Wenn über Living Soil gesprochen wird, denken viele zuerst an Bakterien oder Kompost. Doch ein oft unterschätzter Bestandteil des Bodenökosystems sind Pilze – insbesondere Mykorrhiza-Pilze.
Diese Pilze bilden eine direkte Verbindung mit den Wurzeln von Pflanzen und erweitern deren Fähigkeit, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen.
Im Living Soil ist diese Symbiose ein zentraler Bestandteil eines funktionierenden Systems.
Während Pflanzen durch Photosynthese Energie erzeugen, liefern Mykorrhiza-Pilze Zugang zu Nährstoffen, die für die Wurzeln allein nur schwer erreichbar wären.
Was ist Mykorrhiza?
Der Begriff Mykorrhiza beschreibt eine Symbiose zwischen Pflanzenwurzeln und speziellen Bodenpilzen.
Das Wort setzt sich zusammen aus:
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Myco – Pilz
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Rhiza – Wurzel
Diese Pilze wachsen direkt an oder sogar in die Pflanzenwurzel hinein und bilden ein feines Netzwerk aus sogenannten Hyphen.
Dieses Netzwerk kann sich weit durch den Boden ausbreiten und funktioniert wie eine Erweiterung des Wurzelsystems.
Dadurch entsteht ein riesiges unterirdisches Netzwerk, das Nährstoffe und Wasser aus dem Boden aufnehmen kann.
Wie Mykorrhiza Pflanzen im Living Soil unterstützt
Erweiterung des Wurzelsystems
Die Hyphen der Pilze sind extrem fein und können Bodenbereiche erreichen, die für Wurzeln zu dicht oder zu klein sind.
Dadurch wird die effektive Aufnahmefläche der Pflanze massiv vergrößert.
Die Pflanze erhält dadurch besseren Zugang zu:
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Wasser
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Phosphor
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Spurenelementen
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Mineralstoffen
Bessere Phosphoraufnahme
Phosphor gehört zu den wichtigsten Nährstoffen für Pflanzen.
Allerdings liegt ein Großteil des Phosphors im Boden in Formen vor, die Pflanzen nur schwer aufnehmen können.
Mykorrhiza-Pilze sind in der Lage, diesen Phosphor zu mobilisieren und für die Pflanze verfügbar zu machen.
Gerade im organischen Anbau und Living Soil spielt dieser Prozess eine entscheidende Rolle.
Unterstützung bei Stress und Trockenheit
Mykorrhiza hilft Pflanzen auch dabei, besser mit Stresssituationen umzugehen.
Durch das größere Netzwerk im Boden können Pflanzen:
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Wasser effizienter aufnehmen
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Trockenperioden besser überstehen
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schneller auf Nährstoffe zugreifen
Das führt oft zu stabilerem Wachstum und gesünderen Pflanzen.
Mykorrhiza im Bodenökosystem
Mykorrhiza ist nicht isoliert aktiv. Sie ist Teil eines komplexen Bodenökosystems.
Im Living Soil arbeitet sie zusammen mit:
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Bakterien
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anderen Pilzen
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Protozoen
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Nematoden
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Bodenorganismen
Dieses Zusammenspiel bildet das sogenannte Bodenmikrobiom.
Während Bakterien organische Materialien abbauen, übernehmen Pilze oft den Transport und die Verteilung von Nährstoffen im Boden.
Mykorrhiza und der Nährstoffkreislauf
Die Beziehung zwischen Pflanze und Mykorrhiza funktioniert in beide Richtungen.
Die Pflanze liefert dem Pilz Energie in Form von Zucker und Kohlenhydraten, die durch Photosynthese entstehen.
Der Pilz wiederum liefert der Pflanze:
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Mineralstoffe
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Wasser
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mobilisierte Nährstoffe
Diese gegenseitige Versorgung ist ein zentraler Bestandteil natürlicher Ökosysteme.
Mykorrhiza und Mulch
Eine gesunde Mulchschicht unterstützt auch die Aktivität von Mykorrhiza-Pilzen.
Mulch sorgt dafür, dass:
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Feuchtigkeit stabil bleibt
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Temperaturschwankungen reduziert werden
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organisches Material für Mikroorganismen verfügbar bleibt
Diese Bedingungen fördern die Entwicklung eines stabilen Pilznetzwerks im Boden.
Mykorrhiza und Cover Crops
Auch Cover Crops können das Mykorrhiza-Netzwerk unterstützen.
Viele Pflanzen gehen ebenfalls Symbiosen mit Mykorrhiza-Pilzen ein. Dadurch bleibt das Pilznetzwerk im Boden aktiv, selbst wenn die Hauptpflanze noch klein ist.
Cover Crops tragen deshalb dazu bei, ein dauerhaft stabiles Bodenökosystem aufzubauen.
Verschiedene Arten von Mykorrhiza
Nicht alle Mykorrhiza-Pilze funktionieren gleich. In der Natur existieren mehrere verschiedene Formen dieser Symbiose zwischen Pilzen und Pflanzen.
Die zwei wichtigsten Gruppen sind:
Ektomykorrhiza
Bei der Ektomykorrhiza umhüllen Pilze die Wurzeln der Pflanzen von außen und bilden ein dichtes Netzwerk um die Wurzeloberfläche.
Diese Form der Mykorrhiza kommt vor allem bei Bäumen vor, zum Beispiel bei:
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Eichen
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Buchen
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Kiefern
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Birken
Für den Cannabis-Anbau spielt diese Form normalerweise keine Rolle, da Cannabis mit diesen Pilzen keine Symbiose eingeht.
Endomykorrhiza (Arbuskuläre Mykorrhiza)
Für Cannabis ist vor allem die endomykorrhizale Form, genauer gesagt die arbuskuläre Mykorrhiza (AMF) relevant.
Bei dieser Form wachsen die Pilzfäden direkt in die Wurzelzellen der Pflanze hinein und bilden dort spezielle Strukturen, sogenannte Arbuskel.
Diese Strukturen ermöglichen einen besonders effizienten Austausch von:
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Nährstoffen
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Wasser
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Energie
Die Pilze liefern Mineralstoffe aus dem Boden, während die Pflanze dem Pilz Zucker aus der Photosynthese zur Verfügung stellt.
Viele Pflanzen – darunter auch Cannabis – gehen diese Form der Symbiose ein.
Warum diese Unterscheidung wichtig ist
Für Grower bedeutet das:
Nicht jeder Mykorrhiza-Pilz ist automatisch für jede Pflanze geeignet.
Im Cannabis-Anbau sind vor allem arbuskuläre Mykorrhiza-Pilze relevant, da sie direkt mit den Wurzeln der Pflanze zusammenarbeiten und so das Nährstoffnetzwerk im Living Soil erweitern können.
Wann Mykorrhiza besonders wichtig ist
Mykorrhiza spielt besonders in folgenden Situationen eine große Rolle:
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organischer Anbau
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Living Soil Systeme
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nährstoffarme Böden
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langfristige Bodensysteme
In Systemen mit lebendigem Boden kann sich ein Mykorrhiza-Netzwerk über lange Zeit entwickeln und stabilisieren.
Typische Fehler im Umgang mit Mykorrhiza
Ein funktionierendes Pilznetzwerk kann durch einige Faktoren gestört werden.
Dazu gehören zum Beispiel:
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stark mineralische Düngesysteme
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häufiges Umgraben des Bodens
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sehr sterile Substrate
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fehlendes organisches Material
Living Soil Systeme setzen deshalb bewusst auf biologische Aktivität statt sterile Bedingungen.
Warum Mykorrhiza in sterilen Substraten oft nicht funktioniert
Mykorrhiza wird häufig als Wundermittel beworben, das man einfach ins Substrat gibt und sofort bessere Ergebnisse erhält. In der Praxis funktioniert das jedoch nur dann zuverlässig, wenn das gesamte Bodensystem auch die richtigen Bedingungen für diese Pilze bietet.
Mykorrhiza ist kein isolierter Zusatzstoff, sondern Teil eines komplexen Bodenökosystems. Die Pilze arbeiten eng mit anderen Mikroorganismen zusammen und benötigen ein stabiles biologisches Umfeld, um sich dauerhaft zu etablieren.
In stark mineralisch geführten oder sehr sterilen Substraten fehlt dieses Umfeld oft.
Typische Probleme sind zum Beispiel:
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sehr geringe biologische Aktivität im Substrat
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kaum organisches Material als Nahrungsquelle für Mikroorganismen
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regelmäßige starke Salzkonzentrationen durch mineralische Dünger
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fehlende Bodenstruktur und Bodenleben
Unter solchen Bedingungen kann sich das Mykorrhiza-Netzwerk häufig nicht langfristig entwickeln.
Warum Living Soil ideale Bedingungen für Mykorrhiza schafft

Ein Living-Soil-System bietet dagegen genau die Voraussetzungen, die Mykorrhiza-Pilze benötigen.
Dazu gehören unter anderem:
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ein aktives Bodenmikrobiom
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organische Substanz als Nahrungsquelle
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stabile Bodenstruktur
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Mulchschichten auf der Oberfläche
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Pflanzenwurzeln, die kontinuierlich Zucker und Exsudate abgeben
Diese Faktoren sorgen dafür, dass Pilze, Bakterien und andere Bodenorganismen zusammenarbeiten können.
In einem solchen System kann sich ein dauerhaftes Pilznetzwerk im Boden entwickeln, das die Wurzeln der Pflanzen unterstützt und den Zugang zu Nährstoffen verbessert.
Deshalb funktioniert Mykorrhiza besonders gut in biologischen Bodensystemen wie Living Soil – dort ist sie nicht nur ein Zusatz, sondern ein natürlicher Bestandteil eines lebendigen Bodens.
Fazit: Mykorrhiza als unsichtbarer Helfer im Living Soil
Mykorrhiza-Pilze sind ein zentraler Bestandteil eines funktionierenden Living Soil Systems.
Sie erweitern das Wurzelsystem der Pflanze, verbessern die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen und stabilisieren das gesamte Bodenökosystem.
Zusammen mit Bakterien, organischer Substanz, Mulch und Cover Crops entsteht ein lebendiger Boden, der Pflanzen langfristig versorgen kann.
Die Symbiose zwischen Pflanze und Pilz ist ein Beispiel dafür, wie stark natürliche Systeme miteinander verbunden sind – und warum Living Soil nicht nur ein Anbausystem, sondern ein Ökosystem ist.



















