher allerdings nicht eindeutig untersucht, ob die höhere sichtbare Resinmenge durch mehr Drüsenhaare, größere Drüsenköpfe oder mehr Sekret pro Drüse entsteht.

Mehr sichtbares Harz kann grundsätzlich verschiedene Ursachen haben:

  • eine höhere Dichte glandulärer Trichome
  • größere Trichomköpfe
  • stärker gefüllte Sekretkammern
  • eine höhere Produktion einzelner Drüsen
  • eine veränderte Zusammensetzung des Sekrets
  • eine Kombination mehrerer Faktoren

Genau dieser Bereich sollte in zukünftigen Cannabisstudien gezielt mikroskopisch und gravimetrisch untersucht werden.

Mehr Resin ist nicht automatisch mehr THC

Dieser Unterschied ist zentral.

Der prozentuale THC-Gehalt einer Blütenprobe und die absolute Menge des gebildeten Harzes sind nicht dasselbe.

Eine Pflanze kann mehr Resin bilden, ohne dass die THC-Konzentration innerhalb dieses Resins steigt.

Vereinfacht:

  • mehr Harz bedeutet mehr gebildetes Sekret
  • mehr THC-Prozent bedeutet eine höhere THC-Konzentration in der untersuchten Probe
  • beides kann sich unabhängig voneinander verändern

CannaSelection trifft deshalb keine pauschale Aussage zur Erhöhung von THC.

Unsere Beobachtungen beziehen sich auf:

  • die absolute Resinbildung
  • die sichtbare und fühlbare Harzmenge
  • die aromatische Intensität
  • die sensorische Qualität
  • die Ausprägung des genetisch vorhandenen Terpenprofils

Die Genetik bleibt die Grundlage.

Chitosan kann aus einer Sorte keine Terpene hervorbringen, für deren Bildung ihr die genetischen Voraussetzungen fehlen.

Es kann aber beeinflussen, wie stark vorhandene Stoffwechselwege unter den jeweiligen Anbaubedingungen genutzt werden.

Chitosan und Terpene

Terpene prägen einen großen Teil des Aromas einer Cannabissorte.

Sie entstehen über verschiedene Stoffwechselwege und reagieren empfindlich auf:

  • Genetik
  • Lichtintensität
  • Temperatur
  • Wasserverfügbarkeit
  • Nährstoffversorgung
  • Entwicklungsstadium
  • Erntezeitpunkt
  • Trocknung
  • Lagerung
  • biologische Signalstoffe

Chitosan sollte deshalb nicht als einfacher "Terpenbooster" verstanden werden.

Die passendere Beschreibung ist:

Chitosan ist ein Elicitor, der den spezialisierten Pflanzenstoffwechsel beeinflussen kann.

Bei verschiedenen aromatischen Pflanzen wurden nach Chitosanbehandlungen Veränderungen in Menge und Zusammensetzung ätherischer Öle beobachtet. Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Pflanzenart, Dosis und Umweltbedingungen. In einer Untersuchung an Salvia-Arten unter Trockenstress beeinflussten Chitosan-Nanopartikel sowohl physiologische Parameter als auch die Produktion des ätherischen Öls. Diese Ergebnisse lassen sich nicht eins zu eins auf Cannabis oder auf normales Chitosanpulver übertragen. Sie zeigen aber, dass chitosanbasierte Elicitation auch terpene Stoffwechselwege beeinflussen kann.

Unsere eigene Beobachtung bei Cannabis ist weniger eine vollkommen neue Aromatik. Vielmehr wirkt das vorhandene Terpenprofil häufig:

  • intensiver
  • klarer
  • tiefer
  • sortentypischer
  • sensorisch vollständiger

Auch diese Aussage beruht auf internen CannaSelection Anwendungen und sensorischen Vergleichen. Eine allgemeingültige Garantie lässt sich daraus nicht ableiten.

Ein kontrollierter Reiz ist nicht dasselbe wie schädlicher Stress

Im Growbereich heißt es häufig:

"Stress erzeugt mehr Harz."

Diese Aussage ist zu einfach.

Starker Stress kann Photosynthese, Wasseraufnahme, Wurzelwachstum und Blütenentwicklung beeinträchtigen. Eine dauerhaft überforderte Pflanze bildet nicht automatisch ein besseres Endprodukt.

Chitosan wird deshalb nicht eingesetzt, um die Pflanze maximal zu belasten.

Das Ziel ist ein kontrollierter Reiz.

Die Pflanze soll reagieren können, ohne dass ihre grundlegenden Wachstumsprozesse erheblich eingeschränkt werden.

Genau deshalb ist die Dosierung so wichtig.

Bei Elicitoren gilt nicht:

Mehr Wirkstoff erzeugt automatisch mehr Wirkung.

Oft liegt die beste Reaktion in einem relativ niedrigen Konzentrationsbereich. Eine zu hohe Konzentration kann die Pflanze unnötig belasten.

Chitosan und das Wurzelsystem

Chitosan wird häufig als Wurzelstimulator beworben.

Das kann zutreffen. Es ist aber keine pauschale Wirkung.

Bei verschiedenen Kulturpflanzen wurden nach niedrigen oder passend formulierten Anwendungen positive Effekte auf Wurzelentwicklung, Nährstoffaufnahme und Pflanzenvitalität beobachtet.

Direkte Cannabisstudien zeigen gleichzeitig, dass hohe Konzentrationen im Wurzelraum das Wurzelwachstum deutlich hemmen können.

In einer Cannabisuntersuchung wurden 0,1 Prozent, 0,2 Prozent und 0,5 Prozent kolloidales Chitosan eingesetzt. Das entspricht 1, 2 und 5 g/L.

Die Abwehrreaktion wurde deutlich aktiviert. Das Wurzelwachstum wurde unter diesen Versuchsbedingungen aber stark gehemmt. Die oberirdische Entwicklung war wesentlich weniger betroffen.

Das ist kein Widerspruch.

Die Pflanze musste Ressourcen von Wachstum auf Abwehr umverteilen.

Die wichtigste praktische Erkenntnis lautet deshalb:

Chitosan kann den Wurzelraum biologisch aktivieren. Zu hohe Mengen können die Wurzeln aber ausbremsen.

Was sind Wurzelexsudate?

Wurzeln nehmen nicht nur Wasser und Nährstoffe auf.

Sie geben auch permanent Stoffe an ihre Umgebung ab.

Diese Stoffe werden Wurzelexsudate genannt. Dazu gehören unter anderem:

  • Zucker
  • Aminosäuren
  • organische Säuren
  • Enzyme
  • Proteine
  • Signalstoffe
  • phenolische Verbindungen

Mit diesen Ausscheidungen beeinflusst die Pflanze ihre direkte Umgebung.

Sie kann Mikroorganismen anziehen, Nährstoffe mobilisieren und ihre Abwehr gegenüber Krankheitserregern verändern.

Bei Cannabis erhöhte Chitosan die Abgabe verschiedener Abwehrenzyme und Schutzproteine über die Wurzeln. Auch bei Tomaten wurden nach Chitosanbehandlung Veränderungen von Hormonen, Lipidsignalen, phenolischen Verbindungen und Abwehrstoffen in den Wurzelexsudaten festgestellt.

Das ist für Living Soil besonders interessant.

Die Pflanze verteidigt nicht nur ihr eigenes Gewebe. Sie verändert aktiv die Bedingungen rund um ihre Wurzeln.

Direkte und indirekte Wirkung gegen Pilze

Chitosan kann auf zwei Wegen gegen pflanzenpathogene Pilze wirken.

Direkte Wirkung

In saurer Lösung trägt Chitosan positive Ladungen.

Diese können mit negativ geladenen Strukturen an Zelloberflächen von Mikroorganismen wechselwirken. Je nach Chitosanform, pH-Wert, Konzentration und Pilzart können dadurch Membranfunktionen, Sporenkeimung oder Hyphenwachstum beeinträchtigt werden.

Die Wirkung ist nicht bei jedem Pilz identisch. In einer Vergleichsstudie reagierten pflanzenpathogene und mykoparasitische Pilze teilweise empfindlicher als nematoden- oder insektenpathogene Nutzpilze.

Indirekte Wirkung

Chitosan kann die Pflanze selbst in erhöhte Abwehrbereitschaft versetzen.

Die Pflanze produziert dann unter anderem:

  • Chitinasen
  • Peroxidasen
  • PR-Proteine
  • weitere Abwehrstoffe

Chitinasen können chitinreiche Strukturen abbauen. Da viele Pilzzellwände Chitin enthalten sind diese Enzyme ein wichtiger Bestandteil der pflanzlichen Abwehr.

Die indirekte Wirkung ist für Cannabis direkt belegt.

Hilft Chitosan gegen Wurzelkrankheiten?

Chitosan besitzt ein interessantes Potenzial gegen bodenbürtige Krankheitserreger.

Es ist aber kein sicherer Heilwirkstoff gegen jede Wurzelkrankheit.

In einer Cannabisstudie wurden die Wurzeln vor einer Infektion mit Athelia rolfsii mit 0,2 Prozent kolloidalem Chitosan behandelt. Der Pilz verursacht die sogenannte Southern Blight Krankheit.

Die Chitosanbehandlung aktivierte die Abwehr der Wurzeln. Unter anderem stieg die Peroxidaseaktivität. Es wurden außerdem mehr abwehrbezogene Proteine gefunden.

Die Infektion wurde unter den Versuchsbedingungen aber nicht vollständig verhindert. Sowohl behandelte als auch unbehandelte Pflanzen entwickelten Krankheitssymptome. Gleichzeitig war das Wurzelwachstum durch die hohe Chitosankonzentration deutlich eingeschränkt.

Die richtige Einordnung lautet deshalb:

Chitosan kann Cannabis auf einen Angriff vorbereiten und die Abwehr des Wurzelraums aktivieren. Es ersetzt keine Ursachenanalyse und keine gezielte Behandlung einer bereits weit fortgeschrittenen Wurzelkrankheit.

Chitosan gegen Fusarium, Alternaria und andere Bodenpilze

Eine Feldstudie aus dem Jahr 2025 untersuchte die Wirkung von Chitosan auf natürliche Bodenmikrobiome.

Dabei veränderte Chitosan vor allem die Zusammensetzung der Pilzgemeinschaft.

Die untersuchte Chitosanlösung reduzierte das Vorkommen von Fusarium falciforme um etwa 50 Prozent. Eine Chitosan-Coazervat-Formulierung reduzierte Alternaria atra um etwa 20 Prozent.

In derselben Untersuchung zeigte sich keine vergleichbar starke Veränderung der gesamten bakteriellen Gemeinschaft.

Diese Ergebnisse stammen nicht aus Cannabiskulturen. Sie zeigen aber, dass Chitosan einen Boden nicht einfach vollständig sterilisiert.

Die Wirkung kann selektiv sein.

Kann Chitosan Botrytis oder Mehltau verhindern?

Chitosan besitzt antifungale und pflanzenstärkende Eigenschaften.

Daraus darf aber nicht abgeleitet werden, dass eine Chitosanbehandlung Bud Rot oder Mehltau sicher verhindert.

Bei diesen Krankheiten bleiben die wichtigsten Maßnahmen:

  • stabile Klimaführung
  • ausreichende Luftbewegung
  • angemessene Luftfeuchtigkeit
  • saubere Pflanzenbestände
  • Entfernung befallener Pflanzenteile
  • passende Pflanzabstände
  • keine dauerhaft nassen Blüten
  • frühzeitige Erkennung

Chitosan kann Teil eines vorbeugenden Systems sein. Es ersetzt dieses System aber nicht.

Gerade in der fortgeschrittenen Blüte kann eine Blattbehandlung selbst problematisch werden. Jede Sprühlösung bringt zusätzliche Feuchtigkeit auf die Blüten und hinterlässt Stoffe auf der Oberfläche.

CannaSelection empfiehlt deshalb keine unnötige Blattbehandlung auf dichten und weit entwickelten Blüten.

Hat Chitosan eine insektizide Wirkung?

Für Chitosan wurden bei verschiedenen Insekten direkte und indirekte Wirkungen beschrieben.

Mögliche Effekte sind:

  • verringerte Fraßaktivität
  • Wachstumshemmung
  • gestörte Entwicklung
  • erhöhte Sterblichkeit
  • veränderte Pflanzenabwehr
  • Nutzung als Trägerstoff für andere Wirkstoffe

Die Wirkung hängt stark von der Insektenart und der Chitosanform ab.

In einer Studie wurden vier verschiedene Molekulargewichte gegen Oleanderblattläuse und Baumwollblattwürmer getestet.

Bei zwei Chitosanvarianten wurde bei Blattläusen nach 24 Stunden eine Sterblichkeit von 48 beziehungsweise 49 Prozent beobachtet. Dafür wurde eine Konzentration von 1.000 mg/L eingesetzt.

Bei den Raupen wurden zusätzlich Fraßhemmung und Wachstumsverzögerung untersucht. Auch dort war die Wirkung vom Molekulargewicht abhängig.

Diese Ergebnisse zeigen ein insektizides Potenzial.

Sie bedeuten aber nicht, dass jedes Chitosan in jeder Dosierung zuverlässig gegen jeden Cannabisschädling wirkt.

Direkte und pflanzenvermittelte Wirkung auf Schädlinge

Auch bei Insekten müssen zwei Ebenen unterschieden werden.

Direkte Wirkung

Der Schädling kommt selbst mit Chitosan in Kontakt oder nimmt es über die Nahrung auf.

Abhängig von Art und Formulierung können Fraß, Entwicklung oder Überleben beeinflusst werden.

Indirekte Wirkung über die Pflanze

Chitosan aktiviert die pflanzeneigene Abwehr.

Dadurch kann sich die Zusammensetzung des Pflanzengewebes verändern. Die Pflanze kann für einen Fraßschädling weniger attraktiv oder schwieriger verwertbar werden.

Die zweite Wirkung ist weniger mit einem klassischen Kontaktinsektizid vergleichbar.

Chitosan erschlägt den Schädling nicht unmittelbar. Es verändert die Reaktionsbereitschaft der Pflanze.

Chitosan gegen Trauermücken

Trauermücken sind für den Cannabisanbau besonders relevant.

Ihre Larven leben im feuchten Substrat. Sie ernähren sich vor allem von Pilzmaterial, organischen Bestandteilen und bei stärkerem Befall auch von jungen Wurzeln und Wurzelhaaren.

Chitosan ist für diesen Bereich aus mehreren Gründen interessant:

  • Es kann die Pilzgemeinschaft im Substrat verändern.
  • Es kann die Abwehr der Wurzeln aktivieren.
  • Es verändert Wurzelexsudate.
  • Es kann bestimmte Mikroorganismen fördern und andere hemmen.
  • Für andere Insektenarten sind fraßhemmende und entwicklungshemmende Wirkungen bekannt.

Trotzdem gibt es bisher keine belastbare direkte Cannabisstudie, die eine zuverlässige Bekämpfung von Trauermückenlarven durch normales Chitosanpulver belegt.

Deshalb sollte nicht behauptet werden:

Chitosan tötet Trauermücken sicher ab.

Die korrekte Aussage ist:

Chitosan ist ein interessanter Bestandteil eines biologischen Wurzelraum- und Präventionssystems. Für einen akuten Trauermückenbefall sollten weiterhin gezielte Maßnahmen wie BTI, SF-Nematoden, angepasste Bewässerung und Gelbtafeln eingesetzt werden.

Chitosan gegen Thripse, Blattläuse und Spinnmilben

Blattläuse

Für einzelne Blattlausarten gibt es direkte Untersuchungen. Die Ergebnisse zeigen eine mögliche Wirkung. Sie sind aber dosis- und artspezifisch.

Thripse

Für normales Chitosan als alleinige Maßnahme gegen Thripse ist die Datenlage wesentlich schwächer.

Eine aktivierte Pflanzenabwehr kann grundsätzlich helfen. Bei einem bestehenden Befall ersetzt Chitosan aber keine Nützlinge oder geeignete Kontaktmaßnahmen.

Spinnmilben

Spinnmilben sind keine Insekten, sondern Spinnentiere.

Chitosan sollte nicht als sicherer Kontaktwirkstoff gegen Spinnmilben verstanden werden. Für eine zuverlässige Bekämpfung bleiben Raubmilben und passende direkte Maßnahmen wesentlich besser untersucht.

Wurzelläuse

Auch für Wurzelläuse fehlen belastbare direkte Cannabisdaten.

Eine verbesserte Wurzelabwehr kann unterstützend sein. Bei einem etablierten Befall reicht eine Elicitorbehandlung allein aber sehr wahrscheinlich nicht aus.

Chitosan und Nematoden

Chitosan wird auch im Zusammenhang mit pflanzenparasitären Nematoden untersucht.

Die Wirkung kann mehrere Ursachen haben:

  • direkte Beeinflussung der Nematoden
  • Aktivierung der Pflanzenabwehr
  • Veränderung der Rhizosphäre
  • Förderung nematodenfressender oder nematodenparasitierender Mikroorganismen

In der bereits genannten Feldstudie nahm ein natürlich vorkommender Pilz der Gattung Purpureocillium nach einer bestimmten Chitosanformulierung ungefähr um das Fünfzigfache zu.

Purpureocillium umfasst Arten, die als Gegenspieler von Nematoden und anderen wirbellosen Organismen bekannt sind. Das bedeutet nicht, dass jede Chitosananwendung automatisch Nematoden beseitigt. Es zeigt aber, wie stark die indirekte Wirkung über das Bodenmikrobiom sein kann.

Chitosan im Living Soil

Auf den ersten Blick wirkt Chitosan widersprüchlich zu Living Soil.

Warum sollte man einen antimikrobiell wirkenden Stoff in einen lebendigen Boden geben?

Die Antwort lautet:

Antimikrobiell bedeutet nicht automatisch sterilisierend.

Chitosan wirkt nicht auf jeden Mikroorganismus gleich. Die Reaktion hängt ab von:

  • Mikroorganismenart
  • Chitosanform
  • Molekulargewicht
  • Konzentration
  • pH-Wert
  • Kontaktzeit
  • Substratzusammensetzung
  • organischer Substanz
  • vorhandenen Chitosanasen und Chitinasen

Einige Mikroorganismen können Chitosan oder Chitin abbauen und als Nährstoffquelle nutzen. Andere reagieren empfindlich.

Versuche mit verschiedenen Pilzen zeigten deutliche Unterschiede. Pflanzenpathogene und mykoparasitische Pilze reagierten teilweise empfindlicher als bestimmte insekten- oder nematodenpathogene Nutzpilze.

Auch die Feldstudie zeigt kein Bild einer vollständigen Sterilisation. Dort wurde vor allem die Pilzgemeinschaft verändert. Bestimmte pathogene Arten nahmen ab. Ein potenziell nützlicher Gegenspieler nahm deutlich zu. Die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft veränderte sich im selben Versuchsaufbau wesentlich weniger.

Ist Chitosan schädlich für Mykorrhiza?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten.

Hohe Chitosankonzentrationen können grundsätzlich auch nützliche Pilze beeinträchtigen.

Gleichzeitig zeigen Untersuchungen mit bestimmten Chitosan-Oligosacchariden, dass kurze Chitinsignale die Ausbildung arbuskulärer Mykorrhiza in bestimmten Pflanzen sogar fördern können. Das wurde beispielsweise bei Medicago truncatula beobachtet.

Daraus darf nicht geschlossen werden, dass hochmolekulares Chitosan automatisch jede Mykorrhiza fördert.

Chitosan-Oligosaccharide und das CannaSelection Chitosanpulver sind nicht dieselbe Form.

Für die Praxis bedeutet das:

  • niedrige und gezielte Dosierungen verwenden
  • Mykorrhiza nicht direkt in eine konzentrierte Chitosanlösung einrühren
  • konzentrierte Produkte zeitlich getrennt einsetzen
  • neue Kombinationen zunächst an wenigen Pflanzen testen
  • keine unnötig häufigen Wurzelbehandlungen durchführen

Chitosan und MicroBio+

MicroBio+ enthält lebende Mikroorganismen.

Chitosan kann abhängig von Konzentration und pH-Wert antimikrobiell wirken. Eine konzentrierte und saure Chitosan-Stammlösung sollte deshalb nicht direkt mit MicroBio+ vermischt und gelagert werden.

Die sinnvollere Anwendung ist zeitlich getrennt.

Aus der CannaSelection Praxis empfehlen wir:

  • Chitosan nicht gemeinsam mit MicroBio+ in einer konzentrierten Stammlösung ansetzen
  • beide Produkte getrennt verdünnen
  • zwischen den Anwendungen möglichst 24 bis 48 Stunden Abstand lassen
  • MicroBio+ erst einsetzen, wenn der Wurzelraum nicht mehr mit einer konzentrierten sauren Chitosanlösung in Kontakt kommt
  • bei neuen Kombinationen mit einer kleinen Testgruppe beginnen

Das bedeutet nicht, dass sich beide Ansätze grundsätzlich widersprechen.

Chitosan setzt einen gezielten Reiz und beeinflusst die Rhizosphäre. MicroBio+ unterstützt anschließend den Aufbau und die Stabilisierung des mikrobiellen Systems.

Entscheidend ist die Reihenfolge und die korrekte Verdünnung.

Chitosan und abiotischer Stress

Nicht jede Belastung einer Pflanze kommt durch Schädlinge oder Krankheitserreger.

Auch folgende Faktoren lösen Stress aus:

  • Trockenheit
  • Salzbelastung
  • hohe Temperaturen
  • starke Lichtwechsel
  • Umtopfen
  • Wurzelschäden
  • starke Entlaubung
  • Schwankungen in der Wasserversorgung

Chitosan kann verschiedene Signal- und antioxidative Systeme aktivieren. In den Cannabiswurzelstudien wurden unter anderem Veränderungen des Abscisinsäurehaushalts beobachtet. Abscisinsäure spielt eine wichtige Rolle bei Wasserhaushalt und Stressreaktionen.

Bei anderen Pflanzenarten wurde untersucht, ob Chitosan die Folgen von Trockenheit oder Salzstress abmildern kann. Teilweise verbesserten sich Wasserhaushalt, antioxidativer Schutz und Pflanzenentwicklung.

Diese Ergebnisse sind interessant. Sie dürfen aber nicht als pauschale Garantie für Cannabis verstanden werden.

Chitosan kann einer Pflanze helfen, ihre eigenen Schutzmechanismen schneller zu aktivieren. Es ersetzt weder korrektes Gießen noch ein passendes Klima.

Blattbehandlung oder Wurzelbehandlung?

Beide Anwendungswege können sinnvoll sein. Sie verfolgen aber nicht genau dasselbe Ziel.

Blattbehandlung

Bei einer Blattbehandlung kommt Chitosan direkt mit der Pflanzenoberfläche in Kontakt.

Mögliche Vorteile:

  • direkte Elicitation des Blattgewebes
  • gleichmäßige Verteilung bei feiner Sprühung
  • mögliche Filmbildung auf der Oberfläche
  • gute Kontrolle über die aufgetragene Konzentration
  • schnelle Reaktion der behandelten Gewebe

Die Nutzhanfstudie mit 50 und 250 mg/L arbeitete mit Blattbehandlungen während der Blütenentwicklung.

Für den Cannabisanbau sollte eine Blattbehandlung trotzdem überwiegend in der Vegetationsphase oder sehr frühen Blüte erfolgen.

Fortgeschrittene Blüten sollten nicht unnötig besprüht werden.

Wurzelbehandlung

Bei einer Wurzelbehandlung gelangt Chitosan in die Rhizosphäre.

Mögliche Effekte:

  • Aktivierung der Wurzelabwehr
  • Veränderung der Wurzelexsudate
  • Beeinflussung der Pilzgemeinschaft
  • Unterstützung eines widerstandsfähigen Wurzelumfelds

Der größte Fehler ist hier eine zu hohe Dosierung.

Die Cannabisstudien zeigen deutlich, dass Gramm-Mengen pro Liter im hydroponischen Wurzelraum das Wurzelwachstum stark einschränken können.

Saatgut und Stecklinge

Chitosan wird bei verschiedenen Pflanzen auch als Saatgutbehandlung oder während der frühen Bewurzelung untersucht.

Für Cannabisstecklinge gilt besondere Vorsicht.

Junge, noch unbewurzelte Stecklinge besitzen wenig Reserve. Ein zu starker Elicitorreiz kann in dieser Phase eher bremsen als helfen.

Eine Behandlung sollte deshalb nur sehr niedrig dosiert und zunächst an wenigen Stecklingen getestet werden.

Wann ist Chitosan bei Cannabis besonders interessant?

Aus unserer Sicht sind vor allem folgende Zeitpunkte sinnvoll:

Vegetationsphase

Hier kann Chitosan eingesetzt werden, um die Pflanze früh auf biologische Belastungen vorzubereiten.

Die Blätter sind gut erreichbar und eine Blattbehandlung verursacht noch keine Rückstände auf reifen Blüten.

Nach dem Umtopfen

Eine vorsichtige Anwendung kann interessant sein, wenn die Pflanze nach dem Umtopfen wieder aktiv wächst.

Direkt nach einer starken Wurzelverletzung sollte kein unnötig hoher Reiz gesetzt werden.

Vor bekannten Stressphasen

Dazu können größere Klimawechsel oder der Übergang in eine intensivere Lichtphase gehören.

Die Pflanze sollte dabei gesund und ausreichend versorgt sein.

Frühe Blüte

In dieser Phase beginnt die starke Ausbildung der Blüten- und Harzstrukturen.

Eine kontrollierte Elicitation kann hier besonders interessant sein. Blattbehandlungen sollten beendet werden, bevor die Blüten dicht werden und Feuchtigkeit schlechter abtrocknen kann.

Während der mittleren Blüte

Hier bevorzugen wir Anwendungen, die keine fertigen Blüten unnötig benetzen.

Ob eine Wurzelanwendung sinnvoll ist hängt von System, Konzentration und Pflanzenzustand ab.

Späte Blüte

In der späten Blüte sollte nicht versucht werden, durch eine starke Schlussbehandlung kurzfristig noch mehr Harz zu erzwingen.

Die Pflanze hat zu diesem Zeitpunkt einen großen Teil ihres Entwicklungsprogramms bereits durchlaufen.

Zu späte Sprühungen erhöhen außerdem das Risiko für Rückstände und Feuchtigkeit in den Blüten.

Wie wird Chitosanpulver richtig gelöst?

Das CannaSelection Chitosan ist nicht für das direkte Einrühren in neutrales Wasser gedacht.

Ein sinnvoller Grundablauf ist:

1. Weiches oder demineralisiertes Wasser verwenden

Hartes Leitungswasser kann die Herstellung erschweren. Hydrogencarbonat neutralisiert einen Teil der Säure.

Demineralisiertes Wasser macht den Ansatz besser kontrollierbar.

2. Einen Teil des Wassers ansäuern

Ein Teil der benötigten Wassermenge wird mit einer verdünnten organischen Säure auf einen klar sauren pH-Wert eingestellt.

Für die erste Lösung liegt ein Bereich von ungefähr pH 3,5 bis 4 häufig günstig.

Geeignet sind je nach Anwendung beispielsweise:

  • Essigsäure
  • Zitronensäure
  • Milchsäure

Die Säure immer vorsichtig dosieren und den pH-Wert messen.

3. Chitosan langsam einstreuen

Das Pulver wird unter kräftigem Rühren langsam in die saure Wasserphase gegeben.

Wird die gesamte Menge auf einmal hineingeschüttet können sich Klumpen bilden. Außen löst sich das Material an. Im Inneren bleibt trockenes Pulver eingeschlossen.

4. Zeit zum Quellen geben

Mittel- und hochmolekulares Chitosan löst sich nicht sofort.

Die Lösung sollte ausreichend gerührt werden und anschließend Zeit zum Quellen erhalten. Abhängig von Konzentration und Temperatur kann dieser Vorgang deutlich länger als wenige Minuten dauern.

5. Mit dem restlichen Wasser auffüllen

Erst wenn das Chitosan gleichmäßig verteilt ist wird die Lösung auf das gewünschte Gesamtvolumen gebracht.

6. Endgültigen pH-Wert prüfen

Die fertige Anwendungslösung sollte nicht unkontrolliert stark sauer sein.

Gleichzeitig darf der pH-Wert nicht so weit angehoben werden, dass das Chitosan wieder ausfällt.

Hochmolekulares Chitosan verliert oberhalb des leicht sauren Bereichs zunehmend seine Löslichkeit. Ein finaler pH-Wert unter ungefähr 6 ist deshalb meist notwendig. Die Pflanzenverträglichkeit und das jeweilige Anbausystem müssen trotzdem berücksichtigt werden.

7. Frisch verwenden

Selbst hergestellte Chitosanlösungen sollten nicht unnötig lange gelagert werden.

Der pH-Wert, die Viskosität und die mikrobiologische Stabilität können sich verändern.

Warum wir keine feste Säuremenge angeben

Die benötigte Säuremenge hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Wasserhärte
  • Hydrogencarbonatgehalt
  • verwendete Säure
  • Säurekonzentration
  • Chitosanmenge
  • Deacetylierungsgrad
  • Molekulargewicht
  • gewünschter End-pH-Wert

Deshalb sollte mit einem pH-Messgerät gearbeitet werden.

Eine Rezeptur ohne Messung kann bei weichem Wasser zu sauer und bei hartem Wasser vollkommen unzureichend sein.

Studienkonzentrationen sind keine allgemeine Dosieranleitung

In der Nutzhanfstudie wurden 50 und 250 mg/L als Blattbehandlung eingesetzt.

Das entspricht:

  • 0,05 g/L
  • 0,25 g/L

Bei 50 mg/L wurden bei mehreren untersuchten Stoffgruppen stärkere positive Veränderungen beobachtet als bei 250 mg/L.

In den Cannabis-Wurzelstudien wurden wesentlich höhere Konzentrationen von 1 bis 5 g/L beziehungsweise 2 g/L verwendet.

Diese Mengen lösten zwar deutliche Abwehrreaktionen aus. Sie hemmten aber auch das Wurzelwachstum.

Diese Unterschiede zeigen, warum Studienwerte nicht einfach übernommen werden dürfen.

Entscheidend sind:

  • Blatt oder Wurzel
  • Chitosanform
  • Molekulargewicht
  • Lösung
  • Pflanzenalter
  • Häufigkeit
  • Sorte
  • Anbausystem

Für das CannaSelection Chitosan gelten die jeweils aktuellen Anwendungshinweise auf dem Produktetikett und der Produktseite.

Bei einer neuen Anwendung sollte immer mit einer kleinen Pflanzengruppe begonnen werden.

Wie häufig sollte Chitosan verwendet werden?

Chitosan ist kein Basisdünger, der bei jeder Bewässerung zwingend benötigt wird.

Eine Elicitation lebt von einem gezielten Reiz.

Eine dauerhafte oder zu häufige Anwendung kann dazu führen, dass die Pflanze unnötig viel Energie in Abwehr statt in Wachstum investiert.

Die passende Häufigkeit hängt von Anwendung und Konzentration ab.

Grundsätzlich gilt:

  • nicht automatisch bei jedem Gießen verwenden
  • Reaktionen der Pflanzen beobachten
  • zwischen den Anwendungen ausreichend Abstand lassen
  • keine Dosissteigerung nur wegen fehlender Sofortreaktion
  • Pflanzen nicht gleichzeitig mit mehreren starken Elicitoren belasten

Harzbildung und Stoffwechselveränderungen sind keine unmittelbare Kontaktreaktion. Die Pflanze benötigt Zeit, um auf das Signal zu antworten.

Was sollte nicht mit einer Chitosan-Stammlösung gemischt werden?

Konzentrierte Chitosanlösungen können empfindlich auf andere Bestandteile reagieren.

Problematisch können insbesondere sein:

  • stark alkalische Produkte
  • Silikate
  • Carbonate
  • konzentrierte Calciumlösungen
  • hochkonzentrierte Dünger
  • Wasserstoffperoxid
  • andere starke Oxidationsmittel
  • konzentrierte Mikrobenprodukte
  • nicht geprüfte Pflanzenschutzmittel

Durch eine ungünstige Kombination kann Chitosan ausflocken oder seine Löslichkeit verlieren.

Auch Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen sind möglich.

Deshalb gilt:

  • Konzentrate getrennt ansetzen
  • erst in ausreichend Wasser verdünnen
  • Mischbarkeit in einem kleinen Gefäß testen
  • keine flockende oder gelierende Lösung verwenden
  • pH-Wert vor der Anwendung kontrollieren

Typische Fehler bei Chitosan

Das Pulver direkt in Leitungswasser geben

Das Chitosan schwimmt, verklumpt oder setzt sich ab. Dadurch entsteht keine gleichmäßige Anwendung.

Zu hoch dosieren

Mehr Chitosan bedeutet nicht automatisch mehr Resin oder stärkere Wurzeln. Hohe Wurzelraumkonzentrationen können das Wurzelwachstum deutlich hemmen.

Die Chitosanform nicht beachten

Ein Studienergebnis mit niedermolekularem Chitosan oder COS lässt sich nicht direkt auf ein hochmolekulares Pulver übertragen.

Den pH-Wert ignorieren

Ohne ausreichend saure Bedingungen löst sich normales Chitosan schlecht. Eine zu saure fertige Anwendungslösung kann wiederum die Pflanze belasten.

Direkt auf reife Blüten sprühen

Dadurch können Rückstände, zusätzliche Feuchtigkeit und ein erhöhtes Risiko für Blütenprobleme entstehen.

Chitosan als Akutmittel gegen jeden Schädling betrachten

Chitosan kann Pflanzenabwehr und bestimmte Schädlinge beeinflussen. Es ist aber kein universeller Ersatz für gezielte Schädlingsbekämpfung.

Chitosan und Chitin gleichsetzen

Beide Stoffe können sinnvoll sein. Sie wirken aber nicht identisch und werden unterschiedlich verarbeitet.

Eine THC-Steigerung versprechen

Die bisherige Forschung trägt eine solche pauschale Aussage nicht.

Das Bodenleben vollständig ignorieren

In einem biologischen System sollte Chitosan kontrolliert eingesetzt werden. Konzentrierte Lösungen gehören nicht direkt zu lebenden Mikrobenpräparaten.

Was Chitosan kann und was noch nicht ausreichend belegt ist

Aussage Aktuelle Einordnung
Cannabis erkennt Chitosan als biologisches Signal Direkt an Cannabis belegt
Chitosan aktiviert Abwehrgene Direkt an Cannabis belegt
Chitosan erhöht Chitinase- und Peroxidaseaktivitäten Direkt an Cannabis belegt
Chitosan verändert Wurzelexsudate Direkt an Cannabis belegt
Chitosan beeinflusst das phytochemische Profil der Blüten Direkt an Nutzhanf belegt
Chitosan kann phenolische Verbindungen und Flavonoide erhöhen Direkt an Nutzhanf belegt
Chitosan erhöht die absolute Resinmenge Wiederholt in internen CannaSelection Versuchen beobachtet, noch nicht ausreichend standardisiert publiziert
Chitosan verbessert die Terpenausprägung Interne CannaSelection Beobachtung und biologisch plausibel, aber nicht für jede Genetik garantiert
Chitosan erhöht pauschal THC Wird von CannaSelection nicht behauptet
Chitosan fördert immer das Wurzelwachstum Falsch, stark dosisabhängig
Hohe Dosierungen aktivieren die Wurzelabwehr Direkt an Cannabis belegt
Hohe Dosierungen können Wurzeln hemmen Direkt an Cannabis belegt
Chitosan besitzt antifungales Potenzial Für verschiedene Pilze belegt
Chitosan verhindert jede Wurzelkrankheit Nicht belegt
Chitosan besitzt insektizides Potenzial Für einzelne Insektenarten belegt
Chitosan tötet zuverlässig Trauermücken Nicht ausreichend belegt
Chitosan sterilisiert Living Soil Zu pauschal und fachlich falsch
Chitosan kann Bodenmikrobiome verschieben In Feldversuchen belegt
Chitosan kann nützliche Gegenspieler fördern Für bestimmte Pilze und Formulierungen belegt
Chitosan und MicroBio+ sollten konzentriert gemischt werden Nicht empfohlen

Ist Chitosan ein Dünger?

Nein.

Chitosan enthält zwar organisch gebundenen Kohlenstoff und Stickstoff. Die üblicherweise eingesetzten Mengen machen es aber nicht zu einem klassischen Stickstoffdünger.

Seine Hauptwirkung liegt in:

  • Elicitation
  • Pflanzenstärkung
  • Veränderung der Abwehrreaktion
  • Beeinflussung von Wurzelexsudaten
  • Interaktion mit Mikroorganismen
  • möglicher Beeinflussung des spezialisierten Stoffwechsels

Es sollte deshalb auch nicht verwendet werden, um eine mangelhafte Grundversorgung zu kompensieren.

Kann Chitosan schlechte Genetik ausgleichen?

Nein.

Die Genetik bestimmt unter anderem:

  • welche Cannabinoide gebildet werden können
  • welche Terpene grundsätzlich vorkommen
  • wie viele Drüsenhaare angelegt werden
  • wie groß das Ertragspotenzial ist
  • wie die Pflanze auf Stresssignale reagiert

Chitosan kann vorhandene Prozesse beeinflussen.

Es kann aber keine genetisch nicht vorhandenen Eigenschaften erzeugen.

Eine schwach aromatische Genetik wird nicht plötzlich zu einer vollkommen anderen Sorte.

Funktioniert Chitosan bei jeder Cannabissorte gleich?

Sehr wahrscheinlich nicht.

Die Nutzhanfstudie arbeitete mit einer einzelnen Sorte. Bereits dort unterschieden sich die Ergebnisse je nach Molekulargewicht und Konzentration.

Cannabissorten unterscheiden sich stark in:

  • Wuchstyp
  • Harzdrüsendichte
  • Terpenbiosynthese
  • Reifezeit
  • Stressreaktion
  • Hormonhaushalt
  • Wurzelentwicklung
  • Anfälligkeit für Krankheitserreger

Deshalb sind unterschiedliche Reaktionen zu erwarten.

Was bei einer Sorte sehr deutlich sichtbar ist kann bei einer anderen Sorte wesentlich schwächer ausfallen.

Ist Chitosan für Hydro, Coco und Erde geeignet?

Grundsätzlich kann Chitosan in unterschiedlichen Systemen eingesetzt werden.

Die Anwendung muss aber angepasst werden.

Hydroponik

In Hydroponik gelangt Chitosan direkt an die Wurzeln. Dadurch kann die Wirkung stark ausfallen.

Gleichzeitig besteht ein erhöhtes Risiko für:

  • Wurzelhemmung durch Überdosierung
  • Ausflockung
  • Ablagerungen
  • Filter- oder Leitungsprobleme
  • Wechselwirkungen mit Nährsalzen
  • instabile pH-Werte

Eine konzentrierte Stammlösung sollte deshalb nie ungeprüft in einen Tank gegeben werden.

Coco

Coco besitzt eine geringere biologische Pufferung als ein aktiver Living Soil.

Eine Wurzelanwendung kann relativ direkt wirken. Auch hier sollte niedrig begonnen und die Pflanzenreaktion beobachtet werden.

Organische Erde

In organischer Erde kommen zusätzlich Wechselwirkungen mit Huminstoffen, Mikroorganismen und organischer Substanz hinzu.

Das System kann bestimmte Effekte abpuffern. Gleichzeitig wird Chitosan biologisch umgesetzt.

Living Soil und No-Till

Hier geht es nicht nur um die Reaktion der Pflanze.

Auch langfristige Veränderungen der Pilz- und Bakteriengemeinschaft müssen berücksichtigt werden.

Gezielte Anwendungen sind sinnvoller als eine dauerhafte hohe Dosierung bei jedem Gießen.

Sicherheit beim Umgang mit Chitosanpulver

Feines Pulver sollte grundsätzlich nicht eingeatmet werden.

Bei der Verarbeitung sind sinnvoll:

  • Handschuhe
  • sauberes Arbeitsgerät
  • Schutzbrille beim Umgang mit Säuren
  • eine geeignete Staubmaske bei größerer Staubentwicklung
  • gute Belüftung
  • langsames Einrühren statt Ausschütten

Das CannaSelection Chitosan stammt aus Krabbenschalen.

Menschen mit einer ausgeprägten Krustentierallergie sollten deshalb besonders vorsichtig mit dem trockenen Pulver umgehen. Auch bei hoher Reinheit können herstellungsabhängig geringfügige Restbestandteile nicht ohne produktspezifische Analytik vollständig ausgeschlossen werden.

Säuren immer verdünnt und kontrolliert einsetzen.

Rechtliche Einordnung

Chitosan wurde in der Europäischen Union 2022 als Grundstoff im Sinne des Pflanzenschutzrechts genehmigt. Die Genehmigung gilt unter den in den europäischen Prüf- und Genehmigungsunterlagen festgelegten Bedingungen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes beliebige Chitosanprodukt mit jeder denkbaren fungiziden oder insektiziden Aussage beworben werden darf.

Entscheidend sind unter anderem:

  • genaue Stoffidentität
  • Reinheit
  • vorgesehene Verwendung
  • Produktaufmachung
  • Anwendungsempfehlung
  • konkrete Werbeaussagen
  • nationale Umsetzung und Überwachung

Ein Rohstoff, ein Pflanzenstärkungsmittel und ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel sind rechtlich nicht automatisch dasselbe.

Dieser Beitrag beschreibt die biologischen Eigenschaften und den Stand der Forschung. Die konkrete Verwendung richtet sich nach den aktuellen Produktinformationen und den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.

Chitosanpulver bei CannaSelection

CannaSelection bietet Chitosan jetzt als reines Pulver für die individuelle Herstellung von Anwendungslösungen an.

Die Pulverform richtet sich an Grower, die ihre Anwendung selbst kontrollieren möchten und Wert auf transparente Rohstoffdaten legen.

Sie ermöglicht:

  • eine flexible Konzentration
  • frisch angesetzte Lösungen
  • Blatt- oder Wurzelanwendungen je nach Konzept
  • geringeres Transportgewicht
  • keine unnötige vorverdünnte Flüssigkeit
  • eigene Versuchsreihen mit dokumentierter Dosierung

Gleichzeitig verlangt ein reines Pulver mehr Sorgfalt als ein fertig formuliertes Flüssigprodukt.

Der pH-Wert muss kontrolliert werden. Das Chitosan muss vollständig gelöst sein. Die Konzentration muss zum Anwendungsweg passen.

Chitosan ist kein Produkt für das Prinzip "viel hilft viel".

Richtig eingesetzt ist es ein sehr interessantes Werkzeug für Grower, die nicht nur Nährstoffe geben wollen, sondern gezielt mit den biologischen Reaktionen ihrer Pflanzen arbeiten.

Unser Fazit

Chitosan gehört nicht in die Kategorie der gewöhnlichen Grow-Booster.

Es wirkt nicht dadurch, dass es die Pflanze einfach mit mehr Nährstoffen versorgt.

Es setzt ein Signal.

Cannabis reagiert darauf mit messbaren Veränderungen:

  • Abwehrgene werden aktiviert.
  • Chitinase- und Peroxidaseaktivitäten steigen.
  • Die Zusammensetzung der Wurzelexsudate verändert sich.
  • Schutzproteine werden ausgeschieden.
  • Das phytochemische Profil der Blüten kann beeinflusst werden.

Diese Wirkungen sind direkt an Cannabis beziehungsweise Nutzhanf untersucht worden.

CannaSelection beobachtet darüber hinaus in mehrjährigen internen Anwendungen eine höhere absolute Resinmenge und eine bessere Terpenausprägung.

Wir behaupten nicht, dass Chitosan pauschal den THC-Gehalt erhöht.

Wir sehen den Nutzen an einer anderen Stelle.

Chitosan kann einer gesunden und gut versorgten Cannabispflanze einen kontrollierten biologischen Reiz geben. Dadurch kann sie ihre Abwehr und ihren spezialisierten Stoffwechsel stärker aktivieren.

Das kann sich in einer robusteren Pflanzenreaktion, einem aktiveren Wurzelraum, mehr Resin und einer intensiveren Ausprägung des vorhandenen Terpenprofils zeigen.

Die Voraussetzung ist eine saubere Anwendung.

Die richtige Chitosanform, eine niedrige und passende Dosierung, der korrekte pH-Wert und ein sinnvoller Zeitpunkt entscheiden darüber, ob aus einem interessanten Rohstoff ein wirksames Werkzeug wird.

Häufige Fragen zu Chitosan bei Cannabis

Erhöht Chitosan den THC-Gehalt?

CannaSelection trifft diese Aussage nicht.

Die vorhandene Forschung zeigt, dass Chitosan den spezialisierten Stoffwechsel von Cannabis beeinflussen kann. Eine pauschale und zuverlässige THC-Steigerung ist daraus nicht abzuleiten.

Erhöht Chitosan die Harzmenge?

CannaSelection hat in mehrjährigen internen Versuchen wiederholt eine höhere absolute Resinmenge beobachtet.

Eine veröffentlichte Cannabisstudie zur exakten absoluten Harzmasse pro Blüte liegt in der von uns ausgewerteten Literatur bisher nicht vor.

Verbessert Chitosan die Terpene?

Unsere internen Anwendungen zeigen häufig eine intensivere und klarere Terpenausprägung.

Wie stark dieser Effekt ausfällt hängt von Genetik, Anbauumgebung, Dosierung und Zeitpunkt ab.

Ist Chitosan dasselbe wie Chitin?

Nein.

Chitosan wird aus Chitin hergestellt. Durch die Deacetylierung ändern sich Löslichkeit, Ladung und biologische Aktivität.

Kann Chitosan einfach in Wasser eingerührt werden?

Normales mittel- bis hochmolekulares Chitosan löst sich in neutralem Wasser schlecht.

Es muss zunächst in einer ausreichend sauren Wasserphase gelöst werden.

Ist Chitosan für Living Soil geeignet?

Ja, bei kontrollierter Anwendung.

Es sollte aber nicht dauerhaft hoch dosiert werden. Die Wirkung auf Mikroorganismen ist selektiv und von vielen Faktoren abhängig.

Kann Chitosan gemeinsam mit MicroBio+ verwendet werden?

Ja, aber nicht als konzentrierte gemeinsame Stammlösung.

CannaSelection empfiehlt eine getrennte Anwendung mit zeitlichem Abstand.

Tötet Chitosan Trauermücken?

Eine zuverlässige direkte Wirkung gegen Trauermücken in Cannabissubstraten ist bisher nicht ausreichend belegt.

Chitosan kann den Wurzelraum und die Pilzgemeinschaft beeinflussen. Bei einem akuten Befall sollten trotzdem gezielte Maßnahmen eingesetzt werden.

Kann Chitosan Wurzelfäule heilen?

Chitosan kann die Wurzelabwehr aktivieren und bestimmte Krankheitserreger beeinflussen.

Eine fortgeschrittene Wurzelkrankheit wird dadurch nicht automatisch geheilt. Ursache, Bewässerung, Temperatur, Sauerstoffversorgung und Erreger müssen berücksichtigt werden.

Sollte Chitosan bei jedem Gießen eingesetzt werden?

Nein.

Chitosan ist ein Elicitor und kein Basisdünger. Gezielte Anwendungen mit ausreichendem Abstand sind sinnvoller als eine dauerhafte hohe Belastung.

Kann Chitosan in der späten Blüte gesprüht werden?

CannaSelection empfiehlt keine unnötige Blattbehandlung auf dichten und reifen Blüten.

Zusätzliche Feuchtigkeit und Rückstände auf dem Endprodukt sollten vermieden werden.

Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Literatur

  1. Beleggia R. et al. 2023: Impact of Chitosan-Based Foliar Application on the Phytochemical Content and the Antioxidant Activity in Hemp Inflorescences. Plants, 12, 3692. DOI: 10.3390/plants12213692. Die Studie untersuchte 50 und 250 mg/L Chitosan mit unterschiedlichen Molekulargewichten an Nutzhanfblüten.
  2. Suwanchaikasem P. et al. 2023: Effects of chitin and chitosan on root growth, biochemical defense response and exudate proteome of Cannabis sativa. Plant-Environment Interactions, 4, 115 bis 133. DOI: 10.1002/pei3.10106. Direkter Nachweis veränderter Abwehrgene, Enzyme und Wurzelexsudate bei Cannabis.
  3. Suwanchaikasem P. et al. 2023: Hormonal and proteomic analyses of southern blight disease caused by Athelia rolfsii and root chitosan priming on Cannabis sativa. Plant Direct, 7, e528. DOI: 10.1002/pld3.528. Untersuchung zur Wurzelabwehr und zu den Grenzen einer hoch dosierten Chitosanbehandlung.
  4. Pellis A. et al. 2022: Chitosan: Sources, Processing and Modification Techniques. Übersicht zu Rohstoffquellen, Chitingewinnung, Deacetylierung und Chitosanmodifikation.
  5. Aranaz I. et al. 2021: Chitosan: An Overview of Its Properties and Applications. Darstellung der Zusammenhänge zwischen Molekulargewicht, Deacetylierung, Ladung, Löslichkeit und biologischer Aktivität.
  6. Suarez-Fernandez M. et al. 2020: Chitosan Induces Plant Hormones and Defenses in Tomato Root Exudates. Untersuchung zur Veränderung von Hormonen, Lipidsignalen und Abwehrstoffen in Wurzelexsudaten.
  7. Badawy M. E. I. und El-Aswad A. F. 2012: Insecticidal activity of chitosans of different molecular weights against cotton leafworm and oleander aphid. Plant Protection Science, 48, 131 bis 141. DOI: 10.17221/67/2010-PPS.
  8. Palma-Guerrero J. et al. 2008: Effect of chitosan on hyphal growth and spore germination of plant pathogenic and biocontrol fungi. Journal of Applied Microbiology, 104, 541 bis 553. DOI: 10.1111/j.1365-2672.2007.03567.x.
  9. Lopez-Nuñez R. et al. 2025: Chitosan reduces naturally occurring plant pathogenic fungi and increases nematophagous fungus Purpureocillium in soil under field conditions. Frontiers in Agronomy. DOI: 10.3389/fagro.2024.1502402.
  10. Volpe V. et al. 2023: Long-lasting impact of chitooligosaccharide application on fungal accommodation promotes arbuscular mycorrhiza in Medicago truncatula. New Phytologist. DOI: 10.1111/nph.18697.
  11. Europäische Kommission 2022: Durchführungsverordnung (EU) 2022/456 zur Genehmigung von Chitosan als Grundstoff gemäß Verordnung (EG) Nr. 1107/2009.

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