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Kaffee und Cannabis: Eine kulturelle Verbindung mit Geschichte

Kaffee und Cannabis haben eine gemeinsame Geschichte aus Ritualen, Begegnungen und regionalen Gewohnheiten. Von Kif und Tee in Marokko bis zu den Verbindungen nach Spanien: Wir erkunden die kulturellen Hintergründe und zeigen, was eine Studie von 2025 über das Zusammenspiel von THC, Koffein und CBD verrät.

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Kaffee, Minztee und eine botanische Cannabiszeichnung auf einem illustrierten Kaffeehaustisch

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Eine Tasse Kaffee, ein Gespräch, ein Moment ohne Eile. Für manche Menschen gehört Cannabis zu solchen Situationen ganz selbstverständlich dazu. Die Verbindung hat etwas Vertrautes: ein gemeinsamer Rhythmus, ein bestimmter Geschmack, eine Gewohnheit, die man mit anderen teilt.

Wer verstehen möchte, warum Kaffee und Cannabis zusammenfinden, landet schnell bei einer größeren Geschichte. Sie führt nach Nordafrika, zu Kif, Tee und gesellschaftlichen Treffpunkten – und zu den Verbindungen zwischen Marokko und Spanien.

Dabei schwingt eine Frage mit, die bis heute aktuell ist: Passen Kaffee und Cannabis nur als Ritual zusammen, oder gleichen sich ihre Wirkungen tatsächlich aus? Genau an dieser Stelle wird aus Kulturgeschichte eine Frage für die Forschung.

Kaffee und Cannabis: Eine Kombination mit Geschichte

Gewohnheiten brauchen selten eine wissenschaftliche Erklärung, um Teil des Alltags zu werden. Menschen verbinden bestimmte Getränke mit einem Ort, einer Tageszeit oder vertrauten Personen. Der Kaffee nach dem Essen kann den Beginn eines langen Gesprächs markieren. Die Tasse am Nachmittag kann bedeuten, dass jetzt Zeit für eine Pause ist.

Auch die Verbindung zu Cannabis taucht lange vor heutigen Diskussionen über Wirkstoffkombinationen auf. Der spanische Naturforscher Fernando Amor beschrieb 1859 seine Reise durch Nordmarokko. Wie der Historiker Albert Arnavat anhand dieser Berichte zeigt, erzählte Amor von mehreren Tassen Kaffee, die ihn in Tanger wach hielten, und von seinen eigenen Erfahrungen mit Kif. 

Solche Reiseberichte geben Einblicke in damalige Konsumgewohnheiten. Zugleich tragen sie die Erwartungen und Vorurteile ihrer Verfasser mit sich. Arnavat arbeitet heraus, wie stark europäische Darstellungen des Cannabiskonsums in Marokko durch den kolonialen Blick geprägt wurden. Für eine Kulturgeschichte sind diese Texte aufschlussreich; als medizinischer Wirkungsnachweis taugen sie nicht. 

Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen. Hinter dem Bild von Kaffee und Cannabis stehen konkrete Menschen, Orte und Gewohnheiten. Wer diese Geschichte verstehen will, muss auch wissen, was dort eigentlich konsumiert wurde.

Illustrierter Kaffeehaustisch mit Kaffee, Minztee und einem aufgeschlagenen Reisetagebuch zu Cannabis und dem westlichen Mittelmeer

Marokko: Kif, Kaffee und Tee im gesellschaftlichen Alltag

In Marokko führt dieser Blick zunächst zum Kif. Im traditionellen Zusammenhang ist damit unter anderem zerkleinertes Cannabiskraut gemeint, häufig mit Tabak vermischt und in einer schmalen Pfeife, der Sebsi, geraucht. Kif lässt sich deshalb nicht einfach mit dem heute verbreiteten Haschisch gleichsetzen. Die starke Ausrichtung auf die Herstellung von Cannabisharz für europäische Märkte entwickelte sich vor allem seit den 1960er-Jahren. 

Wie eng Getränke und Cannabiskonsum im Alltag zusammenkommen konnten, beschreibt ein Beitrag von J. Bouquet im Bulletin on Narcotics aus dem Jahr 1951. Für Nordafrika schildert er Menschen, die abends einige Pfeifen rauchten und dazu Kaffee oder Tee tranken. Unter anderem nennt er Handwerker und kleine Ladenbesitzer. Auch gemeinschaftliche Treffen und die Zubereitung der Getränke werden beschrieben. 

Der Text ist in Sprache und Bewertung deutlich von seiner Zeit geprägt. Seine pauschalen Aussagen zur Gesundheit sind kein heutiger medizinischer Maßstab. Als historisches Zeugnis hält er aber fest, dass Kaffee, Tee und Cannabis innerhalb bestimmter sozialer Milieus zusammengehörten. Man kann darin ein gemeinsames Abendritual erkennen – eine Interpretation des beschriebenen Alltags, keine Erklärung der körperlichen Wirkung. 

Auch Spanien gehört zu diesem Zusammenhang. Der Historiker Joshua Hill untersucht in seiner Dissertation die Konsumkulturen Spaniens und des damaligen spanischen Protektorats in Marokko zwischen 1920 und 1980. Seine Arbeit zeigt, warum sich Cannabisgeschichte nur verstehen lässt, wenn man die jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Umstände mitliest. 

Von einer überall gleichen spanischen oder marokkanischen Tradition zu sprechen, würde diese Unterschiede verwischen. Treffender ist eine Geschichte regionaler Gewohnheiten und kultureller Begegnungen. Sie erklärt, weshalb die Kombination vertraut wirken kann. Ob ein Kaffee dabei einen Rausch abschwächt, bleibt eine andere Frage.

Was die THC-Koffein-Studie von 2025 untersucht hat

2025 untersuchte ein Team um Justin Strickland diese Wirkungsfrage unter kontrollierten Bedingungen. An der randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie nahmen 20 Erwachsene teil. Sie erhielten oral THC, Koffein und teilweise CBD in unterschiedlichen Kombinationen. Erfasst wurden unter anderem subjektive Wirkungen, Leistungsfähigkeit einschließlich Fahrsimulation und Blutkonzentrationen. 

Koffein veränderte die THC-bedingten subjektiven Wirkungen, Leistungseffekte und den Stoffwechsel nur wenig. Ein verlässlicher Ausgleich der Beeinträchtigungen ließ sich daraus nicht ableiten. 

Die Grenze der Aussage ist wichtig: Untersucht wurde die gemeinsame orale Einnahme. Ein Espresso nach einem gerauchten Joint war kein eigener Versuchsfall. Auch 20 Teilnehmende bilden nicht jede persönliche Reaktion und Konsumsituation ab. 

Damit bekommt die vertraute Vorstellung vom Kaffee als Ausgleich einen Prüfstein. Entscheidend ist, was mit „Ausgleich“ gemeint ist: weniger müde sein, sich klarer fühlen oder tatsächlich wieder sicher reagieren können.

Wach fühlen und nüchtern sein sind unterschiedliche Dinge

Koffein wirkt an Adenosinrezeptoren. Es blockiert dort die Wirkung eines körpereigenen Botenstoffs und kann dadurch anregend wirken. Dieser Mechanismus wurde auch im menschlichen Gehirn untersucht. Das erklärt die Rolle von Koffein als Wachmacher, sagt aber für sich genommen nichts darüber aus, ob es eine andere Substanz ausgleicht. 

Für den Alltag ist diese Unterscheidung entscheidend. Müdigkeit, das Gefühl eines Rauschs und die Fähigkeit, eine anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen, sind verschiedene Dinge. Wer sich wieder gesprächiger oder aufmerksamer erlebt, hat damit noch keinen zuverlässigen Nachweis seiner Leistungsfähigkeit.

Dass Selbsteinschätzung und gemessene Leistung auseinanderliegen können, zeigte eine kontrollierte Studie von 2022 mit 191 Cannabisnutzenden. Nach dem Rauchen nahm die Bereitschaft, wieder zu fahren, im Verlauf zu, obwohl die Leistung im Fahrsimulator noch beeinträchtigt war. Koffein wurde dort nicht untersucht. Die Studie macht jedoch deutlich, weshalb das eigene Gefühl allein als Maßstab problematisch ist. 

Für die Frage nach dem Kaffee bedeutet das: Ein vertrautes Ritual kann sich angenehm und ordnend anfühlen. Daraus lässt sich keine Fahrtüchtigkeit ableiten. 

Und selbst die Vorstellung, man müsse der Kombination nur einen weiteren, vermeintlich ausgleichenden Stoff hinzufügen, hält einer genaueren Betrachtung nicht ohne Weiteres stand.

Welche Rolle CBD in der Untersuchung spielte

Mit zusätzlichem CBD zeigte die Studie von 2025 gegenüber THC allein ein stärkeres berichtetes High und stärkere Beeinträchtigungen. Auch die Blutkonzentrationen von THC und seinem wirksamen Abbauprodukt 11-OH-THC waren höher. Die untersuchte Dreifachkombination bot damit keinen einfachen Gegenpol zur THC-Wirkung. 

Dieser Befund gilt für die untersuchten Bedingungen. Er lässt sich nicht pauschal auf jede CBD-Menge, jedes Produkt und jede Konsumform übertragen. Er widerspricht aber der Erwartung, CBD müsse THC grundsätzlich abschwächen. 

Beim Lesen solcher Ergebnisse lohnt dieselbe Genauigkeit wie bei der Kulturgeschichte. Historisches Kif, heutiges Haschisch und oral verabreichte Wirkstoffe sind unterschiedliche Ausgangspunkte. Wer sie gleichsetzt, übersieht gerade die Details, auf die es ankommt.

Die kulturelle Verbindung zwischen Kaffee und Cannabis erzählt von gemeinsamen Pausen, gesellschaftlichen Begegnungen und Gewohnheiten, die über lange Zeit ihren Platz gefunden haben. Ihre Bedeutung reicht über die Wirkung einzelner Inhaltsstoffe hinaus: Ein Ritual kann für Menschen wichtig sein, ohne dass es ein pharmakologisches Gleichgewicht herstellt.

Am Ende führt sie zurück an den Tisch und zur Tasse Kaffee. Was diesen Moment ausmacht, können die Gesellschaft, das Gespräch und das vertraute Ritual sein. Ob die eigene Leistungsfähigkeit wiederhergestellt ist, lässt sich daran nicht ablesen.

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