Wie Cannabis-Influencer, Marken und Konsumhype eine Kultur verändern und warum wir wieder mehr Wissen, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft brauchen
Die Grow-Szene war vermutlich noch nie so sichtbar wie heute.
Auf YouTube, Instagram und anderen Plattformen erscheinen täglich neue Videos über Cannabis, Anbaumethoden, Genetiken, Produkte und vermeintliche Geheimnisse erfolgreicher Grows. Menschen mit Zehntausenden oder Hunderttausenden Followern erklären, wie Pflanzen versorgt, Blüten getrocknet, Sorten bewertet und Probleme gelöst werden sollen.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass diese Entwicklung ausschließlich positiv ist.
Mehr Sichtbarkeit. Mehr Informationen. Mehr Menschen, die sich offen mit Cannabis beschäftigen.
Doch wenn wir genauer hinsehen, stellt sich eine unangenehme Frage:
Sind heute wirklich die Menschen am sichtbarsten, die am meisten wissen oder lediglich diejenigen, die sich am besten vermarkten können?
Unsere Erfahrung bei CannaSelection fällt zunehmend ernüchternd aus.
Noch nie wurde öffentlich so viel über Cannabis gesprochen. Gleichzeitig war es selten so schwierig, tatsächliche Kompetenz von professionell präsentiertem Halbwissen zu unterscheiden.
Die Grow-Szene wird nach außen immer häufiger von Menschen dargestellt, deren größte Leistung nicht im Anbau, in der Zucht, in der Produktentwicklung oder im politischen Engagement liegt.
Ihr eigentliches Produkt ist ihre eigene Reichweite.
Und Reichweite ist keine Kompetenz.
Nicht jeder öffentliche Mensch ist ein Influencer
Wir möchten an dieser Stelle klar unterscheiden.
Ein Grower wird nicht automatisch zum Influencer, weil er seine Arbeit öffentlich dokumentiert.
Ein Breeder ist kein Influencer, weil er seine Genetiken präsentiert.
Auch Autoren, Aktivisten, Wissenschaftler, Entwickler und Hersteller können eine große Reichweite besitzen, ohne dass Reichweite ihre eigentliche Leistung ist.
Der Unterschied liegt für uns nicht in der Zahl der Follower.
Er liegt darin, was zuerst da war.
Ein "Fachmensch" wird sichtbar, weil er über Jahre etwas gelernt, aufgebaut, entwickelt oder dokumentiert hat. Die öffentliche Aufmerksamkeit entsteht aus seiner tatsächlichen Arbeit.
Ein klassischer Influencer baut dagegen zunächst seine eigene Sichtbarkeit auf. Anschließend werden Themen, Kooperationen und Produkte gesucht, mit denen sich diese Aufmerksamkeit monetarisieren lässt.
Der eine bringt etwas in die Szene ein und wird dadurch bekannt.
Der andere verarbeitet das, was bereits vorhanden ist, zu Content und macht seine Bekanntheit zum Geschäftsmodell.
Ein "Fachmensch" wird sichtbar, weil er etwas kann. Ein Influencer produziert Sichtbarkeit, um daraus wirtschaftlichen Wert zu erzeugen.
Das bedeutet nicht, dass jede Form von Content wertlos ist.
Es bedeutet aber, dass wir aufhören müssen, Sichtbarkeit automatisch als fachliche Qualifikation zu behandeln.
Lautstärke ist kein Wissen
Auf Social Media kann heute fast jeder wie ein Experte wirken.
Ein gut ausgeleuchtetes Setup, ein professionelles Mikrofon, ein paar Fachbegriffe und ein selbstbewusster Auftritt reichen aus, um insbesondere auf Anfänger äußerst überzeugend zu wirken.
Aussagen werden absolut formuliert.
Es gibt angeblich immer eine eindeutige Ursache, eine klare Lösung und häufig auch direkt das passende Produkt.
Die Unsicherheit beginnt meist erst, wenn jemand genauer nachfragt.
Warum gilt diese Empfehlung?
Für welches Anbausystem?
Unter welchen Bedingungen?
Welche anderen Ursachen wurden ausgeschlossen?
Wo liegen die Grenzen der Aussage?
Welche Erfahrungen wurden tatsächlich selbst gesammelt?
Im persönlichen Austausch zeigt sich dann nicht selten, dass hinter dem sehr sicheren öffentlichen Auftreten wenig belastbares Prozessverständnis steht.
Die Aussage wurde irgendwo gehört, übernommen oder von einer künstlichen Intelligenz aufbereitet. Sie klingt professionell, kann aber weder eingeordnet noch verteidigt werden.
Genau an dieser Stelle trennt sich Fachwissen von reproduziertem Content.
Wer ein Thema verstanden hat, kann Zusammenhänge erklären. Er kann Bedingungen benennen, Ausnahmen einordnen und Unsicherheit zulassen.
Wer lediglich fertige Aussagen wiederholt, wird dagegen meist unsicher, sobald das Gespräch den vorbereiteten Inhalt verlässt.
KI macht Halbwissen professioneller
Generative KI hat dieses Problem noch einmal deutlich verstärkt.
Mit ChatGPT, Claude und ähnlichen Systemen kann heute innerhalb weniger Minuten ein vollständiges Videoskript, eine vermeintliche Pflanzenanalyse oder ein fachlich klingender Instagram-Beitrag erzeugt werden.
Dafür muss die Person den Inhalt nicht selbst vollständig verstehen.
Das Ergebnis klingt trotzdem logisch, strukturiert und wissenschaftlich.
Fachbegriffe werden verwendet. Biologische Abläufe werden beschrieben. Handlungsempfehlungen werden formuliert.
Ob diese Informationen tatsächlich zusammenpassen, erkennt aber nur jemand, der selbst über das notwendige Wissen verfügt.
So kann aus einer falschen oder unvollständigen KI-Antwort sehr schnell vermeintlicher Experten-Content entstehen. Dieser Content wird anschließend von Menschen weitergegeben, die ihn fachlich nicht prüfen können, und von Zuschauern konsumiert, die noch weniger Möglichkeiten zur Einordnung besitzen.
KI hat fehlendes Know-how nicht beseitigt. Sie hat es lediglich professioneller formuliert.
Das Problem ist nicht, dass KI grundsätzlich keinen Nutzen besitzt.
Sie kann Informationen strukturieren, Zusammenhänge darstellen und bei der Recherche unterstützen. Sie kann jedoch kein fehlendes Verständnis ersetzen.
Wer nicht beurteilen kann, ob eine KI-Antwort korrekt ist, besitzt auch keine ausreichende Grundlage, diese Antwort als Fachwissen an Tausende Menschen weiterzugeben.
Warum allgemeine KI-Systeme gerade bei Pflanzenanalysen regelmäßig an ihre Grenzen kommen, behandeln wir ausführlich in unserem Grow-Lab-Beitrag über KI und Pflanzendiagnostik.
Social Media belohnt Aufmerksamkeit nicht Genauigkeit
Eine fachlich ehrliche Antwort ist häufig unspektakulär.
Sie lautet zum Beispiel:
„Mit den vorhandenen Informationen lässt sich das nicht eindeutig beurteilen.“
Oder:
„Diese Methode kann in einem bestimmten System funktionieren, in einem anderen aber kontraproduktiv sein.“
Oder:
„Wir müssen zunächst verstehen, was vorher passiert ist.“
Solche Aussagen sind korrekt.
Sie funktionieren allerdings schlecht als Clickbait.
Deutlich besser funktionieren Versprechen wie:
„Diesen Fehler machen fast alle Grower.“
„Mit diesem Trick verdoppelst du deinen Ertrag.“
„Dieses Produkt brauchst du unbedingt.“
„So erkennst du jeden Mangel sofort.“
Social Media bevorzugt starke Aussagen, schnelle Lösungen und erkennbare Konflikte. Pflanzenbau benötigt dagegen Kontext, Geduld und differenzierte Betrachtung.
Daraus entsteht ein grundlegender Widerspruch:
Je stärker ein Inhalt auf Reichweite optimiert wird, desto größer ist häufig der Druck, entscheidende Zusammenhänge wegzulassen.
Einzelfälle werden zu allgemeingültigen Regeln.
Persönliche Erfahrungen werden wie wissenschaftliche Erkenntnisse dargestellt.
Unsichere Einschätzungen werden zu eindeutigen Diagnosen.
Der Zuschauer erhält eine schnelle Antwort. Er versteht danach aber nicht zwangsläufig mehr als vorher.
Aufmerksamkeit wird mit Autorität verwechselt
Ein weiterer Mechanismus innerhalb der Szene muss ebenfalls offen angesprochen werden.
Aufmerksamkeit entsteht nicht immer durch Fachwissen.
Sie kann durch Unterhaltung, Provokation, Lifestyle, Statussymbole oder sexualisierte Selbstdarstellung erzeugt werden.
Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden. Jeder Mensch kann selbst entscheiden, wie er öffentlich auftreten möchte.
Problematisch wird es jedoch, wenn die dadurch gewonnene Reichweite anschließend als fachliche Autorität behandelt wird.
Gerade im Cannabisbereich sehen wir immer wieder, dass Personen aufgrund ihrer Darstellung schnell große Followerzahlen erreichen und anschließend Produkte, Anbaumethoden oder sogar medizinische Zusammenhänge erklären.
Die öffentliche Bekanntheit beruht in diesen Fällen aber nicht zwingend auf nachvollziehbarer Facharbeit.
Ein Körper ist kein Kompetenznachweis.
Ein Luxus-Setup ist kein Kompetenznachweis.
Eine große Ernte auf einem Bild ist kein Kompetenznachweis.
Auch ein Platz auf einer großen Bühne oder eine bezahlte Markenkooperation ist kein Kompetenznachweis.
Aufmerksamkeit beweist zunächst nur, dass jemand Aufmerksamkeit erzeugen kann. Sie beweist nicht, dass diese Person Pflanzen, Genetiken, Produkte oder gesundheitliche Zusammenhänge versteht.
Unsere Kritik richtet sich dabei nicht gegen Frauen, Männer oder bestimmte Formen der Selbstdarstellung.
Sie richtet sich gegen einen Markt, der Reichweite einkauft und sie anschließend gegenüber unerfahrenen Konsumenten als Fachkompetenz inszeniert.
Die Marke kauft Reichweite der Influencer verkauft Vertrauen
Influencer-Marketing funktioniert, weil es nicht wie klassische Werbung wirkt.
Menschen folgen einer Person über längere Zeit. Sie erleben ihren Alltag, hören ihre Meinungen und entwickeln Vertrauen.
Wenn diese Person anschließend ein Produkt empfiehlt, wirkt das nicht wie eine anonyme Werbeanzeige. Es wirkt wie ein Rat aus dem eigenen Umfeld.
Genau dieses Vertrauen wird wirtschaftlich verwertet.
Der Influencer erhält Geld, Produkte, Provisionen, Reisen, Rabattcodes oder Zugang zu Veranstaltungen.
Die Marke erhält Aufmerksamkeit, Glaubwürdigkeit und direkten Zugang zu einer Community.
Der Follower erhält eine Empfehlung, deren Unabhängigkeit und fachliche Grundlage er kaum überprüfen kann.
Die Marke kauft Reichweite. Der Influencer verkauft Vertrauen. Das Risiko trägt am Ende der Grower.
Bezahlte Kooperationen sind nicht grundsätzlich falsch.
Auch Experten, Fachmedien und Unternehmen müssen wirtschaftlich arbeiten können.
Entscheidend ist, ob eine Person transparent handelt und fachlich erklären kann, warum eine Empfehlung sinnvoll ist.
Werden auch Nachteile genannt?
Passt das Produkt zum gezeigten System?
Welches konkrete Problem löst es?
Würde die Empfehlung auch ohne Bezahlung ausgesprochen?
Oder wird für jede neue Kooperation nachträglich ein Problem konstruiert, das das beworbene Produkt angeblich unverzichtbar macht?
Diese Fragen werden heute viel zu selten gestellt
Aus einer Kultur wurde eine Zielgruppe
Cannabis war für viele Menschen nie einfach nur ein Konsumprodukt.
Die Grow-Szene entstand nicht, weil große Unternehmen einen attraktiven Markt entdeckt hatten.
Sie entstand aus Neugier, Eigenverantwortung, politischem Widerstand und der Faszination für eine Pflanze, die über Jahrzehnte verfolgt und kriminalisiert wurde.
Menschen tauschten Wissen aus.
Sie erhielten und teilten Genetiken.
Sie bauten ihr Equipment teilweise selbst.
Sie experimentierten, dokumentierten und unterstützten einander, weil verlässliche Informationen schwer zugänglich waren.
Natürlich war früher nicht alles besser.
Auch damals gab es Bro-Science, Ego, schlechte Produkte und Geschäftemacherei.
Die grundlegende Haltung war trotzdem häufig eine andere.
Es ging darum, unabhängiger zu werden.
Heute erleben wir zunehmend das Gegenteil.
Grower werden mit immer neuen Produkten, Geräten und vermeintlich unverzichtbaren Trends konfrontiert.
Noch ein Controller.
Noch ein Sensor.
Noch ein Booster.
Noch eine App.
Noch ein limitiertes Samenpaket.
Noch eine exklusive Kooperation.
Noch eine Lösung für ein Problem, das vorher möglicherweise gar nicht existiert hat.
Technik kann sinnvoll sein.
Automatisierung kann Prozesse verbessern.
Gute Genetik und hochwertiges Equipment dürfen Geld kosten.
Aber nicht alles, was verkauft werden kann, wird auch benötigt.
Eine funktionierende Lampe muss nicht ständig über eine App verändert werden, nur weil ein Controller verfügbar ist. Ein gutes System wird nicht automatisch besser, weil immer mehr Geräte und Inputs ergänzt werden.
Manchmal ist die fachlich richtige Entscheidung, nichts Neues zu kaufen.
Eine Szene, die unabhängig sein wollte
Besonders sichtbar wird diese Veränderung auf großen Veranstaltungen.
Dort stehen Menschen teilweise lange vor den Ständen großer Unternehmen, um kostenlose Papers, Feuerzeuge oder andere Werbeartikel mitzunehmen.
Das einzelne Feuerzeug ist selbstverständlich nicht das Problem.
Es ist das Symbol dahinter.
Eine Szene, die früher unabhängig sein wollte, wartet heute vor Konzernständen auf kostenlose Werbung.
Gleichzeitig erhalten kleinere Entwickler, Fachleute, Aktivisten und Projekte deutlich weniger Aufmerksamkeit. Nicht, weil ihre Arbeit schlechter wäre, sondern weil sie nicht über dieselben Budgets, Bühnen und Marketingmechanismen verfügen.
Die lautesten Akteure werden dadurch noch sichtbarer.
Diejenigen mit dem größten fachlichen Beitrag bleiben dagegen häufig in kleinen Communitys, Werkstätten, Grows oder Laboren.
So entsteht nach außen ein verzerrtes Bild der Szene.
Nicht die Menschen mit dem meisten Wissen bestimmen die Wahrnehmung.
Es sind die Menschen und Unternehmen mit den größten Möglichkeiten, Aufmerksamkeit einzukaufen.
Genetik ist kein Luxus-Accessoire
Auch der Genetikmarkt folgt zunehmend den Mechanismen von Mode-, Sneaker- und Lifestyle-Marken.
Limitierte Drops, auffällige Verpackungen, bekannte Namen, Gewinnspiele und künstliche Verknappung erzeugen einen Eindruck von Exklusivität.
Dabei ist ein hoher Preis kein automatischer Qualitätsnachweis.
Eine limitierte Verpackung ist kein Qualitätsnachweis.
Eine prominente Kooperation ist ebenfalls kein Qualitätsnachweis.
Bei Genetik sollten andere Fragen entscheidend sein:
Wie nachvollziehbar ist die Zuchtarbeit?
Welche Elternlinien wurden verwendet?
Welche Eigenschaften wurden selektiert?
Wie stabil oder bewusst variabel ist die Linie?
Welche Erfahrungen liegen tatsächlich vor?
Wofür bezahlt der Käufer?
Für jahrelange Arbeit und nachvollziehbare Selektion oder hauptsächlich für Hype, Verpackung und Namen?
Genetik ist ein wesentlicher Teil der Geschichte und Kultur dieser Szene.
Sie wurde über Generationen erhalten, weitergegeben und unter erheblichen persönlichen Risiken bewahrt.
Sie sollte zugänglich, dokumentiert und fair angeboten werden.
Genetik ist ein kulturelles Erbe der Grow-Szene kein Sneaker-Drop.
Nachhaltigkeit bedeutet auch Verzicht
Die Grow-Szene verwendet heute sehr häufig den Begriff Nachhaltigkeit.
Gleichzeitig wächst der Markt für Einwegprodukte, kurzlebige Technik, ständig wechselnde Inputs und immer komplexere Systeme.
Nachhaltigkeit beginnt jedoch nicht bei einem grünen Etikett.
Sie beginnt bei der Frage:
Brauche ich dieses Produkt überhaupt?
Ein nachhaltiger Grow kann bedeuten, Substrate länger zu nutzen und weiterzuentwickeln, langlebige Technik zu kaufen, Verpackungen zu reduzieren und Inputs gezielt statt reflexartig einzusetzen.
Er kann auch bedeuten, ein einfaches System zu verstehen, anstatt ein unnötig kompliziertes System dauerhaft durch weitere Technik stabilisieren zu müssen.
Nicht jede Pflanze benötigt mehr Produkte.
Nicht jedes Setup benötigt mehr Elektronik.
Nicht jeder neue Trend verbessert das Ergebnis.
Nachhaltigkeit beginnt dort, wo wir wieder hinterfragen, was wir wirklich benötigen und nicht dort, wo uns das nächste Produkt als nachhaltige Innovation verkauft wird.
Ein bewusster Markt entsteht nicht dadurch, dass wir jedes Produkt in einer ökologisch aussehenden Verpackung kaufen.
Er entsteht dadurch, dass wir weniger, gezielter und langfristiger konsumieren.
Vom gemeinschaftlichen Anbau zum großen Markt
Auch die wirtschaftliche Struktur des legalen Cannabismarktes verändert die Szene.
Medizinische Versorgung ist wichtig. Patientinnen und Patienten benötigen einen zuverlässigen Zugang zu geprüften Produkten.
Gleichzeitig ist offensichtlich, dass große kommerzielle Strukturen andere Möglichkeiten besitzen als nichtkommerzielle Gemeinschaftsprojekte, kleine Hersteller oder Anbauvereinigungen.
Kapital ermöglicht große Messestände, Werbekampagnen, Influencer-Kooperationen und professionellen Vertrieb.
Community-Strukturen arbeiten dagegen häufig mit begrenzten Ressourcen, komplexen Vorgaben und hohem persönlichem Einsatz.
Dadurch bestimmen nicht automatisch diejenigen den Markt, die Cannabis über Jahrzehnte kulturell, politisch oder praktisch getragen haben.
Es bestimmen häufig diejenigen, die am schnellsten skalieren und am meisten Aufmerksamkeit kaufen können.
Das ist keine Verschwörung.
Es ist die normale Logik eines entstehenden Marktes.
Genau deshalb muss eine Szene ihre Werte selbst verteidigen.
Denn ein Markt besitzt keine Erinnerung.
Er weiß nicht, wer die Genetiken erhalten, das Wissen weitergegeben und für gesellschaftliche Veränderung gekämpft hat.
Ein Markt erkennt zunächst Nachfrage, Zielgruppen und Umsatzpotenzial.
Eine Szene muss mehr sein als das.
Eine Szene ist mehr als ein Absatzmarkt
Eine lebendige Grow-Szene entsteht nicht dadurch, dass alle dieselben Produkte kaufen.
Sie entsteht dadurch, dass Wissen, Erfahrungen, Genetiken und Verantwortung weitergegeben werden.
Dabei müssen nicht alle Menschen gleich anbauen.
Nicht jeder muss organisch, mineralisch oder in Living Soil arbeiten.
Nicht jeder muss dieselben Produkte, Sorten oder politischen Positionen bevorzugen.
Eine Szene lebt von unterschiedlichen Erfahrungen, Diskussionen und Ansätzen.
Was sie verbindet, sollte jedoch mehr sein als Konsum.
Wir wünschen uns eine Grow-Szene, in der Wissen nicht künstlich zurückgehalten wird, damit später ein Kurs, eine Mitgliedschaft oder ein Produkt verkauft werden kann.
Eine Szene, in der Fehler ebenso offen dokumentiert werden wie Erfolge.
Eine Szene, in der Menschen erklären, warum eine Methode funktioniert und ebenso ehrlich sagen, wann sie nicht funktioniert.
Eine Szene, in der Qualität mehr zählt als Verpackung.
In der Genetik erhalten und fair zugänglich gemacht wird.
In der Nachhaltigkeit eine echte Haltung ist und kein Werbewort.
Und in der nicht automatisch der Lauteste bestimmt, was als Wahrheit gilt.
Auch CannaSelection ist ein wirtschaftlicher Marktteilnehmer
Wer andere Marktteilnehmer kritisiert, muss die eigene Position offen benennen.
CannaSelection verkauft Produkte.
Wir wollen wachsen, wirtschaftlich arbeiten und mit unserer Arbeit Geld verdienen.
Geld zu verdienen ist nicht das Problem.
Die entscheidende Frage ist, ob ein Unternehmen aus der Szene heraus entsteht, Verantwortung übernimmt und einen tatsächlichen Gegenwert liefert oder ob es Cannabis ausschließlich als attraktiven Markt betrachtet.
Wir sind Grower, die ein Unternehmen aufgebaut haben.
Wir haben nicht zuerst einen wachsenden Markt gesehen und anschließend nach einer passenden Geschichte gesucht.
Deshalb versuchen wir bewusst, Wissen auch unabhängig von einem Kauf zugänglich zu machen: über unser Grow Lab, den Grow Doctor, Mischanleitungen, Anbaukonzepte, Sortenbewertungen, Community-Arbeit und politische Projekte.
Niemand muss MicroBio+ oder ein anderes Produkt von CannaSelection kaufen, um diese Informationen zu nutzen.
Wir möchten Produkte entwickeln, die eine nachvollziehbare Funktion erfüllen.
Sie sollen ein konkretes Problem lösen oder ein System sinnvoll ergänzen.
Sie sollen nicht nur existieren, weil sich gerade ein neuer Trend vermarkten lässt.
Und sie dürfen das Denken des Growers nicht ersetzen.
Wirtschaftliches Handeln ist legitim. Problematisch wird es, wenn das Vertrauen einer Szene monetarisiert wird, ohne ihr fachlich, kulturell oder politisch etwas zurückzugeben.
Eine starke Community entsteht nicht dadurch, dass Menschen von einer Marke abhängig werden.
Sie entsteht dadurch, dass Menschen lernen, eigene Entscheidungen zu treffen.
Die Szene muss nicht zurück in die Vergangenheit
Unsere Forderung ist keine romantische Rückkehr in frühere Zeiten.
Die alte Grow-Szene war nicht perfekt.
Auch damals gab es Falschinformationen, schlechte Genetiken, fragwürdige Produkte und Menschen, denen es hauptsächlich um Geld oder Anerkennung ging.
Professionalisierung ist wichtig.
Wir benötigen gute Unternehmen, transparente Produkte, verlässliche Analytik, professionelle Beratung und verantwortungsvolle medizinische Versorgung.
Die Szene braucht nicht weniger Unternehmen.
Sie braucht bessere Unternehmen.
Sie braucht nicht weniger öffentliche Personen.
Sie braucht glaubwürdige Menschen mit nachvollziehbarer Kompetenz.
Sie braucht nicht weniger Content.
Sie braucht Inhalte, die Menschen befähigen, anstatt sie dauerhaft von der nächsten Empfehlung abhängig zu machen.
Professionalisierung darf nicht bedeuten, dass Followerzahlen zur Qualifikation und Marketingbudgets zur Wahrheit werden.
Vielleicht sind wir mehr, als es derzeit scheint
Wer heute durch Instagram scrollt, YouTube öffnet oder über eine große Messe läuft, kann schnell den Eindruck gewinnen, die Grow-Szene bestehe nur noch aus Selbstdarstellung, Rabattcodes, überteuerten Drops und neuen Produkten.
Vielleicht ist das aber nicht die ganze Szene.
Vielleicht sind Menschen mit einer anderen Haltung nur weniger laut.
Vielleicht gibt es noch viele Grower, für die Cannabis mehr ist als Konsum.
Menschen, die Pflanzen verstehen wollen, statt nur maximale Erträge zu zeigen.
Menschen, die Wissen teilen, ohne jede Antwort zuerst in Reichweite oder Umsatz umzurechnen.
Menschen, die Genetik erhalten und zugänglich machen wollen, statt sie durch künstliche Verknappung zum Luxusprodukt zu erklären.
Menschen, die lieber ein langlebiges, funktionierendes System aufbauen, als jedem neuen Trend hinterherzulaufen.
Menschen, die Nachhaltigkeit als Verantwortung gegenüber Ressourcen, Pflanzen und der eigenen Community verstehen.
Wir hoffen, dass es diese Menschen noch gibt.
Und wir glauben, dass es deutlich mehr sind, als soziale Netzwerke derzeit sichtbar machen.
Welche Grow-Szene wollen wir sein?
Die Grow-Szene muss nicht von den größten Accounts, den lautesten Personen oder den höchsten Werbebudgets definiert werden.
Sie wird auch von den Menschen geprägt, die entscheiden, wem sie zuhören, wem sie vertrauen und wofür sie ihr Geld ausgeben.
Deshalb sollten wir wieder häufiger fragen:
Worauf basiert diese Empfehlung?
Was hat diese Person selbst entwickelt, dokumentiert oder gelernt?
Kann sie Zusammenhänge erklären oder nur fertige Aussagen wiederholen?
Welchen konkreten Nutzen besitzt das beworbene Produkt?
Brauche ich es wirklich?
Welche Werte unterstütze ich durch meinen Konsum?
Und welche Grow-Szene möchte ich selbst mitgestalten?
Unser Fazit
Eine große Community ist kein Beleg für Fachwissen.
Ein professionelles Video ist kein Beleg für eine richtige Aussage.
Eine Markenkooperation ist kein Qualitätszertifikat.
Und ein selbstbewusst vorgetragener Satz wird nicht wahr, nur weil ihm 200.000 Menschen zuhören.
Reichweite ist keine Kompetenz.
Lautstärke ist kein Wissen.
Und nicht jeder, der über unsere Szene spricht, ist automatisch ein Teil von ihr.
Wir wollen eine Grow-Szene, in der Wissen mehr zählt als Reichweite.
In der Qualität mehr zählt als Hype.
In der Genetik erhalten, dokumentiert und fair zugänglich gemacht wird.
In der Nachhaltigkeit mehr zählt als der nächste Verkauf.
Und in der Menschen nicht als Zielgruppe, sondern als Teil einer Gemeinschaft betrachtet werden.
Vielleicht denken deutlich mehr Menschen so, als es derzeit den Anschein hat.
Wenn du ebenfalls eine Grow-Szene willst, die mehr ist als ein Absatzmarkt, dann teile diesen Beitrag.
Nicht nur, um einen Algorithmus zu bedienen.
Sondern damit sichtbar wird, dass es noch Menschen gibt, die für Wissen, Haltung, Nachhaltigkeit und echte Gemeinschaft stehen.




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