Du freust dich auf die Ernte, auf den Geruch der Blüten und auf die Sorte, die du ausgesucht hast. Und dann kommt der Tipp, die frisch geernteten Buds erst einmal zu waschen.
Bei einer verstaubten Outdoor-Ernte klingt das durchaus vernünftig. Bei sauberen Blüten fragt man sich dagegen, wofür der zusätzliche Aufwand gut sein soll. Schließlich möchte man nach dem Grow möglichst viel von dem erhalten, was die Pflanze entwickelt hat.
Damit sind wir mitten in der Diskussion um Bud Washing. Und bei einer Frage, die dabei zu schnell abgehakt wird: Was passiert mit dem Aroma?
Wenn das Waschwasser anschließend nach Cannabis riecht, sollten wir darüber sprechen. Genauso wie über den möglichen Nutzen bei Staub und über die zusätzliche Feuchtigkeit. Water Curing gehört ebenfalls dazu. Allerdings geht es dabei um deutlich mehr als eine kurze Reinigung.
Bud Washing und Water Curing unterscheiden sich deutlich
Beim Bud Washing werden geerntete Blüten kurz in Wasser gereinigt. Der Gedanke dahinter ist, anhaftenden Staub und andere oberflächliche Verschmutzungen zu entfernen. Danach folgen Trocknung und die weitere Nachbehandlung. Je nach Methode kommt ausschließlich Wasser zum Einsatz oder es werden Zusätze verwendet. Beim Water Curing bleiben die Blüten dagegen längere Zeit im Wasser. Dabei sollen wasserlösliche Bestandteile aus dem Pflanzenmaterial austreten. Anschließend wird ebenfalls getrocknet. Die Methode wird vor allem mit einem milderen Geschmack und einer schnelleren Alternative zum üblichen Curing beworben.
Das macht für die Bewertung einen großen Unterschied. Eine kurze Oberflächenreinigung und längeres Einweichen sind keine gleichwertigen Eingriffe. Wer gute Erfahrungen mit Bud Washing gemacht hat, kann daraus nicht automatisch auf Water Curing schließen. Umgekehrt sagt ein Aromaverlust beim Water Curing noch nicht, wie stark sich eine kurze Wäsche auswirkt.
Warum riecht das Waschwasser nach Terpenen?
Genau hier wird das Versprechen vom verlustfreien Waschen fragwürdig.
Royal Queen Seeds schreibt im eigenen Bud-Washing-Ratgeber, dass vorsichtiges Waschen Geschmack und Wirkung nicht beeinträchtige. Die Begründung: Cannabinoide seien wasserabweisend und die Terpene im Harz geschützt.
Das ist uns zu pauschal.
Wenn aufgefangenes Waschwasser nach der Blüte riecht, spricht das dafür, dass geruchsaktive Bestandteile aus der Blüte ins Wasser gelangt sind. Diese Beobachtung sollte man nicht mit dem Hinweis auf wasserabweisendes Harz beiseiteschieben.
Aromastoffe verhalten sich außerdem nicht alle gleich. Linalool und Geraniol lassen sich beispielsweise in begrenztem Umfang in Wasser lösen. Das wurde auch experimentell gemessen. Daraus lässt sich zwar nicht ablesen, wie viel davon beim Waschen einer Blüte austritt. Es zeigt aber, warum die Erklärung „Terpene bleiben grundsätzlich vollständig erhalten“ nicht ausreicht.
Beim Geruch kommt noch etwas dazu: Was wir als typisches Cannabisaroma wahrnehmen, besteht nicht nur aus Terpenen. Auch andere Duftstoffe tragen dazu bei. Manche davon riechen schon in sehr kleinen Mengen intensiv. Ein stark riechendes Waschwasser muss deshalb nicht bedeuten, dass ein großer Teil des gesamten Aromas verloren gegangen ist.
Für uns ergibt sich daraus eine recht einfache Einordnung: Aromaverlust ist möglich. Wie groß er ausfällt, lässt sich nicht am Geruch des Wassers ablesen.
Für die gängigen Waschmethoden haben wir keine verlässlichen Vergleichsmessungen gefunden, mit denen sich eine allgemeine Prozentzahl nennen ließe. Deshalb würden wir weder einen vollständigen Erhalt versprechen noch behaupten, dass Waschen jede Blüte geschmacklich ruiniert.
Wer vor allem auf intensive Terpene und den ursprünglichen Charakter einer Sorte Wert legt, sollte diesen möglichen Verlust aber in die Entscheidung einbeziehen. Er gehört genauso zur Abwägung wie der Schmutz, den man entfernen möchte.
Und was ist mit THC und den Trichomen?
Die Wasserlöslichkeit ist nur ein Teil der Sache. Harz kann auch verloren gehen, ohne sich aufzulösen.
Die Köpfe der Trichome können durch die Bearbeitung der Blüten beschädigt oder abgelöst werden. Das kennt man nicht nur aus der Diskussion ums Waschen. Untersuchungen zur Nacherntebearbeitung zeigen beispielsweise Unterschiede zwischen handgetrimmten und maschinell getrimmten Blüten. Sie sagen allerdings nicht, wie viel bei einer bestimmten Bud-Washing-Methode verloren geht.
Für die Frage nach THC bedeutet das: „Löst sich kaum in Wasser“ ist keine Garantie dafür, dass bei der gesamten Behandlung nichts verloren geht. Wenn sich ein harzhaltiger Drüsenkopf ablöst, spielt die Wasserlöslichkeit seines Inhalts dafür keine Rolle.
Trotzdem wäre es übertrieben, aus diesem möglichen Verlust gleich einen großen Potenzverlust abzuleiten. Dafür fehlen ebenfalls passende Vergleichswerte.
Wir würden die Qualität ohnehin nicht allein am THC festmachen. Eine Blüte kann weiterhin stark wirken und für jemanden, der sie wegen ihres Aromas ausgewählt hat, trotzdem an Qualität verloren haben.
Bei Staub kann Bud Washing einen nachvollziehbaren Nutzen haben
Eine Outdoor-Pflanze steht nicht überall unter denselben Bedingungen. Eine geschützte Terrasse ist etwas anderes als ein Standort mit häufigen Staubablagerungen. Deshalb überzeugt uns weder „Outdoor muss immer gewaschen werden“ noch ein grundsätzliches „Waschen bringt nichts“.
Saharastaub ist dafür ein gutes Beispiel. Solche Staubereignisse betreffen nicht nur Regionen direkt an der Wüste. Staub wird über den Mittelmeerraum transportiert und erreicht regelmäßig auch andere Teile Europas. Copernicus dokumentiert entsprechende Ereignisse bis nach West- und Mitteleuropa.
Wenn tatsächlich eine sichtbare Staubschicht auf den Pflanzen liegt, ist der Wunsch verständlich, sie vor der weiteren Verarbeitung zu entfernen. Bei lose anhaftenden Partikeln ist ein Reinigungseffekt durch Wasser plausibel. Bei anderen pflanzlichen Produkten wird Waschen ebenfalls genutzt, um Oberflächenverschmutzungen zu reduzieren. Das bedeutet aber nicht, dass sich damit alles vollständig entfernen lässt.
Für Cannabisblüten nach einem Saharastaubereignis haben wir keine direkten Vergleichsdaten gefunden. Wir können deshalb keinen bestimmten Reinigungserfolg versprechen.
Trotzdem ist das eine andere Ausgangslage als bei Blüten ohne erkennbare Verschmutzung. Bei einer deutlich verstaubten Ernte steht einem möglichen Aromaverlust immerhin ein konkreter Reinigungszweck gegenüber. Bei bereits sauberen Blüten müsste man erst einmal begründen, welchen zusätzlichen Vorteil die Wäsche bringen soll.
Für uns ist die tatsächliche Verschmutzung das bessere Entscheidungskriterium als die Frage, ob eine Pflanze drinnen oder draußen stand.
Die zusätzliche Feuchtigkeit gehört zur Entscheidung dazu
Nach dem Waschen muss das Wasser wieder aus den Blüten heraus. Das klingt selbstverständlich, ist aber einer der entscheidenden Punkte.
Feuchtigkeit ermöglicht bereits vorhandenen Mikroorganismen, sich unter passenden Bedingungen zu vermehren. Untersuchungen an Cannabis zeigen, dass die Trocknung einen Einfluss auf die spätere Hefe- und Schimmelbelastung hat. Das ist kein Beweis dafür, dass Bud Washing zwangsläufig Schimmel verursacht. Es zeigt aber, warum man das Waschen nicht getrennt von der anschließenden Trocknung bewerten sollte.
Hinzu kommt das Waschwasser selbst. Es kann Verunreinigungen aufnehmen, aber auch zwischen verschiedenen Pflanzenteilen verteilen. Dieses Problem ist aus der Verarbeitung von Obst und Gemüse bekannt. Besonders bei gemeinsam genutztem oder wiederverwendetem Wasser kann sich die Belastung im Wasser aufbauen.
Die Sorge lautet also nicht, dass jeder Wasserkontakt automatisch problematisch wäre. Es geht darum, dass mit der Reinigung ein zusätzlicher Arbeitsschritt entsteht, bei dem ebenfalls etwas schiefgehen kann.
Wer bereits Schwierigkeiten mit der Trocknung hat, sollte das bei der Entscheidung nicht ausblenden. Eine Wäsche löst keine Probleme mit dauerhaft feuchten Blüten. Und eine äußerlich saubere Blüte kann später trotzdem verderben.
Schimmel lässt sich nicht zuverlässig wegwaschen
Bei Schimmel würden wir nicht versuchen, die Ernte durch Waschen doch noch konsumierbar zu machen.
Eine befallene Blüte ist etwas anderes als eine Blüte mit Staub auf der Oberfläche. Auch Royal Queen Seeds grenzt vorhandene Pilzinfektionen ausdrücklich vom möglichen Nutzen des Bud Washings ab.
Dazu kommen mögliche Stoffwechselprodukte der Pilze. Manche Schimmelpilze können Mykotoxine bilden. Viele dieser Stoffe sind relativ stabil. Nur weil ein sichtbarer Belag verschwunden ist, muss eine mögliche Belastung deshalb nicht ebenfalls verschwunden sein. Das gilt auch dann, wenn ein Waschzusatz verwendet wird. Für eine konkrete Behandlung müsste erst gezeigt werden, dass sie die betreffende Belastung zuverlässig beseitigt. Ein solches Verfahren konnten wir für die üblichen Hausmethoden nicht finden.
So ärgerlich befallene Buds nach einem langen Grow sind: Waschen ist keine verlässliche Rettungsmethode für verschimmelte Blüten.
Bei Pestiziden wäre eine Entwarnung genauso voreilig
Auch Pflanzenschutzmittel und andere Rückstände lassen sich nicht als einheitliche Gruppe betrachten. Welche Stoffe vorhanden sind und wo sie sich befinden, macht einen Unterschied.
Bei Lebensmitteln kann Waschen Rückstände reduzieren. Trotzdem können nach der Reinigung noch Rückstände vorhanden sein. Darauf weist auch das National Pesticide Information Center hin. Eine allgemeine Zusage wie „nach dem Waschen pestizidfrei“ lässt sich daraus nicht ableiten.
Für Cannabis gilt erst recht: Ohne zu wissen, womit eine Pflanze behandelt wurde, lässt sich der Erfolg einer Wäsche nicht vernünftig einschätzen.
Wir würden Bud Washing deshalb nicht als nachträgliche Absicherung für unbekannte Spritzmittel darstellen. Die Methode kann eine Oberflächenreinigung sein. Sie ersetzt aber keine Kenntnis darüber, welche Belastung überhaupt vorliegt.
Water Curing verändert mehr als nur die Oberfläche
Beim Water Curing verschiebt sich die ganze Frage. Hier sollen nicht nur anhaftende Partikel entfernt werden. Durch den längeren Wasserkontakt sollen Bestandteile aus der Blüte austreten.
Befürworter beschreiben das Ergebnis als milder und weniger geruchsintensiv. Auch Royal Queen Seeds nennt beim Water Curing ausdrücklich Einbußen bei Geruch und Geschmack. Was beim Bud Washing noch möglichst erhalten bleiben soll, wird hier teilweise als akzeptierter Nachteil oder sogar als Vorteil dargestellt.
Für jemanden, der bewusst ein weniger intensives Aroma möchte, mag das interessant klingen. Wer eine Sorte wegen ihres Duftes und Geschmacks anbaut, dürfte das anders bewerten.
Für uns wäre Water Curing deshalb keine erste Wahl, wenn der Erhalt des ursprünglichen Aromas im Vordergrund steht. Weniger Geruch kann gewünscht sein. Es ist aber keine allgemeine Verbesserung der Blütenqualität.
Außerdem lässt sich der Eingriff nicht auf die angenehme Vorstellung reduzieren, dass ausschließlich unerwünschte Stoffe austreten. Dass ein Bestandteil wasserlöslich ist, sagt noch nichts darüber aus, ob man ihn in der fertigen Blüte behalten möchte. Das gilt auch für aromatische Verbindungen wie Linalool.
Wird dabei das Chlorophyll ausgewaschen?
Diese Erklärung taucht beim Water Curing häufig auf. In dieser einfachen Form stimmt sie nicht.
Natürliches Chlorophyll ist fettlöslich und in Wasser nicht einfach löslich. Grünes Wasser kann trotzdem entstehen, etwa durch feine Pflanzenpartikel. Die Verfärbung allein zeigt deshalb nicht, wie viel Chlorophyll tatsächlich aus der Blüte entfernt wurde.
Das bedeutet nicht, dass längerer Wasserkontakt die Blüte unverändert lässt. Es bedeutet nur, dass „das Wasser zieht das Chlorophyll heraus“ keine ausreichende Erklärung für sämtliche Veränderungen ist.
Für die Bewertung ist ohnehin wichtiger, wie die fertige Blüte riecht, schmeckt und beschaffen ist. Die Wasserfarbe allein sagt darüber wenig aus.
Ist das Ergebnis wirklich milder und gesünder?
Ein weniger kratziges Ergebnis kann subjektiv angenehmer sein. Diese Erfahrung muss man niemandem absprechen. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass weniger Schadstoffe aufgenommen werden.
Auch milder empfundener Cannabisrauch enthält reizende und gesundheitsschädliche Stoffe. Für einen nachgewiesenen gesundheitlichen Vorteil von Water Curing haben wir keine belastbaren direkten Vergleichsdaten gefunden. Wir würden deshalb bei der Beschreibung bleiben, die sich tatsächlich beurteilen lässt: Jemand empfindet das Ergebnis als milder. Die weitergehende Behauptung, es sei dadurch sicherer, braucht einen eigenen Nachweis.
Und warum soll es danach stärker sein?
Hier werden Wirkung und Wirkstoffanteil pro Gramm leicht durcheinandergebracht.
Wenn eine Behandlung andere Bestandteile entfernt und die Wirkstoffmenge vollständig erhalten bliebe, könnte der Wirkstoffanteil pro Gramm steigen. Insgesamt wäre dadurch aber nicht mehr Wirkstoff vorhanden. Es wäre lediglich weniger übrige Masse da.
Ob eine konkrete Wasserbehandlung tatsächlich so abläuft, müsste gemessen werden. Daraus lässt sich jedenfalls kein pauschales Versprechen ableiten, dass Water Curing die Ernte stärker macht.
Wie wir Bud Washing und Water Curing einordnen
Wir würden Bud Washing nicht grundsätzlich ablehnen. Bei deutlich anhaftendem Staub gibt es einen nachvollziehbaren Anlass, über eine Reinigung nachzudenken. Ein möglicher Reinigungseffekt ist aber etwas anderes als eine garantierte Verbesserung der gesamten Blütenqualität.
Bei sauberen Blüten wäre unser Ansatz zurückhaltender. Wenn kein konkretes Problem vorliegt, sehen wir keinen überzeugenden Grund, die Ernte allein aus Gewohnheit zusätzlich zu behandeln. Gerade dann, wenn das Aroma im Mittelpunkt steht.
Water Curing würden wir noch einmal anders bewerten. Es ist eine bewusste Veränderung des Pflanzenmaterials und wird selbst von Befürwortern mit weniger Geruch und Geschmack verbunden. Als Methode für möglichst unverfälschte, aromatische Blüten wäre es deshalb nicht unsere erste Wahl. Royal Queen Seeds
Was uns in der Diskussion fehlt, ist vor allem ein ehrlicher Umgang mit den möglichen Verlusten. Wir müssen nicht behaupten, dass jede Wäsche die Terpene ruiniert. Aber wir sollten auch nicht versprechen, dass garantiert alles erhalten bleibt.
Unser Ausgangspunkt wäre deshalb immer: Was möchtest du von den Blüten entfernen und welchen möglichen Nachteil nimmst du dafür in Kauf?
Bei einer verstaubten Ernte kann die Antwort anders ausfallen als bei sauberen Buds. Bei Schimmel oder unbekannten Rückständen reicht Waschen dagegen nicht als Absicherung. Und wer Water Curing wegen eines milderen Geschmacks interessant findet, sollte wissen, dass weniger Aroma dabei kein überraschender Nebeneffekt ist, sondern Teil der Abwägung.




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