Das Leitungswasser ist hart. Kalkflecken bedecken die Armaturen. Der Wasserkocher muss ständig entkalkt werden. Also wird eine Enthärtungsanlage eingebaut.
Nach der Anlage zeigt der Test nur noch 4 °dH. Das Wasser fühlt sich weich an. Kalkablagerungen verschwinden. Für den Grow scheint das zunächst perfekt zu sein.
Genau hier beginnt das Problem.
Denn die klassische Anlage im Haus entfernt die gelösten Salze nicht aus dem Wasser. Sie tauscht hauptsächlich Calcium und Magnesium gegen Natrium aus.
Aus hartem Wasser wird dadurch weiches Wasser. Aus hartem Wasser wird aber kein reines oder mineralarmes Wasser.
Im ungünstigen Fall gießt du deine Pflanzen deshalb mit einem Wasser, das wenig Calcium und Magnesium enthält. Gleichzeitig kann es rund 100 mg/L Natrium oder mehr liefern.
Für Dusche, Waschmaschine und Heizsystem kann das sinnvoll sein. Für Cannabis ist es häufig die falsche Wasseraufbereitung.
„Eine Hausenthärtungsanlage macht Wasser weich. Sie macht es aber nicht automatisch pflanzenfreundlich. Wer Calcium und Magnesium gegen Natrium tauscht verschiebt das Problem nur. Im Grow meist in die falsche Richtung.“
Tobi, CannaSelection
Das Wichtigste in 30 Sekunden
Eine klassische Hausenthärtungsanlage ist keine echte Entsalzungsanlage.
Pro entferntem Grad deutscher Härte steigt der Natriumgehalt um rund 8,2 mg/L.
Wird Wasser von 15 auf 4 °dH enthärtet kommen ungefähr 90 mg/L Natrium hinzu.
Besonders problematisch ist das in rezirkulierenden Hydrosystemen. Auch Coco und Living Soil können langfristig betroffen sein.
Umkehrosmose und echte Vollentsalzung arbeiten nach einem anderen Prinzip.
Eine Hausentsalzungsanlage ist meistens gar keine Entsalzungsanlage
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden viele Anlagen als Entkalkungsanlage oder Hausentsalzungsanlage bezeichnet.
Technisch handelt es sich in den meisten Wohnhäusern um eine Enthärtungsanlage mit Kationenaustauscher.
Der Unterschied ist entscheidend.
Eine echte Entsalzung reduziert die Konzentration gelöster Ionen im Wasser.
Eine klassische Hausenthärtung tauscht bestimmte Ionen gegen andere Ionen aus.
Das Harz in der Anlage bindet die Härtebildner Calcium und Magnesium. Gleichzeitig gibt es Natrium an das Wasser ab.
Vereinfacht sieht die Reaktion so aus:
2 R–Na + Ca²⁺ → R₂–Ca + 2 Na⁺
Dasselbe geschieht mit Magnesium.
Das Harz nimmt ein zweifach positiv geladenes Calciumion auf. Dafür gibt es zwei einfach positiv geladene Natriumionen ab.
Ist das Harz erschöpft wird es mit einer Kochsalzlösung regeneriert. Calcium und Magnesium werden dabei ausgespült. Anschließend steht das Harz wieder in der Natriumform zur Verfügung.
Das zusätzliche Natrium im enthärteten Wasser ist deshalb kein Versehen.
Es ist das Funktionsprinzip der Anlage.
Weiches Wasser ist nicht automatisch salzarmes Wasser
Die Wasserhärte beschreibt im Wesentlichen die Konzentration von Calcium und Magnesium.
Sie sagt nicht wie viel Natrium, Chlorid, Sulfat, Nitrat oder Hydrogencarbonat im Wasser enthalten ist.
Wenn eine Enthärtungsanlage die Härte reduziert sinken Calcium und Magnesium.
Die übrigen gelösten Bestandteile verschwinden dadurch nicht.
Besonders wichtig ist Hydrogencarbonat. Es gehört zu den negativ geladenen Anionen des Wassers.
Ein klassischer Kationenaustauscher entfernt aber nur positiv geladene Ionen.
Hydrogencarbonat, Sulfat, Chlorid und Nitrat bleiben weitgehend erhalten.
Vereinfacht gesagt kann aus calciumreichem Hydrogencarbonatwasser nach der Enthärtung natriumreiches Hydrogencarbonatwasser werden.
| Wasserwert | Vor der Enthärtung | Nach der Enthärtung |
|---|---|---|
| Calcium | höher | deutlich niedriger |
| Magnesium | höher | deutlich niedriger |
| Natrium | häufig niedrig | deutlich höher |
| Hydrogencarbonat | vorhanden | weiterhin vorhanden |
| Gesamthärte | hoch | niedrig |
| Eignung für den Grow | abhängig von der Analyse | nicht automatisch besser |
Auch der pH-Wert verändert sich bei einer klassischen Enthärtung meist nur wenig.
Das Problem einer hohen Alkalinität wird deshalb nicht automatisch gelöst.
Ein Wasser kann nach der Anlage nur 4 °dH besitzen und trotzdem weiterhin sehr viel Hydrogencarbonat enthalten.
Die entscheidende Zahl: 8,2 mg/L Natrium pro entferntem °dH
Der Natriumzuwachs lässt sich überraschend genau berechnen.
Bei einer Reduzierung der Wasserhärte um 1 °dH steigt der Natriumgehalt um rund 8,2 mg/L.
Die einfache Formel lautet:
Natrium nach der Enthärtung = Natrium im Rohwasser + 8,2 × entfernte °dH
Die entfernte Härte ergibt sich aus:
Ausgangshärte − eingestellte Resthärte
Beispiel: Von 15 auf 4 °dH
Das Rohwasser besitzt:
- 15 °dH
- 10 mg/L Natrium
Die Anlage wird auf 4 °dH Resthärte eingestellt.
Damit werden 11 °dH entfernt:
15 − 4 = 11 °dH
Der zusätzliche Natriumeintrag beträgt:
11 × 8,2 mg/L = 90,2 mg/L Natrium
Zusammen mit den bereits vorhandenen 10 mg/L ergibt sich:
10 + 90,2 = rund 100 mg/L Natrium
Aus einem Leitungswasser mit unauffälligen 10 mg/L Natrium wird durch die Enthärtung ein Wasser mit rund 100 mg/L.
Weitere Beispiele
| Ausgangshärte | Resthärte | Entfernte Härte | Zusätzliches Natrium |
| 15 °dH | 4 °dH | 11 °dH | ca. 90 mg/L |
| 20 °dH | 4 °dH | 16 °dH | ca. 131 mg/L |
| 25 °dH | 4 °dH | 21 °dH | ca. 172 mg/L |
| 15 °dH | 0 °dH | 15 °dH | ca. 123 mg/L |
Der bereits im Rohwasser vorhandene Natriumgehalt kommt noch hinzu.
Bei einem Ausgangswasser mit 20 °dH und 10 mg/L Natrium entstehen nach der Enthärtung auf 4 °dH rechnerisch rund 141 mg/L Natrium.
Das Wasser kann damit noch unter dem deutschen Trinkwassergrenzwert von 200 mg/L liegen.
Für eine hydroponische Nährlösung wäre es trotzdem eine sehr ungünstige Ausgangsbasis.
Der gesetzliche Wert bewertet Trinkwasser für Menschen.
Er ist kein Grenzwert für die Bewässerung von Cannabis.
Aus 100 mg/L wird schnell eine relevante Salzfracht
100 mg/L Natrium wirken auf den ersten Blick nicht besonders dramatisch.
Entscheidend ist aber die regelmäßig eingebrachte Gesamtmenge.
Mit 10 Litern Wasser gelangen bei 100 mg/L bereits rund 1 Gramm Natrium in das System.
Mit 100 Litern sind es 10 Gramm Natrium.
In einem Hydrotank bleibt ein Teil dieses Natriums in der Nährlösung zurück.
In einem wiederverwendeten Living-Soil-System kann es sich an Austauschplätzen und in der Bodenlösung anreichern.
In einem kleinen Topf ohne nennenswerten Drain steigt die Konzentration häufig schneller als in einem großen Beet mit regelmäßigem Wasseraustrag.
Der einzelne Gießvorgang ist daher selten das Hauptproblem.
Kritisch wird die dauerhafte Zufuhr über Wochen, Monate und mehrere Runs.
Warum der EC-Wert das Problem nicht zuverlässig zeigt
Viele Grower kontrollieren ihr Wasser über den EC-Wert.
Das ist sinnvoll. Es reicht hier aber nicht aus.
Ein EC-Messgerät misst die elektrische Leitfähigkeit.
Es erkennt nicht welche Ionen diese Leitfähigkeit verursachen.
Ein EC von 0,6 mS/cm kann unter anderem entstehen durch:
- Calcium und Magnesium
- Natrium und Hydrogencarbonat
- Natrium und Chlorid
- Sulfat
- Nitrat
- verschiedene Kombinationen dieser Ionen
Für die Pflanze sind diese Zusammensetzungen nicht gleichwertig.
Durch die Enthärtung kann der EC ähnlich bleiben oder etwas steigen.
Gleichzeitig verändert sich das Ionenprofil massiv.
Aus pflanzenverfügbarem Calcium und Magnesium wird ein großer Natriumanteil.
Der EC zeigt wie viele geladene Teilchen im Wasser vorhanden sind. Er zeigt nicht ob es die richtigen Teilchen sind.
Auch ein Härtestreifen hilft nur begrenzt.
Er kann bestätigen, dass Calcium und Magnesium reduziert wurden.
Den daraus entstandenen Natriumwert zeigt er nicht.
Warum Natrium für Cannabis zum Problem werden kann
Für Cannabis gibt es bisher keinen universell anerkannten Grenzwert für Natrium im Gießwasser.
Die Reaktion hängt von mehreren Faktoren ab:
- Genetik
- Entwicklungsphase
- Medium
- Bewässerungssystem
- Drain
- Nährstoffzusammensetzung
- Dauer der Belastung
- Verhältnis von Natrium zu Calcium, Magnesium und Kalium
Das bedeutet aber nicht, dass hohe Natriumwerte harmlos wären.
Eine kontrollierte Studie mit Drug-Type Cannabis untersuchte unterschiedliche NaCl-Konzentrationen in hydroponischen und aquaponischen Lösungen.
In der Hydroponik begannen Ertrag und Cannabinoidkonzentration im untersuchten Versuchsaufbau bereits ab etwa 5 mmol/L NaCl abzunehmen.
Bei 40 mmol/L traten starke phytotoxische Effekte auf.
Vier von sechs Pflanzen im hydroponischen 40-mM-Versuch starben noch während des Experiments.
Die Autoren empfehlen für rezirkulierende Systeme die NaCl-Konzentration unter 5 mmol/L zu halten.
5 mmol/L NaCl entsprechen ungefähr:
- 115 mg/L Natrium
- 177 mg/L Chlorid
Diese Werte dürfen nicht als direkter Grenzwert für enthärtetes Hauswasser verstanden werden.
Die Studie untersuchte Natrium und Chlorid gemeinsam als Natriumchlorid.
Eine korrekt arbeitende Hausenthärtungsanlage erhöht vor allem Natrium.
Sie erhöht nicht automatisch im gleichen Verhältnis den Chloridgehalt des Nutzwassers.
Die Studie zeigt trotzdem, dass eine dauerhafte Natrium- und Salzbelastung bei Cannabis nicht beliebig hoch sein darf.
Sie zeigt außerdem, dass erste Qualitäts- und Ertragseffekte auftreten können bevor massive sichtbare Schäden entstehen.
Für allgemeine hydroponische Kulturen werden häufig weniger als 50 mg/L Natrium im Ausgangswasser als akzeptabler Orientierungswert genannt.
Das ist kein spezieller Cannabisgrenzwert.
Es ist aber eine sinnvolle Warnschwelle für die Bewertung von Growwasser.
Warum rezirkulierende Hydrosysteme besonders gefährdet sind
In DWC, RDWC, NFT und anderen geschlossenen Systemen wird die Nährlösung immer wieder verwendet.
Genau das macht Natrium dort besonders problematisch.
Die Pflanze nimmt Wasser und Nährstoffe nicht im gleichen Verhältnis auf.
Ein Teil des Wassers wird transpiriert.
Natrium wird dagegen nur begrenzt genutzt.
Nicht aufgenommene Ionen verbleiben in der Lösung.
Wird der Tank anschließend immer wieder mit natriumhaltigem Wasser aufgefüllt kann die Natriumkonzentration weiter steigen.
Dabei entstehen mehrere Risiken:
- Der osmotische Druck der Nährlösung nimmt zu.
- Die Wasseraufnahme kann schwieriger werden.
- Das Verhältnis von Natrium zu Kalium, Calcium und Magnesium verschiebt sich.
- Der EC steigt durch Ionen, die nicht Teil der geplanten Düngestrategie sind.
- Die Nährlösung muss früher vollständig gewechselt werden.
- Mangelbilder können entstehen, obwohl rechnerisch ausreichend Nährstoffe dosiert wurden.
Besonders ungünstig ist die Kombination aus:
wenig Calcium + wenig Magnesium + viel Natrium + weiterhin hoher Alkalinität
Genau dieses Profil kann eine klassische Hausenthärtung erzeugen.
Coco und mineralische Substrate sind ebenfalls betroffen
Coco, Steinwolle und andere soilless Medien besitzen mehr Puffer als eine frei zirkulierende Nährlösung.
Sie machen Natrium aber nicht unschädlich.
In einem Drain-to-Waste-System kann ein Teil der eingetragenen Salze mit dem Drain ausgetragen werden.
Das reduziert die Akkumulation.
Dafür muss aber ausreichend niedrig belastetes Wasser zur Verfügung stehen.
Wird ständig natriumreiches Wasser eingesetzt bleibt Natrium ein Bestandteil jeder neuen Nährlösung.
Der verfügbare EC-Rahmen wird dadurch kleiner.
Ein Teil der Leitfähigkeit ist bereits belegt bevor der eigentliche Dünger hinzukommt.
In rezirkulierenden Coco-Systemen ist das Risiko noch höher.
Dort verbindet sich die Salzbelastung des Ausgangswassers mit der Anreicherung im Kreislauf.
Coco besitzt zudem eine ausgeprägte Kationenaustauschkapazität.
Die Verhältnisse von Kalium, Calcium, Magnesium und Natrium sind daher besonders relevant.
Ein niedriger Härtewert allein sagt nicht ob das Wasser für Coco geeignet ist.
Living Soil puffert das Problem. Es löst es nicht.
In einem großen Living-Soil-System treten Natriumprobleme häufig langsamer auf als in Hydro.
Das liegt an den vorhandenen Puffern:
- organische Substanz
- Humus
- Tonminerale
- Pflanzenkohle
- Calcium- und Magnesiumreserven
- große Bodenvolumen
- Kationenaustauschplätze
Diese Bestandteile können Kationen vorübergehend binden.
Natrium verschwindet dadurch aber nicht.
Natrium ist ein chemisches Element.
Mikroorganismen können es weder abbauen noch in Luft umwandeln.
Sie können die Reaktion einer Pflanze auf Salzstress beeinflussen.
Sie können Natrium aber nicht aus einem geschlossenen Beet entfernen.
Gerade in No-Till-Systemen entsteht deshalb ein langfristiges Risiko.
Das Medium wird über mehrere Runs verwendet.
Es gibt häufig wenig Drain.
Jeder Gießvorgang bringt eine weitere kleine Natriummenge in das System.
Ein großes Beet kann diese Menge zunächst besser verdünnen als ein kleiner Topf.
Die lange Nutzungsdauer macht die Gesamtfracht aber umso relevanter.
Was Natrium im Boden verändern kann
In mineralischen Böden wird das Natriumrisiko häufig über die Sodium Adsorption Ratio bewertet.
Kurz wird sie als SAR bezeichnet.
Sie setzt Natrium ins Verhältnis zu Calcium und Magnesium.
Ein hoher relativer Natriumanteil kann dazu führen, dass Natrium zunehmend Austauschplätze besetzt.
Calcium und Magnesium werden verdrängt.
Bei tonreichen Böden kann die Stabilität der Bodenaggregate sinken.
Tonpartikel können dispergieren.
Infiltration und Luftführung verschlechtern sich.
Ein hoher Hydrogencarbonatgehalt kann dieses Risiko verstärken.
Hydrogencarbonat begünstigt unter bestimmten Bedingungen die Ausfällung von Calcium und Magnesium.
Damit steigt der relative Natriumanteil weiter.
Diese landwirtschaftlichen Grenzwerte dürfen nicht direkt auf jeden Cannabis-Topf übertragen werden.
Ein torf-, coco- oder kompostbasiertes Substrat verhält sich anders als ein mineralischer Ackerboden.
Die zugrunde liegende Chemie bleibt trotzdem relevant:
Je weniger Calcium und Magnesium vorhanden sind und je höher der Natriumanteil wird desto ungünstiger wird das Kationenverhältnis.
Für Fortgeschrittene: Wie stark sich die Wasserchemie verschieben kann
Nehmen wir ein beispielhaftes hartes Leitungswasser:
- Calcium: 80 mg/L
- Magnesium: 16 mg/L
- Natrium: 10 mg/L
- Hydrogencarbonat: 250 mg/L
- Gesamthärte: rund 15 °dH
Vor der Enthärtung liegt die berechnete SAR bei ungefähr 0,27.
Wird dieses Wasser auf 4 °dH verschnitten und werden Calcium und Magnesium dabei proportional reduziert ergibt sich näherungsweise:
- Calcium: rund 21 mg/L
- Magnesium: rund 4 mg/L
- Natrium: rund 100 mg/L
- Hydrogencarbonat: weiterhin rund 250 mg/L
Die berechnete SAR steigt dadurch auf ungefähr 5,2.
Auch der RSC-Wert verändert sich.
Er steigt in diesem Modell von ungefähr −1,2 auf +2,7 meq/L.
Die FAO ordnet RSC-Werte über 2,5 meq/L in klassischen Bewässerungsmodellen als problematisch ein.
Diese Einstufung bezieht sich auf landwirtschaftliche Böden.
Sie ist kein Cannabisgrenzwert.
Die Modellrechnung zeigt aber deutlich wie stark eine Enthärtungsanlage die chemische Richtung des Wassers verändern kann.
Das Wasser sieht anschließend sauberer aus.
Es bildet weniger Kalk.
Für die Bodenchemie kann es trotzdem erheblich ungünstiger sein.
Warum CalMag das Natriumproblem nicht behebt
Eine naheliegende Reaktion lautet:
„Dann gebe ich einfach wieder Calcium und Magnesium hinzu.“
Damit lässt sich ein Teil des Ca-Mg-Defizits ausgleichen.
Das Natrium wird dadurch aber nicht entfernt.
Du erhältst dann:
- zusätzliches Calcium
- zusätzliches Magnesium
- weiterhin das gesamte Natrium
- einen höheren Gesamt-EC
CalMag kann die Ionenverhältnisse verbessern.
Es macht aus natriumreichem Wasser aber kein natriumarmes Wasser.
Dasselbe gilt für Gips.
Calcium aus Gips kann in sodischen Mineralböden helfen Natrium von Austauschplätzen zu verdrängen.
Anschließend muss dieses Natrium jedoch mit geeignetem Wasser aus dem Wurzelraum ausgewaschen werden.
Ohne Drain oder Auswaschung wird das Natrium lediglich von einem Ort an einen anderen verschoben.
Auch eine pH-Korrektur entfernt kein Natrium.
Säure kann Hydrogencarbonat neutralisieren.
Das Natriumion bleibt dennoch in der Lösung.
Hausenthärtung, Vollentsalzer und Umkehrosmose sind nicht dasselbe
Bei der Wasseraufbereitung werden mehrere Verfahren häufig miteinander verwechselt.
Klassische Hausenthärtungsanlage
Eine klassische Anlage verwendet einen Kationenaustauscher in Natriumform.
Sie reduziert:
- Calcium
- Magnesium
- Gesamthärte
Sie erhöht:
- Natrium
Sie entfernt nicht gezielt:
- Hydrogencarbonat
- Chlorid
- Sulfat
- Nitrat
- die gesamte gelöste Salzfracht
Als direkte Growwasserquelle ist dieses Wasser deshalb häufig ungeeignet.
Mit Kaliumchlorid regenerierte Enthärtungsanlage
Einige Enthärtungsanlagen werden mit Kaliumchlorid statt Natriumchlorid regeneriert.
In diesem Fall wird Calcium und Magnesium überwiegend gegen Kalium getauscht.
Damit entsteht nicht dasselbe Natriumproblem.
Eine echte Entsalzung findet aber weiterhin nicht statt.
Das Wasser wird kaliumreicher.
Calcium und Magnesium sinken.
Besonders in mineralischen Nährlösungen muss dieser zusätzliche Kaliumeintrag berücksichtigt werden.
Auch solches Wasser sollte analysiert und nicht allein anhand der Resthärte bewertet werden.
Was Kationen- und Anionenaustauscher aus der Aquaristik anders machen
In der Aquaristik werden häufig sogenannte Vollentsalzer eingesetzt.
Diese bestehen aus einem Kationen- und einem Anionenaustauscher.
Beide Harze müssen jedoch in der richtigen Ionenform betrieben werden.
Kationenaustauscher in Wasserstoffform
Der erste Austauscher bindet positiv geladene Ionen wie:
- Calcium
- Magnesium
- Natrium
- Kalium
Dafür gibt er Wasserstoffionen ab:
R–H + Na⁺ → R–Na + H⁺
Nach dieser Stufe wurden die Kationen reduziert.
Das Wasser ist jedoch stark sauer und noch nicht vollständig entsalzt.
Anionenaustauscher in Hydroxidform
Der zweite Austauscher bindet negativ geladene Ionen wie:
- Chlorid
- Sulfat
- Nitrat
- Hydrogencarbonat
Dafür gibt er Hydroxidionen ab:
R–OH + Cl⁻ → R–Cl + OH⁻
Wasserstoff- und Hydroxidionen reagieren anschließend zu Wasser:
H⁺ + OH⁻ → H₂O
Das Gesamtergebnis ist eine echte Demineralisierung.
Dabei werden auch Natrium und die zugehörigen Anionen entfernt.
Beide Harze können getrennt angeordnet oder als Mischbettharz kombiniert werden.
Nicht jeder Anionenaustauscher ist ein Vollentsalzer
Entscheidend ist die Ionenform des Harzes.
Ein Anionenaustauscher kann beispielsweise in Chloridform betrieben werden.
Dann kann er Nitrat oder Hydrogencarbonat aufnehmen und Chlorid abgeben.
Das ist keine vollständige Entsalzung.
Die Bezeichnung „Kationen- und Anionenaustauscher“ allein reicht daher nicht aus.
Entscheidend sind:
- verwendete Harztypen
- Ionenform der Harze
- Reihenfolge der Stufen
- Regenerationsverfahren
- Restleitfähigkeit
- Zustand und Erschöpfung der Harze
Ein echter Vollentsalzer kann eine geeignete Wasserbasis liefern.
Das erzeugte Wasser muss anschließend aber kontrolliert in die Dünge- oder Remineralisierungsstrategie eingebunden werden.
Für die meisten Homegrower ist eine Umkehrosmoseanlage einfacher zu betreiben als ein regenerierbarer Vollentsalzer mit Säuren und Laugen.
Warum Umkehrosmose für den Grow meist die sinnvollere Lösung ist
Eine Umkehrosmoseanlage arbeitet nicht über den Austausch von Calcium gegen Natrium.
Das Wasser wird unter Druck durch eine semipermeable Membran geführt.
Ein großer Teil der gelösten Salze und anorganischen Ionen wird dabei im Konzentrat zurückgehalten.
Dazu gehören je nach Membran und Betriebsbedingungen unter anderem:
- Natrium
- Calcium
- Magnesium
- Chlorid
- Sulfat
- Nitrat
- Hydrogencarbonat
Das Permeat besitzt dadurch eine deutlich geringere Mineralisierung.
Es bietet eine kontrollierbare Basis für Nährlösungen oder eine gezielte Verschneidung.
Das bedeutet nicht, dass Osmosewasser automatisch fertig für jede Pflanze ist.
In Hydro werden die benötigten Nährstoffe anschließend über die Nährlösung aufgebaut.
In Living Soil kann Osmosewasser mit geeignetem Rohwasser verschnitten oder gezielt remineralisiert werden.
Entscheidend ist das gewünschte Endprofil.
Bei einer Umkehrosmoseanlage sollten regelmäßig kontrolliert werden:
- Leitfähigkeit des Eingangswassers
- Leitfähigkeit des Permeats
- Rückhalterate
- Membranzustand
- Filterwechsel
- Druck und Wassertemperatur
Auch eine Osmosemembran entfernt nicht unter allen Bedingungen jedes Ion vollständig.
Das Permeat sollte deshalb gemessen und nicht nur aufgrund der Anlagenbezeichnung bewertet werden.
Eine Enthärtungsanlage vor der Osmoseanlage kann sinnvoll sein
Eine wichtige Ausnahme darf nicht fehlen.
Eine Hausenthärtungsanlage kann als Vorbehandlung einer Umkehrosmoseanlage technisch sinnvoll sein.
Calcium und Magnesium können auf der Membran Ablagerungen bilden.
Werden diese Härtebildner vor der Membran gegen Natrium ausgetauscht sinkt das Risiko für Carbonat- und Sulfatablagerungen.
Das natriumreiche Wasser wird anschließend durch die Osmosemembran geführt.
Dort wird ein großer Teil des Natriums zurückgehalten.
Die entscheidende Reihenfolge lautet:
Enthärtungsanlage → Umkehrosmose → Grow
Problematisch ist:
Enthärtungsanlage → direkt in Tank oder Gießkanne
Eine Enthärtungsanlage vor der Osmose kann die Membran schützen.
Sie ersetzt die Osmose aber nicht.
Osmosewasser besser nicht mit enthärtetem Wasser verschneiden
Viele Grower mischen Osmosewasser mit Leitungswasser.
Damit lassen sich Calcium, Magnesium und Hydrogencarbonat kontrolliert zurückführen.
Dafür sollte nach Möglichkeit das unbehandelte Rohwasser vor der Enthärtungsanlage genutzt werden.
Voraussetzung ist, dass dessen Wasseranalyse zur gewünschten Verschneidung passt.
Wird Osmosewasser dagegen mit natriumreichem Wasser aus der Enthärtungsanlage gemischt wird ein Teil des gerade entfernten Natriums wieder zurückgegeben.
Die bessere Kombination ist daher meist:
Osmosewasser + analysiertes Rohwasser
oder:
Osmosewasser + gezielte Remineralisierung
Nicht:
Osmosewasser + unbekanntes Wasser nach der Hausenthärtung
Woran du erkennst, ob dein Growwasser betroffen ist
Der Bericht deines Wasserversorgers reicht nicht aus wenn das Wasser im Haus anschließend enthärtet wird.
Die Versorgeranalyse beschreibt das Wasser vor der privaten Hausanlage.
Für deinen Grow zählt das Wasser, das tatsächlich aus dem verwendeten Hahn kommt.
Eine aussagekräftige Analyse sollte mindestens enthalten:
- Natrium
- Calcium
- Magnesium
- Hydrogencarbonat oder Alkalinität
- Chlorid
- Sulfat
- elektrische Leitfähigkeit
- pH-Wert
- Gesamthärte
Die Probe muss hinter der Enthärtungsanlage entnommen werden.
Für eine vollständige Bewertung ist zusätzlich eine zweite Probe vor der Anlage sinnvoll.
Der Vergleich zeigt wie stark sich das Wasserprofil verändert hat.
Ein Härtestreifen und ein EC-Messgerät können diese Analyse nicht ersetzen.
Beide erkennen den Natriumwert nicht direkt.
Was du tun solltest, wenn dein Haus eine Enthärtungsanlage besitzt
Prüfe zuerst ob es eine Entnahmestelle vor der Anlage gibt.
In vielen Installationen besitzen Außenhähne, Kelleranschlüsse oder separate Küchenleitungen einen Bypass.
Das ist aber nicht garantiert.
Ist unbehandeltes Wasser verfügbar sollte dieses analysiert werden.
Je nach Ausgangsprofil kann es direkt verwendet, mit Osmosewasser verschnitten oder vollständig über eine Osmoseanlage aufbereitet werden.
Ist nur enthärtetes Wasser verfügbar sind drei Wege sinnvoll:
- Das Wasser nach der Anlage im Labor untersuchen lassen.
- Das enthärtete Wasser über eine Umkehrosmoseanlage führen.
- Eine separate Leitung vor der Enthärtung installieren lassen.
Nicht sinnvoll ist es, den fehlenden Calcium- und Magnesiumgehalt nur über CalMag zu korrigieren und den Natriumwert zu ignorieren.
Praxis-Einordnung für verschiedene Grow-Systeme
| System | Risiko durch natriumenthärtetes Wasser | Einordnung |
| DWC, RDWC, NFT | sehr hoch | Natrium kann sich im Kreislauf anreichern |
| Rezirkulierendes Coco | sehr hoch | Kombination aus Kreislauf und Kationenaustausch |
| Coco mit Drain | hoch | Austrag möglich, Natrium bleibt Teil jeder neuen Nährlösung |
| Steinwolle mit Drain | hoch | wenig chemischer Puffer, hoher Anspruch an Ausgangswasser |
| Kleine organische Töpfe | mittel bis hoch | begrenztes Volumen und häufig geringer Drain |
| Großes Living-Soil-Beet | zunächst geringer, langfristig relevant | große Pufferung, aber hohe kumulative Wasserfracht |
| No-Till und Reuse | langfristig hoch | Natrium bleibt über mehrere Runs im System |
| Outdoor im Boden | standortabhängig | Bodenart, Niederschlag und Auswaschung entscheiden |
Diese Einordnung ist keine starre Grenzwerttabelle.
Sie zeigt wie stark das jeweilige System eine regelmäßige Natriumzufuhr puffern oder austragen kann.
Häufige Fragen zu Hausenthärtungsanlagen und Cannabis
Ist Wasser mit 4 °dH gut für Cannabis?
Nicht automatisch.
4 °dH sagt nur, dass wenig Calcium und Magnesium vorhanden sind.
Der Natrium- und Hydrogencarbonatgehalt kann trotzdem hoch sein.
Ohne vollständige Analyse lässt sich die Groweignung nicht bewerten.
Kann ich den Natriumwert aus der Härtereduzierung berechnen?
Ja.
Für eine klassische natriumregenerierte Enthärtungsanlage gilt näherungsweise:
Zusätzliches Natrium in mg/L = entfernte °dH × 8,2
Zum Ergebnis kommt der ursprüngliche Natriumwert des Rohwassers hinzu.
Reicht es, CalMag hinzuzugeben?
Nein.
CalMag bringt Calcium und Magnesium zurück.
Das Natrium bleibt vollständig im Wasser.
Gleichzeitig steigt der EC weiter.
Entfernt pH-Minus das Natrium?
Nein.
Säure kann Hydrogencarbonat neutralisieren und den pH-Wert senken.
Das Natriumion bleibt in der Lösung.
Können Mikroorganismen Natrium abbauen?
Nein.
Mikroorganismen können Pflanzenreaktionen beeinflussen und bestimmte Stresswirkungen abmildern.
Natrium selbst ist ein Element und kann biologisch nicht abgebaut werden.
Ist ein Vollentsalzer aus der Aquaristik geeignet?
Ein echter Vollentsalzer mit H⁺-Kationenaustauscher und OH⁻-Anionenaustauscher kann auch Natrium und Hydrogencarbonat entfernen.
Das Ergebnis muss über die Leitfähigkeit überwacht werden.
Erschöpfte Harze müssen ersetzt oder fachgerecht regeneriert werden.
Das Wasser muss anschließend passend zum Grow-System aufgebaut werden.
Ist eine Osmoseanlage besser?
Für die meisten Grower ja.
Eine Umkehrosmoseanlage reduziert nicht nur die Härte.
Sie reduziert auch Natrium, Hydrogencarbonat und weitere gelöste Salze.
Dadurch entsteht eine kontrollierbarere Wasserbasis.
Kann die Hausenthärtungsanlage vor der Osmose bleiben?
Ja.
Als Vorbehandlung kann sie die Osmosemembran vor Härteablagerungen schützen.
Das Wasser sollte danach aber durch die Osmosemembran laufen und nicht direkt für den Grow verwendet werden.
Gilt der Trinkwassergrenzwert von 200 mg/L auch für Cannabis?
Nein.
Der Wert stammt aus der Trinkwasserverordnung und bewertet Wasser für den menschlichen Gebrauch.
Er ist kein pflanzenbaulicher Grenzwert.
Unser Fazit: Die Anlage schützt das Haus, nicht den Wurzelraum
Eine klassische Hausenthärtungsanlage wurde entwickelt, um Kalkablagerungen in Leitungen, Armaturen und Haushaltsgeräten zu reduzieren.
Sie wurde nicht entwickelt, um optimales Growwasser herzustellen.
Der entscheidende Fehler liegt in der Annahme, weiches Wasser sei automatisch reines Wasser.
Tatsächlich kann die Enthärtung ein calcium- und magnesiumreiches Leitungswasser in ein natriumreiches Wasser mit weiterhin hoher Alkalinität verwandeln.
Bei einer Reduzierung von 15 auf 4 °dH entstehen rund 90 mg/L zusätzliches Natrium.
Zusammen mit dem ursprünglichen Natriumgehalt sind Werte um 100 mg/L schnell erreicht.
In Hydro kann sich dieses Natrium im Kreislauf anreichern.
In Coco belastet es den verfügbaren EC-Rahmen und die Kationenverhältnisse.
In Living Soil wird es zunächst gepuffert.
Bei dauerhafter Bewässerung, No-Till und wiederverwendeten Böden bleibt die Gesamtfracht trotzdem im System.
Unser Standpunkt bei CannaSelection ist deshalb klar:
Wasser aus einer klassischen natriumregenerierten Hausenthärtungsanlage sollte nicht ungeprüft als Growwasser verwendet werden.
Nutze nach Möglichkeit unbehandeltes Rohwasser, Umkehrosmose oder einen korrekt aufgebauten Vollentsalzer.
Analysiere immer das Wasser an der tatsächlichen Entnahmestelle.
Denn ein funktionierender Grow beginnt nicht bei der Flasche.
Er beginnt mit der Wasserchemie.
- DVGW: Wasseraufbereitung in der Trinkwasserinstallation
- Deutsche Trinkwasserverordnung
- Yep et al.: Auswirkungen unterschiedlicher NaCl-Konzentrationen auf Drug-Type Cannabis in hydroponischen und aquaponischen Systemen
- Oklahoma State University: Orientierungswerte für Wasser in hydroponischen Kulturen
- FAO: SAR, RSC und Natriumrisiken in Bewässerungswasser
- DuPont: Grundlagen von Kationen-, Anionen- und Mischbettaustauschern
- EPA: Funktionsweise klassischer Kationenaustausch-Enthärtungsanlagen und Umkehrosmose




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