und warum der Begriff Bio im Düngerbereich oft mehr verspricht, als er hält
„Ich growe organisch.“
Dieser Satz fällt im Grow-Bereich fast schon reflexartig. Er steht für Natürlichkeit, Nachhaltigkeit, bessere Qualität und ein gutes Gefühl. Doch wenn man genauer hinschaut, stellt sich eine unbequeme Frage: Was genau ist an vielen sogenannten organischen Grows eigentlich noch organisch?
Die ehrliche Antwort lautet:
Weniger, als viele denken.
Nicht aus bösem Willen, sondern weil die Begriffe „organisch“ und „bio“ im Zusammenhang mit Düngung häufig falsch verstanden, falsch verwendet oder bewusst verwässert werden. Genau hier beginnt das eigentliche Problem – und auch der Grund, warum viele organische Grows funktional kaum von mineralischen Systemen zu unterscheiden sind.
Organisch vs. mineralisch – ein Missverständnis von Anfang an
Für viele Grower bedeutet „organisch“ vor allem eines:
kein klassischer Mineraldünger, keine nackten Salze, keine aggressive Chemie. Stattdessen Flaschen mit „Bio“-Label, Pflanzenextrakten, Vinasse, Aminosäuren oder Algen.
Was dabei oft übersehen wird:
Die entscheidende Frage ist nicht, woher ein Dünger kommt, sondern in welcher Form die Nährstoffe der Pflanze zur Verfügung gestellt werden.
Pflanzen nehmen Nährstoffe immer mineralisch auf.
Stickstoff als Nitrat oder Ammonium, Phosphor als Phosphat, Kalium als K⁺-Ion. Es gibt keinen alternativen Aufnahmeweg. Der Unterschied zwischen organisch und mineralisch liegt ausschließlich darin, wie diese Ionen entstehen.
Der biologische Umweg – und warum er oft umgangen wird
In einem echten organischen System übernimmt das Bodenleben die zentrale Rolle. Organische Ausgangsstoffe werden von Mikroorganismen schrittweise zersetzt, umgewandelt und mineralisiert. Erst am Ende dieses Prozesses stehen der Pflanze verwertbare Nährstoffe zur Verfügung.
Das hat mehrere Konsequenzen:
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Nährstofffreisetzung ist zeitverzögert
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sie ist abhängig von Mikrobenaktivität, Temperatur und Feuchtigkeit
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sie ist nicht exakt steuerbar, sondern systemisch
Genau diese Punkte empfinden viele Grower als „unpräzise“ oder „schwierig“. Die Lösung scheint einfach: flüssige organische Dünger, die sofort wirken. Doch hier beginnt der stille Systembruch.
Flüssige „Bio“-Dünger: organischer Ursprung, mineralische Wirkung
Viele flüssige organische Dünger enthalten bereits voraufgeschlossene Nährstoffe. Das bedeutet: Die biologische Arbeit wurde industriell vorweggenommen. Übrig bleiben wasserlösliche Ionen oder ionennahe Verbindungen, die im Substrat ähnlich wirken wie klassische Mineraldünger.
Für die Pflanze macht das kaum einen Unterschied.
Für das Substrat und das Bodenleben sehr wohl.
Denn:
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auch diese Nährstoffe erhöhen die Salzkonzentration
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auch sie erzeugen osmotischen Druck
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auch sie können mikrobielles Leben belasten
Das System funktioniert dann nicht mehr über Biologie, sondern über direkte Nährstoffzufuhr. Funktional ist das mineralische Führung – nur mit grünem Etikett.
Bio ist kein geschützter Begriff für Wirkung
Ein weiterer kritischer Punkt:
„Bio“ beschreibt im Düngemittelrecht meist die Herkunft der Ausgangsstoffe, nicht die Wirkung im Substrat.
Ein Dünger kann:
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aus pflanzlichen Reststoffen stammen
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fermentiert oder extrahiert sein
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zertifiziert „bio“ sein
und trotzdem:
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hoch salzbelastend wirken
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das Bodenleben umgehen
-
langfristig Substrate destabilisieren
Das Bio-Label garantiert keine bodenschonende Wirkung, keine mikrobielle Förderung und keine Systemstabilität. Es garantiert lediglich, dass bestimmte Ausgangsstoffe verwendet wurden.
Warum viele organische Grows systemisch mineralisch laufen
In der Praxis sieht das dann so aus:
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Nährstoffe kommen überwiegend aus der Flasche
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das Bodenleben wird kaum aktiv eingebunden
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Probleme werden über Dosierung korrigiert
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Substrate erschöpfen sich ähnlich schnell wie im Mineral-Grow
Der Grow funktioniert – aber nicht, weil er organisch ist, sondern weil er direkt versorgt wird. Die Biologie spielt höchstens eine Nebenrolle.
Für Anfänger ist das oft nicht erkennbar, weil die Pflanzen zunächst gut aussehen. Für erfahrene Grower zeigt sich der Unterschied meist erst nach mehreren Runs, wenn Substrate instabil werden, Salzprobleme auftreten oder die Fehlertoleranz sinkt.
Der eigentliche Kern eines organischen Systems
Ein wirklich organisch geführter Grow zeichnet sich nicht durch das Etikett des Düngers aus, sondern durch:
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aktive Mikroflora
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langsame, kontinuierliche Nährstofffreisetzung
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hohe Pufferfähigkeit
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geringe Salzbelastung
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lange Substratlebensdauer
In solchen Systemen wird nicht „gefüttert“, sondern ermöglicht. Die Pflanze ist Teil eines Kreislaufs, nicht Endpunkt einer Versorgungskette.
Wo Microbiologie den Unterschied macht
An dieser Stelle kommen mikrobiologische Konzepte ins Spiel. Mikroorganismen sind kein Zusatz, sondern die Voraussetzung, damit organische Systeme überhaupt funktionieren. Ohne sie wird organisch zwangsläufig zu mineralisch – egal, was auf der Flasche steht.
Produkte wie MicroBio+ setzen genau hier an. Nicht als Dünger, sondern als biologischer Aktivator. Sie liefern keine relevanten Nährstoffmengen, sondern fördern die Prozesse, die organische Systeme stabil halten:
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Mineralisierung organischer Rückstände
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Pufferung von Salzstress
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Stabilisierung des Wurzelraums
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Erhöhung der Systemfehlertoleranz
Der entscheidende Unterschied:
Die Kontrolle liegt nicht in der Dosierung, sondern im System.
Was das für Grower bedeutet – egal ob Anfänger oder Profi
Für Einsteiger ist die wichtigste Erkenntnis:
„Bio“ bedeutet nicht automatisch bodenschonend, stabil oder nachhaltig. Entscheidend ist, wie Nährstoffe bereitgestellt werden und welche Rolle das Substrat spielt.
Für erfahrene Grower liegt die Herausforderung woanders:
Ein System kann kurzfristig hervorragend funktionieren und langfristig trotzdem falsch aufgebaut sein. Stabilität zeigt sich nicht im ersten Run, sondern im fünften.
Fazit: Organisch ist kein Label, sondern eine Haltung
Der größte Fehler im organischen Grow ist nicht der falsche Dünger, sondern das falsche Verständnis. Organisch bedeutet nicht, mineralische Prozesse durch grüne Produkte zu ersetzen. Es bedeutet, biologische Prozesse arbeiten zu lassen.
Wer das versteht, braucht weniger Korrekturen, weniger Produkte und weniger Kontrolle – und bekommt am Ende ein stabileres, langlebigeres System.
Und genau hier trennt sich Marketing von Know-how.